Antipast misti

Vielhahnerei (Polygallusie?)

Der Mittagshahn ist übrigens nicht, wie ich zunächst annahm, ein reiner Mittagshahn, sondern vielmehr ein Rundumdieuhrhahn. Und noch genauer genommen ist er mindestens drei Hähne, die aus verschiedenen Himmelsrichtungen krähend, im steten Wettbewerb miteinander stehen. Die Leute hier kümmert das nicht. So gelassen möchte ich sein können!

Von wegen haute couture

Eine Kleinigkeit, vor der einen auch niemand warnt, bevor es an die Vermehrung geht, ist der bei Familien Jahr für Jahr zunehmende „Bedarf“ an jedwedem Sport- und Outdoorequipment. Und während die Antwort auf die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest selbstverständlich weiterhin „42“ lautet, so ist die Antwort auf alle anderen, für Familien relevanten und vor allem die Wo-bekomme-ich-das-Fragen inzwischen ebenso selbstverständlich „Decathlon“. Denn hier gibt es neben Ausstattung für nahezu jede Indoor- und Outdoorsportarten auch alles, was Menschen und Tiere zum Überleben in der Wildnis, während der Gaspreiskrise und nach einem Atomkrieg brauchen oder zu brauchen glauben. Und so ist es kein Wunder, dass ich schon Menschen erlebt habe, die vor Glück glasige Augen bekamen, wenn sie mal wieder in eine der in Deutschland noch rar gesäten Filialen konnten. In Italien ist das freilich anders. Hier gibt es mehr Decathlons als schmackhafte Brotsorten und so ist es kein Wunder, dass wir als echte Familie in diesem Urlaub schon die Filialen in Verona, Arezzo und Figline Valdarno beehrt haben. Und was da Ganze noch viel schlimmer macht: Drei Viertel der Familie glauben, damit dem Thema „Shopping in Italien“ hinreichend Rechnung getragen zu haben. Das verbleibende Viertel weint leise in ihr nigelnagelneues Badecape mit Hawaiimotiv.

Wieder Tiere

Diesmal geht es nicht um Hähne, sondern um Hunde. Genauer genommen, um große, weiße Hunde. Einer von ihnen, Carla, gehört zum Anwesen, auf dem sich unsere Ferienwohnung befindet. Carla ist eine sehr große, theoretisch sehr weiße und absolut gutmütige Hundedame, die sich tagein und tagaus gemütlich über die Wege trollt, hie und da ihre Nase in einem Blumenbeet vergräbt oder den ebenfalls hier beheimateten Katzenjungs (Hugo, Rocco & Toto) beim Spielen zuschaut. Carla hat auch einen Bruder, ebenfalls sehr groß und nicht mehr ganz reinweiß, der zwar nicht hier wohnt, aber regelmäßig in unserem Garten abhängt, weil es könnte ja was vom Frühstückstisch fallen. Zufällig! Der Dritte im Bunde ist der Vater von Carla und ihrem Bruder – Tosco. Tosco wohnt in einem Agriturismo ein paar hundert Meter die Straße rauf, findet es dort aber wohl eher langweilig. Deswegen schlendert er jeden Abend hundemutterseelenallein die Straße hinunter, besucht Carla und bleibt über Nacht. Jeden Morgen kommt dann sein Besitzer ebenfalls die Straße heruntergeschlendert, sammelt seinen Hund wieder ein und geht zusammen mit ihm nach Hause. Und wieder sind die Leute total gelassen und lassen die und überlassen das Bestimmen den Hunden.

Symbolbild für alle großen, weißen Hunde hier

Menschen und Pferde wohlauf

Vielleicht liegt es an mir und meinem Hang zu halbvollen Gläsern (neudeutsch: „doomscrolling“), aber ich habe in diesem Jahr schon mehr Hornissen erspäht, als in meinem gesamten bisherigen Leben. Zu Hause traf ich sie bisher nur vereinzelt, doch hier in der Toskana vergeht kaum ein Tag ohne Hornissenbegegnung und auch wenn keine dieser Faltenwespen bisher Anstalten gemacht hätte, mich oder die Meinen mit drei Stichen ins Jenseits zu befördern, stimmt es mich durchaus nachdenklich, dass ich im gesamten Italienurlaub bisher nicht ein einziges Pferd gesehen habe. Ich kann nur hoffen, dass das ein Zufall ist und frage mich gerade, ob Decathlon eigentlich auch Ganzköperschutzanzüge für Familien führt.

Flip

Neben den besagten Hornissen und dem Bruder von Carla tummelte sich in unserem Garten übrigens heute auch Flip, der deutlich größer ist als erwartet und das sogar ohne Zylinder.

Flipzilla

Vokabel des Tages

Pertine per pidocchi = Läusekamm

2 Kommentare

  1. Ich habe Hornissen bisher nur als sehr supere Tiere erlebt. Sie halten unsere Ländereien von Wespen und anderem unangenehmen Getier frei und hin und wieder fliegt eine, laut wie ein kleiner Hubschrauber, in mein Büro und knallt am andere Ende des Raumes gegen die Scheibe. Statt dann aber wie Wespen in „ich werde Euch alle töten!!!“-Laune zu geraten, brummen sie dann gemächlich die Scheibe lang, bis ich sie wieder raus weise.
    Freunde von uns hatten ein Nest direkt am Haus und darunter frühstückte es sich so entspannt wie sonst nirgends. Klar, außer uns traute sich da ja niemand hin.
    Na gut, aber Pferde gibts hier irgendwie auch nicht. Hm

    1. Das mit dem Hubschraubergeräusch kann ich bestätigen, bisweilen wird dies übrigens von dem „HORNISSE“ schreienden jüngsten Spross gekonnt übertönt. Ich kann den Tierchen bisher auch keine Arglist oder Ähnliches unterstellen. Nur die Sache mit den Pferden, aber daran könnte auch die Salamiindustrie hier schuld sein.

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