Berg- und andere Feste

Berge nicht feiern.

Ich liebe die Berge. Freilich nicht so wie die Seen oder das Meer. Aber es ist ein gerüttelt‘ Maß an Liebe. Und ginge es darum, etwa den Aiger, das Matterhorn oder die Zugspitze abzufeiern, ich wäre WIRKLICH die Letzte, die sich dem verweigern würde. Alle anderen Arten von Bergfesten lehne ich aber ab. Denn, wenn ich ehrlich bin, frage ich mich, warum es ein Grund zum Feiern sein soll, wenn die Hälfte von etwas rum ist. Also bei Gefängnisbußen, Hochsommerschwangerschaften und sogar Erwerbsleben kann ich das vielleicht noch nachvollziehen, aber dass der schöne Urlaub heute in einer Woche schon schön gewesen sein wird, das macht mich wahrlich traurig. Der Mann, dessen Gläser bekanntlich immer schon voller waren als die meinen, jauchzte heute Morgen: „Wir haben noch eine Woche!“ Und ich dachte nur bei mir: Das ist viel zu wenig, gemessen an dem, was ich bräuchte, um all meine Passwörter zu vergessen! Denn das ist vielleicht nicht das Maß aller Dinge, wohl aber das Erholungs-KPI schlechthin.

Große Kleine Herren feiern.

Echten Grund zum Feiern hatten wir am Wochenende dann aber doch noch, denn das Baby, das mich dereinst sowohl stürmisch als auch ein bisschen zögerlich zur Mama gemacht hat, feierte seinen zehnten Geburtstag und wir mit ihm. Mangels adäquatem Backgerät in der Ferienwohnung hat der Mann bereits zu nachtschlafender Zeit in der Pasticceria La Dolce Via Di Sorelli Saverio (öffnet morgens jeweils um 1:15Uhr und ja, so habe ich auch geguckt) eine mit Crema della Nonna gefüllte, äußerst schmackhafte Geburtstagstorte organisiert. Nach ein paar Verständigungsproblemen, die der Tortenverkäufer und der Mann mittels Einsatz von Grimassen, Händen und Füßen jedoch ausräumen konnten, bekam die Torte sogar noch eine persönliche Note, sie war also quasi wie selbstgebacken.

Während also der Mann den Kuchen herbei gestikulierte, übernahm ich die Dekoration der Ferienwohnung mit Luftballons und Lichterketten, die wir in einem groß angelegten Ablenkungsmanöver unter den Augen der Kinder, aber von ihnen unbemerkt, in Verona noch schnell gekauft hatten. Denn das Undenkbare war passiert: im Jahr zehn nach Einführung des Geburtstagskerzenzugs hatte ich vergessen, selbigen zu Hause einzupacken und mitzunehmen. Ein unentschuldbarer Lapsus, an dem sich wohl noch ein paar Tage zu knabbern haben werde. Glücklicherweise konnten die dargereichten Geschenke den Gefeierten von dem nicht vorhandenen Zug ablenken.

Denn: Bei einem Waldspaziergang waren wir im letzten Jahr einer Familie begegnet, die den Waldboden mit einem Metalldetektor absuchte und uns stolz die so gefundenen Schätze präsentierte. Die Kinder waren mächtig beeindruckt von der Ausbeute und im Kopf des Großen pflanzte sich der Wunsch ein, selbst mit einem solchen Detektor auf Schatzfindung zu gehen. Und so lag ein ebensolcher Detektor nun also als Gabe auf dem Geburtstagstisch, was den Beschenkten sehr freute.

Mit Kuchen in den Bäuchen und einem Metalldetektor im Kofferraum fuhren wir nach der kleinen Sause dann ans Meer, denn auch das hatte sich das Geburtstagskind (nachdem die Erstwünsche Aquapark und Kartbahn aus Gründen ausfallen mussten) gewünscht. Unsere Ferienwohnung liegt im Landesinneren, die Fahrt ans Meer war daher eher ein Tagesausflug als ein Kurztrip; für die Strecke bis zum Spiaggia Marina Di Vecchiano in der Nähe von Pisa brauchten wir gute zwei Stunden. Wir hatten ein wenig Sorge, der Strand könnte bei schönstem Wetter und an einem Samstag überlaufen sein, aber trotz voller Parkplätze konnte man Corona- und Wohlfühlabstände sehr gut einhalten und es kam an keiner Stelle zu wahrnehmbarer Knubbelbildung.

Kaum am Strand angekommen, kam der Metalldetektor zum Einsatz. Nachdem aber binnen einer Minute noch immer kein Goldbarren oder wenigstens irgendetwas Metallenes gefunden worden war, drohte die Expedition aufgrund von akutem Missmut zu scheitern. Denn es ging weniger darum, mit dem Detektor Schätze zu suchen, als darum, gefälligst ruckzuck welche zu finden. Mithilfe von ein paar Einstellungsänderungen (beim Detektor und beim Kind), wurde der Schatzsuchertraum schließlich doch noch wahr und die Ausbeute des Tages konnte sich durchaus sehen lassen. (Mal was anderes: Gibt es einen Markt für alte Patronenhülsen?)

3 rostige Patronenhülsen, zwei Patronenspitzen, 1 Kronkorken, 1 Sektkorken mit Metall, eine Batterie, Münzen im Wert von 1,75 €.
Reichtümer

Um Vergebung feiern.

Nach der Rückkehr vom Strand und einem (zu) üppigen Abendessen unterwegs, wollten die Kinder unbedingt noch das Festa del Pardono in Castelfranco di Sopra, gleich bei uns um die Ecke, besuchen. Dabei ging ihnen weniger um Vergebung etwaiger Sündchen, sondern vor allem um exzessive Karussellfahrten. Während ich früher auf unserer Dorfkirmes selbst jedes noch so abwegige Karussell vorwärts und rückwärts befahren konnte, bekam ich beim Zusehen, wie meine Kinder in meine Fußstapfen traten, schnell weiche Knie und Empathieschwindel und musste mir umgehend die schlotternden Beine vertreten, bis die Fahrten vorbei waren. Glücklicherweise war das irgendwann der Fall und wir konnten uns auf harmlosere Rummelvergnügen stürzen, wie zum Beispiel einen Besuch des Süßigkeitenstandes, der in die Jahre gekommene Gummisüßwaren verkaufte und der Wohltätigkeitstombola, bei der die Kinder für den Einsatz von 2€ ein Handdesinfektionsmittel und anderthalb Liter Blutorangensaft gewannen. Unser Glückstag!

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