Asiawoche, Teil V: Die erste Hauptspeise (Teriyaki – 照り焼き)

die-erste-hauptspeise1Die U-Bahn bildet zusammen mit der JR das zentrale Nervensystem der Stadt. Man kommt in kürzester Zeit in die entlegensten Winkel und die Bahnen fahren im Minutentakt. Da die Japaner es mit dem Englischen nicht an allen Stellen so wirklich haben, fühlt man sich anfangs beim Anblick des U-Bahn-Plans ein bisschen wie der Ochs vorm Berg, aber das legt sich eigentlich schnell. Man kann nicht wirklich viel verkehrt machen – nicht mal beim Ticketkauf. Die Japaner haben für ihre Fahrscheine ein beeindruckend einfaches System ausgeklügelt, das dafür sorgt, dass man egal wo man hinfährt immer den richtigen Fahrpreis bezahlt und zwar ohne lange darüber nachdenken zu müssen. Die Geheimwaffe nennt sich „Fair adjustment“ und das Prinzip ist denkbar einfach: Man kauft sich immer die billigste Fahrkarte für 160 oder 170 Yen und fährt damit dann erst mal los. Am Zielort angekommen steckt man die Fahrkarte dann in den Fair-adjustment-Automaten und der sagt einem genau, ob der bereits entrichtete Fahrpreis ausreichend war oder ob man noch nachzahlen muss. Da man ohne Fahrkarte weder zur U-Bahn kann noch aus dem Bahnhof heraus kommt, führt am Bezahlen kein Weg vorbei. Aber man muss wenigstens nicht einen Moment darüber nachdenken, welches der richtige Preis für die gewünschte Fahrstrecke ist.

Tokio ist die Stadt der tausend Köstlichkeiten. In manchen Vierteln Reihen sich die Restaurants wie Perlen auf einer Schnur auf. Die meisten sind auf die unterschiedlichen japanischen Spezialitäten ausgerichtet, aber auch die sonstige asiatische und die europäische Küche sind vertreten. Kosmopoliten wie ich essen aber auch in Japan gerne zum Dinner mal nur Kleinigkeiten, wie etwa die Tafel Schokolade die man noch aus dem Flieger retten konnte oder auch die Käsecracker aus der Minibar. Eine wahre Geschmacksexplosion, die mir den ersten Abend in Tokio durchaus versüßte.

Am Mittag des zweiten Tages durfte ich dann mit zwei Japanerinnen unter Anleitung etwas traditioneller japanisch essen gehen. Ein vegetarisches Buffet, Klebreis und Miso-Suppe. Das Essen sah hübscher aus, als es lecker schmeckte. Am Ende war noch die Hälfte übrig und ich war nicht wirklich satt. Dafür sorgte das gute alte Stäbchenspiel aber dafür, dass das Essen und ich uns köstlich miteinander amüsierten. Und gute Freunde isst man ja auch nicht einfach auf.

Lansch

Auf dem Heimweg vom Büro (diesmal zu Fuß) kam ich an einem Vergnügungsviertel vorbei und entschloss mich, dort mein Essen für den Abend zu jagen. Dort gab es zahlreiche Restaurants, Clubs und Spielhöllen, die bis unter die Decke mit Anzugträgern vollgestopft waren. Dazwischen überall Neonreklame und viele Menschen mit schlimmer Alkoholfahne. Das Ganze wie immer in gestriegelt und gespornt. Da die japanischen Restaurantbetreiber meiner und ich ihrer Sprache nicht mächtig waren, fanden wir an diesem Abend nicht zusammen. Die vielen bunten Bilder und die ausgestellten Plastikspeisen waren mir leider auch keine Hilfe. Zu groß war meine Sorge, dass fälschlicherweise statt eines Geflügelirgendwas ein Fischirgendwas in meinem Mund landen könnte. Kurzerhand (und da ich es ein wenig eilig hatte) entschied ich mich für ein Sandwich bei Subway, das ich aber als Option schon wieder verworfen hatte, als ich bei dessen Zubereitung zusehen musste. Ich zahle brav, aber wusste schon, dass dieses Sandwich und ich nie gemeinsame Sache machen würden. In letzter Verzweiflung fand ich einen Delikatessenladen, in dem ich französischen Käse, spanische Oliven und italienisches Knoblauchbrot kaufte. Und eine Dose japanisches Bier. Das war sehr lecker. Eines muss man diesen Japanern lassen: Sie verstehen wirklich was von gutem Essen. Nicht zuletzt deshalb freute ich mich darauf, am Wochenende die weiteren kulinarischen und sonstigen Höhepunkte der Stadt zu erkunden. Und mir vor allem auch diese Spezies etwas genauer anzusehen.

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Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Oh Mann, das ist natürlich hart, wenn man in Japan ist und keinen Fisch mag. :) Wenn ich mal dort bin, dann gehe ich für 2 Wochen in genau so einem Restaurantviertel vorloren…

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  2. Lese deine Tokio-Artikel mit Begeisterung. =) Das Preissystem in der U-Bahn finde ich ja dufte. Endlich müsste man sich in fremden Städten nicht mehr durch ein wildes Wirrwarr kämpfen, um am Ende doch wieder zu viel zu bezahlen. Clevere Japaner.

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  3. Vielen Dank für diese supertollen und interessanten Berichte aus dem Land der Ferne.. da ich nächstes Jahr selber gerne nach Japan reisen möchte, verschlinge ich deine Berichte mit Hochgenuss! Sehr schön! :)

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  4. Verloren in Japan, zumindest was das Essen angeht. Aber alles halb so schlimm, denn vom Jagen verstehst du was. Und zur Not hättest du auch einen Drachen schießen können, aber wie der dann wohl geschmeckt hätte.

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