Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Das Ende von Schweden rund um Varberg

Hatten wir gestern noch gedacht, dass wir heute noch mal in Göteborg vorbeischauen würden, weil es dort so schön schön ist, entscheiden wir uns heute spontan um. Das Wetter trägt daran nur eine Teilschuld. Wir haben die Stadt gesehen und für gut befunden, nun darf es gerne wieder auf einen schöneren Campingplatz und aufs Land gehen. Entschleunigung ist es schließlich, wofür wir hier sind. Erfolgsverwöhnt wie wir von unseren bisherigen Spontanbuchungen sind, rufen wir gleich mal bei einem besonders ansprechenden Campingplatz an, um uns ein Plätzchen für die nächsten beiden Nächte zu sichern. Aber was ist das? Ausgebucht. Nummer zwei ebenfalls. Nummer drei auch. Nummer vier hätte eventuell etwas für die zweite Nacht. Hallo??? Beim fünften Platz haben wir schließlich Erfolg. Die Reise geht also ca. 90 km weit nach Tvååker, in der Nähe von Varberg, das wir uns ohnehin dringend anschauen wollen.

Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrzeit kommen wir beim Rödlix Vandrarhem & Camping an und fühlen uns vom ersten Moment an pudelwohl. Der Platz ist eher klein aber absolut bezaubernd. Es gibt lustige Hühner, die dort zwischen den Wohnwagen rumrennen und Ziegen gibt es auch. Die sanitären Einrichtungen sind die mit Abstand besten, die wir auf unserer Reise angetroffen haben und der große Kleine Herr ist vom Spielplatz kaum wegzubewegen, auch wenn der auf den ersten Blick viel weniger „Pling“ erscheint als so manch anderer. Dafür gibt es dort aber neben den Spielgeräten total viele Spielsachen und glücklicherweise noch passende Kinder dazu.

großes klo trifft kleines klo

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Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Ein absolutes Highlight sind aber die vielen alten US Cars, die dieses Wochenende auf dem Platz zu Gast sind. Im benachbarten Falkenberg ist ein Oldtimertreffen und einige der Teilnehmer sind in Rödlix abgestiegen. Sehr zu unserer Freude, denn das ist ein wirklich toller Anblick. Auch das Brummgeräusch der alten Motoren ist irgendwie ganz besonders. Auch noch nachts um zwei.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

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Foto: Philippe Wyssen

Nach den Check-In halten wir uns gar nicht lange auf dem Campingplatz auf, sondern brechen gleich ins benachbarte Varberg auf. Leider sind wir spät dran (also nach Ladenschluss) und das Wetter ist zunächst miserabel. Wir schwingen uns also wieder in die Regenkluft und wie immer, wenn wir die Gummistiefel anhaben, besinnt sich das Wetter gleich eines Besseren. Wir kehren im Café Fästningsterrassen ein und gleich wieder aus, weil man dem großen Kleinen Herrn dort die Pommes nicht aus dem Menü heraus lösen möchte und es auch sonst gegen frühen Abend nichts Sinnvolles mehr für uns zu essen gibt. Also ziehen wir weiter ins Café im Kaltbadehaus, das uns gegen Bargeld wenigstens noch ein paar Tassen Kaffee und süßes Gebäck anbietet. Anschließend spazieren wir noch so lange durchs Städtchen bis der kleine Teil der Mannschaft zum Abflug bläst.

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Nachdem der Wettergott uns am nächsten Morgen wenigstens ein bisschen Sonne beschert, verbringen wir den Morgen mit allen möglichen Dingen vor und neben dem Wohnmobil. Der große Kleine Herr dekoriert mit einem deutschen Geschwisterpärchen den Spielplatz um, der kleine Kleine Herr übt sich darin, von der Krabbeldecke runter ins Gras zu robben, ich lese ENDLICH mein Buch zu Ende und der Mann fotografiert Autos. Nachmittags schauen wir Menschen beim leidenschaftlichen Boule-Spiel zu und entschließen uns dann doch noch zu einem Spaziergang ans Meer, das irgendwie nah und dann auch wieder fern ist. Ein schöner Ausstieg aus Schweden, denn es ist unser letzter Tag hier.

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Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Tiveden und weiter nach Kinnekulle

Nach dem spontanen Grillhappening des Vorabends ist heute zunächst mal vor allem Waschen angesagt. Klingt spannend, ist es aber nicht. Wie alle Gemeinschaftseinrichtungen auf diesem Campingplatz ist auch der Waschraum sauber und gut ausgestattet. Highlight: Ich begegne einem Gecko.

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Beim morgendlichen Wickeln finde ich im Bett des kleinen Kleinen Herrn eine quietschfidele Zecke – bereits die Zweite auf dieser Reise, die andere steckte leider ebenso quietschfidel vor ein paar Tagen im Rücken des großen Kleinen Herrn. Ich muss nicht betonen, dass wir im FSME-Risikogebiet sind und auch nicht, dass wir alle ungeimpft sind. Wir verfallen zwar nicht gleich in Panik, treffen aber ein paar einfache Sicherheitsvorkehrungen (lange Hosen, Hosen in die Socken, Einreiben mit Insektenschutz etc.) und sind im Umgang mit der Natur auf diesem sehr unterholzigen Naturcampingplatz nicht mehr ganz so entspannt wie vor ein paar Tagen noch.

Der Tag plätschert vor sich hin, alle Pläne, die Kinder einmal kreuz und quer durch die Gegend zu schieben, werden durch irgendwas zunichte gemacht, dafür gibt es stundenlange Spiel- und Fußballplatzeinheiten mit dem Papa.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Für den Abend haben sich die holländischen Campingplatzbetreiber dann gleich mehrere besondere Schmankerl ausgedacht: Es gibt Live-Musik mit Stefan van de Sande, hausgemachte Pizza und Getränke und später sogar noch ein Public Viewing zum EM-Finale. Obwohl wir es inzwischen besser wissen könnten, machen wir spontan beim Pizzaplausch mit und sind – das erste Mal auf der Reise – wirklich positiv überrascht. Das, was dort gezaubert wird, erinnert zwar mehr an Flammkuchen als an Pizza, aber es ist frisch, wirklich hausgemacht und sehr sehr lecker. Der anwesende Barde singt hauptsächlich Coversongs mit Gitarre und Mundharmonika, was unaufdringlich ist und uns daher weder stört noch enthusiasmiert.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Es ist gemütlich bei der kleinen Feierlichkeit, aus den üblichen Gründen müssen wir auf das Public Viewing dann aber verzichten und stattdessen mal wieder den Livestream ausbeuten – für einen doch eher lahmen Kick. Irgendwie schön, dass der EM-Drops nun fertig gelutscht ist.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Da am nächsten Tag eine erneute Waschsession fällig ist, kommen wir – wie so oft – nicht so früh wie geplant vom Platz. Zum Glück ist unser Tagesziel auch nicht in allzu weiter Ferne, rund 100 km fahren wir bis zum Campingplatz Kinnekulle bei Hällekis. Ein verspätetes Mittagspäuschen legen wir in einem wunderschön am Göta-Kanal gelegenen Hotel und Restaurant ein, wo wir für wenig Geld gut essen. Anschließend schauen wir uns bei der nahegelegenen Schleuse an, wie ein Boot den Kanal hoch und ein anderes den Kanal runter geklettert wird. Der große Kleine Herr ist fasziniert und ich schwelge in Erinnerungen, denn vor vielen vielen Jahren bin ich mit dem Boot den kanadischen Rideau-Kanal hochgefahren, auf dem es 50 Schleusen zu bewältigen gab. Ein Jammer, dass das so lange her ist, dass ich das nicht mehr retrospektiv verbloggen kann. 50 Schleusen-Posts, die der Welt also verloren gingen!

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Mit gut gefüllten Bäuchen und schönen Erinnerungen geht es weiter in Richtung Campingplatz. Das Wetter eiert weiter rum, so dass wir bei dichter Bewölkung und gelegentlichen Regenschauern auf dem Kinnekulle Campingplatz ankommen.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Der Platz hat eigentlich alle Voraussetzungen, wirklich schön sein zu können, scheitert aber bei dem Versuch am Ende doch kläglich. Das schlechte Wetter hilft ihm natürlich auch nicht wirklich. So ein schönes Fleckchen Erde – solche unterirdischen Sanitäreinrichtungen! Uns stinkt’s (leider wirklich) und wir sind froh, dass wir nur eine Nacht auf dem Platz verbringen werden.

Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Stockholm, der zweite Tag und Mariefred

Der Tag beginnt mit meinem Ausflug in die Värdcentral, wo ich pünktlich um 9:30 Uhr erscheine. Ich komme recht schnell dran, werde von einer netten Ärztin behandelt, muss einen Rachenabstrich und Blut abgeben und weiß nach nur 15 Minuten, was mein Problem ist: Streptokokken. Nicht etwas, das man unbedingt im Urlaub (oder überhaupt) braucht, aber wenigstens etwas, das man mit Penicillin recht schnell in den Griff bekommt. Obwohl ich mir zunächst etwas unsicher war, ob so ein Arztbesuch im Urlaub wegen ein paar Halsschmerzen wirklich not tut, bin ich nun froh, dass ich mich dafür entschieden habe. Gleichzeitig hoffe ich, dass ich in den letzten fünf Tagen niemand anderen angesteckt habe, denn das wäre auf so einer Reise mehr als blöd.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Ursprünglich hatten wir geplant, in Stockholm drei Nächte zu bleiben, aber der Campingplatz ist so wenig inspirierend, dass wir uns entscheiden, heute schon abzureisen. Da wir nochmal in die Stadt wollen, verhandeln wir aus, dass wir das Wohnmobil bis etwa 18 Uhr auf dem Gelände des Platzes parken können. Unter der ersten Penicillingabe und Schmerztabletten geht es mir deutlich besser und wir fahren erneut mit der U-Bahn in die Innenstadt, diesmal mit den Zielen Norrmalm und Shopping. Norrmalm gefällt mir außerordentlich gut. In der Drottninggatan und den umliegenden Straßen gibt es zahlreiche Geschäfte mit allem, was das Herz so begehrt. Hier ist es vielleicht ein bisschen mainstreamiger als in Södermalm, aber damit kann ich ganz gut leben. Ich bin wohl einfach nicht mehr so Prenzlauer Berg im Alter. Wir beginnen den Stadttrip mit einem typisch schwedischen Essen im Vapiano – keine Pointe.

Heute bin ich vor allem auf der Jagd nach schönen Dingen für meine tollen Kinder. Darum führt mich mein Weg zum Spielwarenparadies Krabat und zum schwedischen Kindermodelabel Polar O. Pyret, wo ich für die beiden Kleinen Herrn irgendwas mit Traktor erwerbe. Den Abschluss des Tages bildet ein Capuccino im Bianchi –Café & Cycles, wo es neben echt italienischem Ambiente auch den dazu gehörigen leckeren Kuchen gibt.

Auch wenn uns Stockholm in zwei Tagen nun doch noch von sich überzeugen konnten, sind wir heilfroh, als wir abends wieder auf dem Bock sitzen und die Stadt hinter uns lassen können. Es ist alles andere als leicht vom Campingmodus in den Stadtmodus umzuschalten, habe ich gelernt.

Unser Ziel für die Nacht ist der Campingplatz Mariefred, über den wir nur Gutes gehört und gelesen haben. Der Platz liegt nur rund 80 km westlich von Stockholm direkt am riesigen Mälarsee. Ich bin von diesem kleinen Plätzchen und seiner Lage sofort hin und weg. Hier ist alles so friedlich und entschleunigt – genau richtig, um ganz schnell wieder von der städtischen Campingerfahrung weg zu kommen. Einmal Nudeln mit Tomatensauce in der Abendsonne vor dem Wohnmobil und alles ist wieder gut.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Und noch ein Baby: Einkäsehoch

Einkäsehoch

Es gibt Ereignisse im Leben, mit denen sich die Schwerpunkte verschieben. Vor etwa einem halben Jahr wurde Luis geboren und auch schon während der Schwangerschaft habe ich mich gedanklich vor allem mit dem Thema „Mamasein“ beschäftigt. Für Mellcolm und ihre Abenteuer blieb wenig Zeit und noch weniger Energie.

Gleichzeitig habe ich aber in der Zeit als (werdende) Mama doch vieles erlebt, Neues kennengelernt, Altes verworfen und ich wäre nicht ich, wenn ich das alles für mich behalten könnte. Allerdings ist hier einfach nicht der richtige Ort dafür.

„Mellcolm“ bleibt „Mellcolm“ und irgendwann werde ich mich auch hier wieder austoben – alles nur eine Frage der Zeit. Für die Zwischenzeit und die „anderen Themen“ gibt es seit 1. Februar 2013 „Einkäsehoch„, ein Rundumskindblog. Vielleicht mögt Ihr mich ja auch dort gelegentlich besuchen. Ich würde mich freuen!

Kollektives Sitzenbleiben

Um zur Arbeit und von dort wieder nach Hause zu gelangen, bin ich täglich bis zu einer Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Das ist bisweilen wegen der Geräusch- und Geruchskulisse nicht unbedingt angenehm, aber für mich gegenüber dem Autofahren immer noch die bessere, kosten-, CO2- und zeitsparendere Alternative. Jedenfalls war das so, bis ich schwanger wurde. Weiterlesen

Irgendsoein Gespräch – Die ungeschönte Wahrheit

Freitagnachmittag im Zug. Zwei ältere Damen fahren (im meinem [!] Abteil) in die Sommerfrische.
(Erste, leicht geschönte Fassung.)

Die Eine: „Das letzte Mal als wir hier vorbei gefahren sind, das muss damals gewesen sein, als der Hans die Nierensteine hatte, da hat es hier auch geregnet.“
Darauf die Andere: „Schau mal. Eine Kuh. Die frisst Gras.“

Darauf die Eine: „Ja, die frisst Gras. Egal ob es regnet.“
Dann die Andere:
„Ach. Da ist der Schaffner. Ein netter junger Mann.“
Darauf die Eine:
„Ich habe immer Probleme mit meinen Füßen. Besonders mit dem Rechten, oder war es der Linke? Nein, der Linke ist seit der Operation an der Hüfte eigentlich in Ordnung.“

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