Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Öland und der Weg dorthin

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Nachdem wir seit Beginn unserer Reise die Campingplätze eher häufiger gewechselt haben, ist für das nächste Etappenziel – Öland – zur Abwechslung mal ein etwas längerer Aufenthalt geplant. Wir verlassen Karlskrona nach einem wenig spektakulären Frühstück und mit zwei lachenden Augen. Gestehen muss ich an dieser Stelle natürlich, dass ich der Stadt von der ich nicht mehr gesehen habe als einen Campingplatz, der sogar ein bisschen außerhalb liegt, vielleicht Unrecht tue. Aber so ist das eben auf so einer Reise: Es gibt Orte die treffen einen mitten ins Herz und dann gibt es noch die anderen, an die man sich schon am nächsten Tag kaum noch erinnern kann.

Die Weiterfahrt ins rund 170 km entfernte Löttarp auf Öland führt uns durch viel Ackerbau und Viehzucht und wir fragen uns, wie man sich das halt so fragt, ob dieser Teil von Schweden irgendwie aus der Zeit gefallen ist. In den wenigen Momenten, in denen wir uns nicht mit Sinnfragen beschäftigen, grüßen wir entgegenkommende Wohnmobiler, weil man das nämlich so macht. Wir lernen: Wohnwagen- und Wohnmobilbenutzer verbindet nur, dass sie sich gelegentlich Campingplätze teilen. Wie lernen auch, dass von Wegschauen über Finger kurz vom Lenkrad heben bis hin zu wild mit den Armen rudern beim Winken alles erlaubt ist.

Spektakulär ist die Fahrt über die Ölandsbron, die Brücke, die das Festland mit der Insel verbindet. Sie hat an einer Stelle einen hohen Buckel, wohl, damit die Schiffe bequem unter ihr durchfahren können. Sehr zu unserem Erstaunen ist die Überfahrt kostenlos. Auf Öland angekommen beschließen wir aus Gründen und guter alter Tradition, einen anderen Campingplatz anzusteuern als ursprünglich gebucht. Der Platz liegt im Norden der Insel, nahe Löttorp. Mittags machen wir Rast an einem der wunderschönen Rastplätze, die überall in Schweden zu finden sind. Leider macht uns der Wind einen Strich durch die Rechnung, denn das Essen ist kalt, bevor wir es in den Mund schieben können. Dafür stimmt das Ambiente.

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Am Nachmittag checken wir schließlich bei Sonjas Camping ein und sind uns schnell sicher, die absolut richtige Wahl getroffen zu haben. Der Platz ist zwar nicht allzu klein, aber mitnichten ausgebucht. Die sanitären Einrichtungen sind sehr gut in Schuss und wirklich sehr sauber, es gibt – neben dem obligatorischen Minigolf –zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder, einen schönen kleinen Pool nebst Babypool und eine wirklich vergleichbar gut ausgestattete „Butik“. Dass es im Sanitärbereich sogar eine Sauna gibt, ist in Schweden vermutlich Standard. Mich beeindruckt das dennoch. Wenn wir etwas zu bekritteln hätten, dann wohl nur die mit wenig liebe zusammengebastelte vegetarische Pizza im Campingplatzschnellrestaurant. Wer aber an einem solchen Ort mit kulinarischen Highlights rechnet, ist vermutlich ohnehin selbst schuld.

Nur einen kleinen Fußmarsch entfernt liegt ein wunderschöner und wenig frequentierter Sandstrand (was auch am nicht allzu prallen Sommerwetter liegen kann). Der große Kleine Herr ist auf Anhieb in den riesigen Sandkasten verliebt und würde sich am liebsten gleich in die Wellen stürzen. Dem kleinen Kleinen Herrn ist hingegen der viele Wind nicht so ganz geheuer.

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Foto: Philippe Wyssen

Den zweiten Tag starten die beiden älteren Herren in der Runde dann tatsächlich auch mit einem Bad im Meer. Ansonsten stehen nur ein paar Tonnen Wäsche, ein ziemlich putzbedürftiges Wohnmobil und zwei Geocaches, die gehoben werden wollen, auf dem Tagesprogramm. Wir wollen uns schließlich nicht unnötig stressen. Der große Kleine Herr ist inzwischen ein Cacher-Profi und findet die Dosen in Windeseile. Nach der Pizzapleite des ersten Abends setzen wir heute auf Risotto à la Chef und ein funktionierendes WLAN, um fern der Heimat doch bei der Mannschaft sein zu können. Ich kann behaupten, dass unser Führungstor nicht rein zufällig in dem Moment fällt, als ich der Campingplatztoilette einen Besuch abstatte. Dass der Spaß dann drei Stunden dauert und mit einem undankbaren Elfmeterschießen endet, wissen wir glücklicherweise erst nach dem Spiel. Ich bin am Ende in etwa so erschöpft wie der Rest der Mannschaft.

Tag drei bringt die Aussicht auf konstant schönes, wenngleich etwas kühleres Wetter. Wir machen uns auf den Weg, noch ein paar weitere Caches zu suchen und laufen vom Campingplatz aus in nordöstliche Richtung über Kuhweiden und –fladen, vorbei an Windmühlen und abgelegenen Stränden, ein bisschen länger und lassen uns einfach von der Schönheit und der Menge der Gegend tragen – vielleicht ein bisschen weiter als ursprünglich geplant. Natürlich haben wir für uns Große weder zu trinken noch zu essen dabei und für die Kleinen gerade genug, damit es nicht ungemütlich wird. Unser großes Glück ist unser Fahrradanhänger, den wir statt Kinderwagen mit auf die Reise genommen haben. Er ist geländegängig (auch wenn wir ihn hie und da über Mauern heben und unter Elektrozäunen durchmogeln müssen), gut gefedert und lässt sich windsicher verschließen – so dass sowohl kleiner als auch großer Kleiner Herr, den Rückweg zum Campingplatz friedlich verschlummern.

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Foto: Philippe Wyssen

IMG_5373Nach einem verspäteten Mittagessen während eines kurzen aber heftigen Regenschauers, beschließen Teile von uns den Tag zunächst mit aktivem, dann mit passivem Fußball. Als frisch gebackene Gesinnungsisländerin bin ich vom Spielverlauf gleichermaßen enttäuscht und gelangweilt und dann irgendwie auch froh, als es rum ist und ich in die letzte Nacht auf Öland hineinschlafen kann.

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