Hans-Martin, Twitter und der Weltfrieden

Hans-Martin. Das war dieser Mensch, dem es gestern Abend bei „Schlag den Raab“ binnen fünf Minuten gelang, sämtliche involvierten Modera- und Kommentatoren, den Stefan sowie alle Zuschauer im Studio und vor den Bildschirmen gegen sich aufzubringen. Dabei hatten vor allem Letztere dafür gesorgt, dass der Jungspunt (Beruf: angehender Apotheker) sich im Fernsehduell gegen Raab beweisen durfte. Aber das sind Details.

Hans-Martin schiss klug, wies zurecht, kotzte groß. Und ein Grund nach dem anderen, ihm den Sieg gegen Raab zu gönnen, löste sich in Wohlgefallen auf. Heimlich, still und leise erfolgte der Paradigmenwechsel: Niemand hielt Raab je für einen großen Sympathen, aber neben Hans-Martin wurde er auf einmal zum kleineren Übel. Das Studiopublikum entzog ihm den Applaus und wir TV-Twitterer zogen parallel nach allen Regeln der Kunst über Hans-Martin her – ein Stammtischgespräch am größten Stammtisch Deutschlands.

Wie an allen Stammtischen schoß natürlich auch bei Twitter der ein oder andere Kommentar über das Ziel hinaus. Die nicht enden wollenden Sozialpatzer des tumben Kandidaten taten dabei ein Übriges, um den Grat zwischen allgemeiner Belustigung und blankem Hass zeitweise bindfadenschmal werden zu lassen. Herr Gott noch mal – das ist menschlich! Hier sippenhaftesk von der „begeistert zur Schau gestellte(n) Asozialität“ der Twitterer zu sprechen – wie es die FAZ tut – ist ein bisschen wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.

Das Thema Hans-Martin ist nicht staatstragend. Und es ist nicht weniger legitim, sich bei Twitter über jemanden das Maul zu zerreißen, der dafür eine Steilvorlage nach der anderen bot, als ihn offline und öffentlich auszubuhen. Hans-Martin hat sich höchst selbst dafür entschieden, einem Millionenpublikum sein nicht ganz so einnehmendes Wesen zu offenbaren. Und dass er intelligent genug ist sich über die Konsequenzen klar zu sein, darf man bei einem verbrieften IQ von 143 annehmen.

Hans-Martin Irgendwas ist heute (verdientermaßen) um eine halbe Million Euro reicher. Und ansonsten wird sich die Erde einfach wie gewohnt weiter drehen.

Kommentare (19) Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr schön zusammengefasst.
    Letztendlich ist ja eigentlich auch nicht mehr, als irgend ein schlechter DSDS-Kandidat.

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  2. Danke für die Zusammenfassung, hatte nur das letzte Spiel gesehen und war über die Reaktionen der anderen Beteiligten inkl. Publikum verwundert!

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    • Mellcolm

      Deine Analyse ist interessant, auch wenn ich mich noch nicht so ganz als Opfer der Raab-Marketing-Maschinerie sehen mag. Ich bin ja auch schon groß und kann mögen und nicht mögen. Aber ich sehe Deinen Punkt (wie man neudeutsch so schön sagt…) ;)

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  3. Danke Mallcom. Für den kompletten Beitrag, insbesondere aber für:

    “Hier sippenhaftesk von der „begeistert zur Schau gestellte(n) Asozialität“ der Twitterer zu sprechen – wie es die FAZ tut – ist ein bisschen wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.”

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  4. Pingback: Anti-Sympathieträger Hans-Martin schlägt den Raab | Telagon Sichelputzer

    • Mellcolm

      Schaurig, wie leicht es passieren kann, dass man die Geister die man rief nicht mehr los wird.

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  5. Pingback: Raab, schlag den Hassmartin | We LIKE ... to stupidtain ... YOU

  6. Er ist sehr viel mehr als ein durchschnittlicher DSDS-Kandidat. Er ist studierter Pharmazeut und – glaubt man SPIEGEL-Online – sogar Doktorand. Er hätte es besser wissen können und müssen und sich mit diesen bestechenden Charaktereigenschaften niemals so im Prekariats-TV präsentieren dürfen. Mitleid kann ich mit so einem Menschen nur bedingt haben. Den größten Teil seines Geldes wird er für die – sicher auch schon vor der Sendung am 12.09. – dringend notwendige Psychotherapie und zur Aufstockung seiner Ritalin-Vorräte benötigen. DAS hätte er nämlich unbedingt VOR der Sendung nehmen sollen, dann hätte das Ganze sicherlich einen anderern Verlauf genommen.
    Man kann nur hoffen, dass sich das Ganze bald beruhigt und er etwas aus dieser Tragödie lernt!
    Ich selbst kenne leider nur allzu viele Jung-Akademiker mit einer ähnlich gestörten Selbstwahrnehmung und einer H.-M. gleichen Beratungsresistenz und muss jeden Tag mit diesen Menschen leben.

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    • Mellcolm

      Vielleicht macht die Aussicht auf so viel Geld auch einfach “blind”. Jedenfalls darf man annehmen, dass nicht die vollen 143 am Start waren am Samstagabend.

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  7. Ich hab erst später eingeschaltet, und meinte nach 2 Minuten :
    Was für ein A..loch.
    Und da hatte er noch nicht mal was gesagt, weshalb ich mich dann auch ganz schuldig fühlte und in die Runde sagte, dies sei meine rein persönliche 1.Einschätzung, die durchaus falsch sein kann.
    Allerdings kam schon der Verdacht auf, dass es sich um einen Rosa-Polo-Hemden-Träger handelt, der den Kragen hochstellt.
    Das wurde auch bestätigt als er seinen Mund aufmachte.

    Meine Frage, ich hab es anscheinend verpasst, inwiefern ist denn verbrieft, dass sein iq bei 143 liegt?

    Ist das vielleicht aufgerundet oder ist es eine Komma Null :) ?
    Ich muss mich wohl schämen, da lieg ich weit drunter, obwohl ich mich für sehr viel schlauer hielt als ihn, aber vielleicht ist Schlag den Raab einfach kein gutes Feld um seinen iq unter Beweis zu stellen.

    Wäre sein iq tatsächlich so hoch, dann muss der Schluss erlaubt sein, dass der iq evtl. einfach eine Frage des Charakters ist:
    Je klüger desto egomanischer.
    Ich zweifle jedoch sehr an der 143.
    Da waren doch viele Verhaltensweisen und Aussagen, die ein intelligenter Mensch nicht an den Tag legen würde oder?
    Die hochbegabten Menschen, die ich bisher persönlich kennengelernt habe, waren allesamt recht introventiert, oder besser gesagt, reflektiert.
    Dies war ja bei Hans nicht wirklich der Fall.
    Und weil er wüßte, dass seine Fehlerquote bei mindestens 5% liegt, selbst wenn er “perfekt” ist, würde sich ein intelligenter Mensch nicht stets so weit aus dem Fenster lehnen.
    Seine Vorgehensweise beim Knobeln mit den Hölzern fand ich allerdings tatsächlich recht clever.
    Er verkleinerte so ja (bilde ich mir wenigstens ein) die Chance, dass Raab richtig schätzen würde, wenn Hans anfing mit dem Schätzen.
    Umgekehrt würde seine eigene Chance richtig zu schätzen, er als zweites dran war, gleich bleiben.
    So würde er sich wohl einen mathematischen Vorteil erarbeiten, der bei einer ausreichend großen Anzahl von Schätzversuchen zum Tragen hätte kommen müssen.
    Dass er seine Idee dahinter dann aber hochnäsig noch während des Spiels erzählt hat, läßt dann doch wieder an seinem Intellekt zweifeln.
    Offenbar ist wie hoch auch immer sein iq sein mag, sein Ego noch mal um einiges größer :).

    Was mich noch bewegt sind 2 Fragen:

    Wie furchtbar waren die anderen Kandidaten, die zur Auswahl standen, dass Hans gewählt wurde?

    Und wie konnte Hans gewinnen, wo andere schon ganz andere Kaliber an Raab gescheitert sind?
    War Raab vielleicht in Gedanken noch im Urlaub :) ?

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    • Mellcolm

      Wir werden die Antwort auf Deine Fragen vermutlich nie erfahren. Aber schon bald werden wir uns eine andere Frage stellen: Wann wurde der Raab eigentlich das letzte Mal geschlagen?

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  8. Ich habe SdR zwar nicht gesehen. Aber dies ist schon der zweite Beitrag (Nr. 1 stammt aus der Welt des Sportes und zwar von hier: http://koenigsblog.net/2009/09/13/albert-du-hans-martin/) der mir zeigt, ich habe nicht sehr viel verpasst an diesem Abend. Wenn bei der Wahl zwischen Pest und Cholera der Kollege Raab als weniger üble Krankheit erscheint, dann hat meine häufige Fernseh-Abstinenz doch echt was Gutes. Danke auch für deine nette Beschreibung.

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    • Mellcolm

      Dass Du nichts verpasst hast, würde ich nicht sagen. Aus psychologischer Sicht waren die Ereignisse des Abends sicher höchst interessant. Drücken wir es daher anders aus: Du bist heute nicht dümmer als die, die “dabei” waren. Vielleicht sogar das Gegenteil.

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  9. Mellcolm

    Ich bin in diesem Falle nachtragend:

    Der junge Mann hat sich in “Schlag den Raab” wie ein nicht ordentlich sozialisierter Kotzbrocken benommen. Das ist keine böswillige Unterstellung sondern eine Tatsache.

    Dennoch behaupte ich nicht, dass er deshalb auch kleine Kinder frisst. Und ich wünsche ihm auch sonst nichts besonders Schlechtes an den Hals. Dieses ganz öffentliche Rumgehasse ist unverhältnismäßig und soll in den meisten Fällen wohl nur von eigenen Unzulänglichkeiten ablenken.

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  10. Pingback: böse Männer: Hass-Martin, Porno-Rammstein und Co. | rumsabbeln.de

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