Mugs & Moritz: Teile XVII & XVIII

ImitassionSie sind die Königinnen des Oberschranks und die Zicken vom Dienst. Die Tussentassen lassen sich von nichts und niemandem den Zucker aus dem Kaffee stehlen. Im Schrank werden sie von allen bewundert.  Sie wollen ihren großen Auftritt, sie bekommen ihn. Sie sind jung, sie sind unzertrennlich und sie sind zu schön, um leer zu sein.

Ein Stammplatz in der ersten Schrankreihe ist ihnen sicher. Und immer wenn die Tür sich öffnet, halten sie selbstbewusst und stolz ihre teuren Designerhenkel ins glitzernde Lampenlicht. Eine großartige Show, von der am nächsten Tag sogar in der Küchenzeile gegenüber gesprochen wird.

Die Beiden sind ein porzellangewordener Traum, nach dem sich die Kaffeelöffel hoffnungsvoll verzehren. Jeder Einzelne von ihnen liegt nachts in seinem Schubladenfach und träumt davon, einmal einen cremigen Milchkaffee bei einer der beiden Schönheiten umrühren zu dürfen. Selbst die Kuchengabeln würden für einen kurzen Glücksmoment ihre Natur verleugnen. Und die Untertassen würden sie auf Händen tragen.

Doch das Werben aus der Besteckschrank perlt an den Diven ab wie überschüssiges Spülwasser. Nicht im Traum kämen sie auf die Idee, sich mit einfachem Handwerkszeug abzugeben! Zumal es ohnehin nur eine Frage der Zeit ist, bis sie den Porzellanplebs, die zweite Wahl, die Welt der Macken und Kitsche hinter sich lassen! Nein. Sie wollen hoch hinaus!

Eines Tages ist es dann soweit. Statt sie nach Dusche und Sauna wieder an ihren angestammten Platz zu stellen, schiebt man sie auf das höchstgelegene Bord im Schrank. Welch‘ unbändiges Glück, welch‘ endlose Freude! Sie haben es geschafft – sind ganz oben angekommen – the sky is the limit.

Und da stehen sie nun zwischen Blumenvasen und Tupperdosen, zwischen Thermoskannen und Küchenreiben, zwischen Dosensuppen und Spülmaschinentabs und niemand, wirklich niemand hier oben ahnt, dass die beiden kleinen Becher noch vor Kurzem große Stars waren.

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Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Den Tässchen würde ich aber mal ganz was Feines einschenken:
    Kaffee/ Grappa aber mit ohne Kaffee, Zucker kann auch weg und der Grappa darf der 5€ Klasse zuzurechnen sein.
    Dann- ja dann- fielen die Henkel ab und fortan wären sie des Berlusconis Ohren! Warnung dem Wanderer, den es aus unerfindlichen Gründen nach Süden zieht.

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