Wiesn 2009

Das zur Verfügung stehende Holz sorgsam vor der Hütten aufgeschichtet, die Schleife lasziv links gebunden, der Unterrock neugierig unter dem Saum hervorlugend – Oktoberfest, ich komme!

Der erste Schock sucht mich dann schon auf dem kurzen Fußweg zur Wiesn heim: Am hellichten Tage begegnen mir unzählige Menschen, die neben Muttersprache und Anstand auch die versammelte aufgenommene Nahrung des Tages bereits mehrfach verloren haben. Aber das sind Details. Und Australier.

Einmal durch die Menschenpampe auf der Hackerbrücke durch- und an den zahlreichen Polizisten vorbeigewuselt gerät man gleich in den Sog der Masse, die sich eilig in Richtung Wiesn schiebt. Es dirndlt und krachledert aller Orten. Mit und ohne Geschmack.

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Wies’nphobie

Als sich eines kälteklirrenden Spätwintertages der mir in die Gene geklöppelte vorauseilende Gehorsam mit einem dahergelaufenen Anflug geistiger Umnachtung hier in München auf eine Tasse Tee traf, wurde heimlich, still und leise Schicksal gespielt. Denn nach diesem heiteren Teekränzchen machte sich in meinem (infinitesimalen!) Kleiderschrank so ein bayerisches Dingsbums breit und trällert mir seither ein deftiges „Servus“ zu, wann immer ich die Tür auch nur einen Spalt breit öffne. Diese Schufte hatten sich tatsächlich nicht entblödet, mir ein Dirndl an den Hals zu hexen! Wo ich doch an einer schlimmen Traditionsunverträglichkeit leide, die mich gelegentlich aufs Heftigste tourettisiert. Himmearschundzwian.

Aber das Dirndl war nur der erste Teil des hinterhältigen Plans. Ein ganzes Leben lang habe ich mich erfolgreich dagegen zur Wehr gesetzt, Pobacke an Pobacke mit alkoholisierten Fremdlingen große Massen Mengen kalorien- und hopfenreicher Flüssigkeiten zu mir zu nehmen. Und dann erklärt mir dieses hochnäsige München rotzfrech, dass das hier zum guten Ton und sowieso zum „savoir-vivre“ gehöre. Ordentlich-auf-die-Kacke-hauen als Lebensphilosophie, die am Abend schnell mit einem Veuve Clicquot runtergespült wird. Bevor man es nicht mehr zur Toilette schafft.

Ich muss an dieser Stelle nicht erwähnen, dass man mit den Holzvorräten vor meiner Hütt’n allenfalls ein kleines Freudenfeuer entfachen könnte. Und auch nicht, dass ich allenfalls die Hell’s Angels zur Not noch in Lederhosen ertragen könnte.  Kurz: Ich will nicht, ich will nicht, ich WILL NICHT.

Es ist nicht mal Juli und ich wache schon jede Nacht schweißgebadet auf, weil in meinen Träumen immer wieder einer „O’zapft is“ schreit. Und ich merke, wie ein mächtiger Zapfhahn einem Pflocke gleich mitten in mein Rheinländerinnenherz getrieben wird.