Süllt

Was kostet die Welt?

Die Herren kommen in farbenfrohen Pullovern daher (pink, grün, orange – allesamt von namhaften Designern persönlich aus dem Brustflaum der tibetanischen Zimtziege geklöppelt). Das Haar tragen sie länglich und zurückgegelt. Die Füße stecken in teuren italienischen Slippern. Um den Bauch schlängeln sich exklusive Gürtel, deren auffällige Schnalle nicht selten auf den Namen „H“ hört.

Die Damen schmücken sich nach allen Regeln der Kunst mit Lederprodukten aus dem Hause Louis Vuitton. Die Lippen sind aufgespritzt, die Falten glattgebotoxed, die Brüste voll praller Unnatürlichkeit, das extendierte Haupthaar (tatsächlich immer noch vorzugsweise) blond. Die braunen, durchmanikürten Füße stecken in Machwerken von Christian Louboutin und Jimmy Choo oder in den guten alten Tod’s.

Während die Eltern in ihren pompösen Reetdachvillen rauschende Feste geben, finden sich die zahlreichen Kinder aus reichem Hause Nacht für Nacht in den Clubs „Rotes Kliff“ oder „Pony“ ein. Hier wird dann die elterliche Platincard gezückt, um sich und den gesamten Freundeskreis mit Veuve Clicquot, Roederer oder deren höherprozentigen Kollegen abzuschiessen.

Die noch nicht clubtaugliche jüngere Nachkommenschaft sowie die vierbeinigen Kinderersatzmodelle werden oft schon im Welpenalter auf das Leben im Jet Set eingestimmt. Kleinkinder, die wie Weihnachtsbäume mit Chopard Schmuck behangen sind, werden ebenso häufig erblickt wie Hunde, die mit großen Augen aus ihrer höchsteigenen Tasche der bereits genannten französischen Kofferfabrik glotzen.

Willkommen auf Sylt!

Ah, jetzt ja, eine Insel!

Ein Spaziergang zum Strand, an dem rauhe Nordseewellen tosen. Vielleicht mit einer kleinen Rast in einem der vielen Strandkörbe. Eine Radtour von Wenningstedt nach List, vorbei an der „Uwe Düne“ und dem „Ellenbogen“, vorbei an hübschen Reetdachhäusern, die die Sylter Örtchen wie Partnerstädte von Schlumpfhausen erscheinen lassen. Vielleicht ein Stück Rhabarberkuchen und einen Pott Milchkaffee in der „Kupferkanne“. Ein Blick auf ein Meer von Heide. Eine Wanderung übers Watt in knallbunten Gummistiefeln- immer wieder die steife Brise um die Nase. Und dann vielleicht ein Krabbenbrötchen bei Gosch (dieser Teil ist mangels Fischliebe imaginiert). Und wenn dann noch die Sonne von einem wolkenlosen Himmel strahlt! Dann geht einem plötzlich das Herz auf.  Und die wahren Klischees können einem den Buckel runter rutschen.