Ohrenbetäubendes kleines Leben

IMG_0045Um herauszufinden, dass das eigene Baby häufiger und exzessiver schreit als das unter Babys gemeinhin so üblich ist, muss man nicht vom Fach sein. Die Erkenntnis kommt wie von selbst, nur anzufangen weiß man damit leider nur wenig. Und erstaunlicherweise steht man zunächst mit dem Problem ziemlich alleine da. Dabei sind – je nach Studie – statistisch 16 bis 29% der Säuglinge in den ersten drei Monaten, 8% darüber hinaus von exzessivem Schreien betroffen, sind also so genannte „Schreibabys“. (Der Volksmund spricht wegen der Häufung in den ersten drei Monaten auch gerne von Dreimonatskoliken, was aber gleich in mehrerlei Hinsicht irreführend ist, denn Bauchweh ist nur ganz selten der Grund für das Schreien.)

Der kleine Herr war von Anfang an kein besonders ruhiger Vertreter. Bereits im Krankenhaus machte er lautstark auf seine Bedürfnisse aufmerksam. Wenn man gerade erst in die feindselige Welt geschleudert wurde und noch dazu recht unsanft, ist es ja nur recht und billig, seinem Unmut Luft zu machen und Forderungen zu stellen. Schließlich geht es für so einen kleinen Wurm ums nackte Überleben! In den ersten Wochen ließ sich sein Schreien jedoch klar mit Bedürfnissen in Verbindung bringen. Er hatte Hunger, war müde, schwitzte, fror oder hatte eine volle Windel. Alle diese Probleme ließen sich beseitigen, so dass die häusliche Ruhe meist schnell wiederhergestellt war und der kleine Herr zufrieden schlummerte.

Etwa ab der  vierten Woche änderte sich das: die Schreiphasen kamen häufiger, waren länger und all zu oft unstillbar. Natürlich spielten wir das Hunger-Bauchweh-Müdigkeit-volle-Windel-Spiel jeweils durch, aber selbst nachdem wir sichergestellt hatten, dass alle denkbaren Bedürfnisse gestillt waren, hörte das Weinen nicht auf.

Da der kleine Herr sich von Geburt überstreckte und sich dies in den Schreiphasen besonders bemerkbar machte, begaben wir uns – auf Anraten unserer Hebamme – in osteopathische Behandlung. Er war damals etwa sechs Wochen alt. Die Osteopathin diagnostizierte schnell verschiedenste Blockaden in Hals- und Brustwirbelsäule, aber auch in der Hüfte und den Füßen, die sehr wahrscheinlich von der Geburt herrührten und die ebenso wahrscheinlich die Ursache für sein Schreien waren. Die Osteopathiesitzungen sollten jeweils 60 Minuten dauern. Spätestens nach der Hälfte mussten wir jedoch zumeist abbrechen, weil der kleine Herr weinte und weinte und sich durch nichts und niemanden beruhigen ließ. Die kleineren Blockaden konnte die Osteopathin schnell lösen, aber vor allem die Blockade in der Halswirbelsäule erwies sich als hartnäckig und die Schreiattacken gingen weiter.

Und so hatten wir auf der einen Seite die Blockaden, die den kleinen Herrn vermutlich zu Schreien veranlassten und auf der anderen Seite eine so genannte frühkindliche Regulationsstörung, die dazu führt, dass er sich nicht selbst beruhigen kann, was  die meisten Babys instinktiv schon ganz gut hinbekommen.

Je mehr der kleine Herr schrie, desto weniger schlief er. Vielleicht war es auch umgekehrt. Interessanterweise setzte das exzessive Schreien in den Nächten aus. Zwar meldete er sich lautstark zu Wort, wenn er Hunger hatte, aber nach vollzogener Fütterung schlief er auch gleich wieder seelenruhig weiter. Ein bisschen Zeit zum Durchatmen, denn die Zeiträume von Flasche zu Flasche wurden schon bald länger.

Ganz anders verhielt es sich tagsüber. Um ihn zum Schlafen zu bringen, halfen nur ausgedehnte Spaziergänge. Der Kinderwagen beruhigte ihn offensichtlich. Doch die Angst davor, dass er unterwegs aufwachen und losschreien könnte, wurde mein ständiger Begleiter. Da ich nicht stillte, verließ ich das Haus niemals auch nur fünf Minuten, ohne mehrere Milchflaschen, Pulver und abgekochtes heißes und kaltes Wasser. Denn auch wenn das keine sichere Bank war, gab es Grund zur Hoffnung, dass ein leckeres Fläschchen im Notfall Schlimmeres verhindern konnte.

Da außerhalb des Kinderwagens tagsüber nicht ans Schlafen zu denken war und Nichtschlafen gleichbedeutend mit Schreien war, besorgten wir für den kleinen Herrn eine Federwiege von NONOMO und schaukelten ihn was das Zeug hielt, wenn wir merkten, dass er müde war und die Stimmung zu kippen drohte. Mithilfe der Federwiege konnten wir ihm wenigstens hin und wieder zu ein wenig Tagschlaf in unseren eigenen vier Wänden verhelfen. Das war für alle Beteiligten ein echter Segen und ich würde Eltern von exzessiv schreienden Babys die Anschaffung einer solchen Federwiege unbedingt empfehlen. (Man kann die NONOMO zunächst auch gegen Gebühr ausleihen, um zu sehen, ob sie hilft. Und es gibt auch Federwiegen anderer Hersteller, die ganz sicher genau so gut sind.)

Dass die Federwiege uns oft half, den kleinen Herrn zum Schlafen zu bringen, bedeutete leider nicht, dass nun großflächig Ruhe einkehrte. Dennoch war sie für uns ein bisschen mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sehr oft dauerten die Schlafphasen in der Federwiege zwar nur etwa 30 Minuten, aber da unsere Tage in der Regel gegen 7 Uhr begannen und nicht vor 22 Uhr aufhörten, war jede einzelne „ruhige“ Minute mir mehr als willkommen. Hinzu kam, dass die Stimmung nach den Schläfchen meist für eine kleine Weile verhältnismäßig gut war.

In den ersten Wochen und Monaten schickte ich meinen alten Freund Google wohl unzählige Male mit dem Wort „Schreibaby“ auf die Suche. Je länger das Schreien andauerte, desto schwieriger war die Situation für mich zu ertragen und desto verzweifelter suchte ich nach der ultimativen Lösung für unser Problem. Unweigerlich stolperte ich so auch über das Buch „Das glücklichste Baby der Welt: So beruhigt sich Ihr schreiendes Kind – so schläft es besser“ von Dr. Harvey Karp.  Zwar sträubten sich mir allein schon beim Titel alle Nackenhaare, aber ich war verzweifelt und das Buch bekam so viele gute Kritiken, dass ich es am Ende doch kaufte.

Harvey Karp ist der Überzeugung, dass sich mit fünf einfachen Maßnahmen („die fünf S„), die jeweils in einer festgelegten Reihenfolge durchgeführt werden, jedes noch so exzessiv schreiende Kind beruhigen lässt. Dem Ganzen liegt übrigens die nicht ganz unspannende Theorie zu Grunde, dass jedes Baby im Grunde ein Trimester zu früh geboren wurde (darauf führt man auch die Regulationsstörung zurück) und dass man es deshalb zur Beruhigung „künstlich“ in die Situation im Mutterleib zurückführen sollte. Um dies zu erreichen, soll das Baby 1. stramm eingewickelt (gepuckt) werden, dann 2. in die Seitenlage versetzt werden, anschließend 3. mit Sch-Lauten beruhigt, 4. rhythmisch geschaukelt und schließlich 5. zum Saugen animiert werden.

Um es vorweg zu nehmen: Wir sind bei den fünf „S“ gleich an mehreren Stellen gescheitert. Der kleine Herr mochte nicht gepuckt werden (und ich mochte ihn nicht zu seinem „Glück“ zwingen). Auf die Seitenlage habe ich aus meiner Furcht vor SIDS lieber verzichtet und mit meinen Sch-Lauten bin ich während einer Schreiattacke nicht mal annähernd zum kleinen Herrn durchgedrungen. (Später entdeckte ich dann eine White-Noise-App für’s iPhone, die im Zusammenarbeit mit der Federwiege doch zumindest kurzfristig Wirkung zeigte.) Rhythmisches Schaukeln und Saugen funktionierten ja bereits vorher – manchmal! Karps Tipps haben uns also nicht maßgeblich weitergebracht.

Wenn ein Baby über einen längeren Zeitraum exzessiv schreit, liegen selbst bei gut geerdeten Eltern irgendwann die Nerven blank. Die Belastung ist groß und für Außenstehende, die das Ganze nur punktuell oder vom Hörensagen mitbekommen kaum nachvollziehbar. Die oft gehörte und sicher gut gemeinte Aussage, dass schließlich jedes Baby schreie, hilft dann tatsächlich genau so wenig weiter wie der Hinweis, dass vielleicht die eigene Unsicherheit in der Situation schuld an der Situation sein könnte (Henne-Ei-Henne – Ihr kennt das) Ich geriet an meine Grenzen – in vielerlei Hinsicht. Und wusste dabei oft nicht so recht, wie ich mich sich selbst wieder in geordnete Bahnen bringen soll.

In den meisten Partnerschaften ist es in den ersten Monaten vor allem die Mutter, die sich intensiv Tag und Nacht mit dem Baby auseinandersetzt. Wenn der Vater nicht gerade mit den Vätermonaten in die Elternzeit einsteigt, wird er in der Regel wenige Wochen nach der Geburt wieder arbeiten gehen, um den Unterhalt für seine kleine Familie zu sichern. So war es auch bei uns, was bedeutete, dass ich den größten Teil der Zeit mit dem kleinen Herren und seinem großen Kummer alleine war. Jeden Tag habe ich herbeigesehnt, dass der Papa von der Arbeit nach Hause kommt und mir hilft, mich rettet. Viele Stunden saß ich in einen abgedunkelten Raum ohne Hintergrundgeräusche („bloß keine Reizüberflutung!“), hielt ein schreiendes Baby im Arm und wartete darauf, dass es vor Erschöpfung in meinen Armen einschlief. Tage zäh wie Kaugummi!  Abends riss sich des kleinen Herren Papa ein Bein aus, um mich zu entlasten und meinen Tag zumindest schön ausklingen zu lassen. Aber gegen das weiterhin andauernde Geschrei des Zwergs kannte auch er kein Patentrezept – denn in Wirklichkeit gab es dieses nicht. Man stellt sich in den zehn Monaten, die man auf die Ankunft des neuen Mitbewohners wartet, vieles vor, das meiste hat mit übermenschlich großem Glück zu tun. Aber auf eine solche Situation hatten wir Beide uns nicht gefasst gemacht.

Ursprünglich hatte ich geplant, mit dem kleinen Herrn verschiedene Kurse zu besuchen (Babymassage, PEKiP, Rückbildung mit Baby), weil ich wollte, dass er es bei seinem Start ins Leben so schön wie möglich hat und auch früh mit anderen Babys in Kontakt kommt. Aber es stellte sich sehr schnell heraus, dass eine gemeinsame Kursteilnahme so gut wie unmöglich war. Den Babymassagekurs verließ ich nach der zweiten Sitzung, PEKiP und Rückbildung mit Baby trat ich gar nicht erst an. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass niemandem damit geholfen sei, wenn mein Baby und ich an einem solchen Kurs teilnehmen. Dem kleinen Herrn nicht, weil er in seinem Schreigefängnis meist ohnehin der Welt entrückt war und die gut gemeinten Aktivitäten ihn eher weiter überreizten. Mir nicht, weil ich mich statt um meine Übungen um die Beruhigung des kleinen Herrn kümmern musste und es mir peinlich (ja, peinlich!) war, wenn ich ihn am Ende einfach nicht beruhigen konnte. Mal ganz davon abgesehen, dass öffentliche Verkehrsmittel die mich zu den verschiedenen Schauplätzen hätten bringen sollen, für mich mit dem kleinen Herren immer der blanke Horror waren. Ich mag es, in der Anonymität der Menge unterzugehen: Mit einem Schreibaby funktioniert das nicht.

Statt Kurse zu besuchen, versuchte ich mich mit Freundinnen zu verabreden, die auch gerade Mutter geworden waren. Die Hälfte dieser Verabredungen musste ich kurzfristig absagen, da der kleine Herr sich entweder schon beim Anziehen rettungslos in Rage schrie oder spätestens nach den ersten Metern im Kinderwagen. Ich konnte nicht da drüber stehen und ich konnte ihn auch nicht einfach schreien lassen und an meinem Plan festhalten. Hin und wieder klappte es aber doch, dass ich mal eine Freundin zuhause besuchte oder mich zum Wagenschieben verabredete. Das tat unglaublich gut, aber ich hatte dennoch immer den Gedanken an die „tickende Zeitbombe“ im Nacken. Und ich hatte gelegentlich diese schale Gefühl, den anderen mit unserem Problem zur Last zu fallen. Quatsch natürlich, aber man steigert sich da so rein.

Gerne hätte ich den kleinen Herrn manchmal für ein paar Stunden abgegeben, um selbst zur Ruhe zu kommen. Da wir jedoch keine Großeltern in der Nähe haben, ließ sich das nicht einfach so einrichten. Und Freunden oder Babysittern wollte ich das, was selbst für mich irgendwann unerträglich wurde, einfach nicht zumuten. Wäre nicht in einer Nacht- und Nebelaktion meine liebe Tante eingeflogen, um mir für zwei Wochen unter die Arme zu greifen, ich weiß nicht, wo das für mich noch geendet hätte.

Zum Glück gibt es für Mütter und Väter in meiner Situation professionelle Hilfe in Form von Schreibabyberatungen und -ambulanzen. Man sollte keine falsche Scheu davor haben, diese als betroffene Eltern in Anspruch zu nehmen. Es ist nämlich ein Irrglaube, dass man sich irgendwann an das Schreien gewöhnt. Wenn man großes Glück hat, schafft man es vielleicht, sich irgendwie durch die ersten drei Monate zu hangeln, aber spätestens wenn das Schreien nach den drei Monaten nicht „schlagartig“ aufhört kann die Verzweiflung ins Unermessliche wachsen.

Der kleine Herr hörte nach drei Monaten nicht auf zu schreien und auch nicht nach vier. Zwar spürte ich nie die unmittelbare Gefahr, dass ich ihm aus Verzweiflung etwas antun könnte, aber ich merkte doch, wie meine Geduld nachließ und ich gelegentlich eher unfreundlich mit ihm umging. Und wie ich immer häufiger in Tränen ausbrach und mich fragte, wie ich das alles überstehen soll. In der Münchner Schreibabyambulanz nahm man sich Zeit und hörte mir zu. Und bestätigte mich darin, dass alles, was ich tat genau richtig war – denn natürlich fängt man an, an sich selbst zu zweifeln, wenn das Baby nicht aufhören will zu weinen. Zwar schnippte dort niemand mit dem Finger und der kleine Herr hörte stante pede mit dem Schreien auf, aber es half zu wissen, dass ich nicht allein war mit meinem Problem und dass ich nicht einfach nur auf ein normal schreiendes Baby überreagiere. Der kleine Herr war tatsächlich ein „Schreibaby“ und während sein Papa das (schwierige) Wort nur sehr ungern in den Mund nahm, schob ich es vor mir her wie ein Schutzschild, was mir irgendwie half, mit der Situation besser fertig zu werden.

Wenn Ihr den Text bis hier hin aufmerksam gelesen habt, werdet Ihr feststellen, dass ich im Zusammenhang mit dem kleinen Herrn in dieser Zeit vor allem von „Problem“ und „Belastung“ geschrieben habe. Und dass ich das ganz oft wirklich so empfunden habe, ist für mich immer noch das Schlimmste an der ganzen Situation. Mein kleiner Sohn hat mich über mehrere Monate hinweg jeden Tag mehrere Stunden lang angeschrien und das ist einer gesunden Mutter-Kind-Beziehung leider nicht unbedingt zuträglich. Insbesondere dann nicht, wenn all meine Bemühungen ihm zu helfen, damit er nicht mehr schreien muss, nicht zu ihm durchdringen konnten. Das Wissen, dass der Kleine nichts Böses im Sinn hat und seinen – wie auch immer gearteten – Kummer einfach nicht anders artikulieren kann, schützt einen leider nicht unbedingt davor, das Schreien irgendwann persönlich zu nehmen. Mag er mich nicht? Bin ich ihm keine gute Mutter? Habe ich etwas falsch gemacht? Fragen über Fragen, die einem niemand zufriedenstellend beantworten kann. Kein einfacher Start für eine große Liebe.

Heute ist der kleine Herr neun Monate alt. Seit etwa drei Monaten ist er den größten Teil der Zeit stabil. Je mehr er kann (umdrehen, sitzen, krabbeln), desto besser kann er sich auch selbst regulieren. Wenn er heute merkt, dass er im Begriff ist, sich fürchterlich aufzuregen, schiebt er sich manchmal gerade noch rechtzeitig selbst den Schnuller in den Mund. Das ist so unglaublich niedlich, dass mir jedes Mal das Herz aufgeht! Das exzessive Schreien hat beim kleinen Herrn nicht schlagartig aufgehört, aber es ist immer seltener geworden und er lässt sich heute (in 95% der Fälle) auch viel leichter beruhigen. Mit den restlichen 5% kann ich, können wir nach unserer Erfahrung aus den ersten sechs Monaten einigermaßen umgehen. Und jetzt nutzen wir jede einzelne Minute aus, die Nähe, die uns das Schreien nehmen wollte, in vollen Zügen auszukosten.

Liebe Eltern künftiger Schreibabygenerationen, 

lasst Euch helfen und bittet Freunde, Verwandte oder professionelle Einrichtungen um Unterstützung. Ihr seid nicht schuld daran, dass Euer Baby nicht aufhören will zu weinen. Und Ihr müsst Euch für sein Weinen bei niemandem entschuldigen. Ihr tut, was in Eurer Macht steht und zwar instinktiv und Eurer Baby weiß das. Passt gut auf Euch auf und nehmt Eure eigenen Bedürfnisse ernst. Und setzt Euch bloß nicht unter Druck, weil ihr vielleicht ein wenig „aus der Reihe“ fallt. Verzichtet auf Aktivitäten, die Euch schon im Vorhinein Schweißperlen auf die Stirn treiben, auch wenn Ihr glaubt, dass von Euch etwas anderes erwartet wird. Es ist ok, wenn Euch die Situation überfordert und es ist auch ok, unglücklich darüber zu sein und zu weinen. Es wird eine Zeit kommen, da habt Ihr es überstanden – das kann schnell gehen oder etwas länger dauern – aber es wird passieren, so viel ist sicher. 

Kopf hoch!
Eure Melanie

P.S.  Wenn Ihr in derselben Situation seid oder jemanden kennt, der in einer ähnlichen Situation ist – meldet Euch. Ich kann das Schreien nicht abstellen, aber vielleicht hilft es ja, mit jemandem darüber zu sprechen, der genau weiß, worum es geht. MIR hat das geholfen. 

 

Kommentare (17) Schreibe einen Kommentar

  1. Puh. Respekt, dass Du das alles aufgeschrieben hast. Ich kann mir (nicht?) vorstellen, was das für eine harte Zeit war.

    Eine kleine Frage habe ich, bitte keinesfalls als Kritik oder unerwünschten Tipp auffassen, ich habe mich nur gewundert, warum darüber nichts in Deinem Text stand: Was ist mit Tragen? Mein kleiner Mann war zwar sicher kein Schreibaby, aber im Vergleich zu seiner großen Schwester hat er in den ersten Monaten (ganz subjektiv) furchtbar viel geschrieen. Eigentlich bei jeder Gelegenheit. Kam vielleicht von der traumatischen Geburt, die wir zusammen erlebt haben und von dem Stress der ersten Wochen im Krankenhaus. Das einzige, was half, war ganz enger Körperkontakt mit mir. Folglich hat er die ersten paar Monate im Tragetuch gelebt. Im Wortsinne. Ich hatte ihn täglich bis zu 12 Stunden da drin.

    Du wirst sehen, wenn Dein Hübscher erst krabbeln und dann laufen kann, wird er ein ganz ausgeglichener Kerl werden! Es gibt ja auch Stimmen, die sagen, dass Schreibabys erst nach ca. einem Jahr aufhören, welche zu sein. Bald ist es geschafft. Und ich würde mich (unabhängig davon) sehr freuen, ihn und Dich mal wieder zu sehen :-).

    GLG
    Anette

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    • Mellcolm

      Liebe Anette, danke für Deinen Kommentar! Tragen – ach ja – natürlich, das habe ich ganz vergessen. Auch das habe ich natürlich ausprobiert. Zuerst mit Tragetuch, dann mit Manduca. Ein, zwei Mal klappte es ganz gut, dann war auch das leider wieder vorbei. Der Kleine wehrte sich heftig, weinte immer stärker und fing daraufhin fürchterlich an zu schwitzen. Glaube mir, ich hätte täglich ein Flic Flac gemacht und dabei ein rohes Ei auf meiner Nase jongliert, wenn das geholfen hätte. Würde mich auch freuen, Dich mal wieder zu sehen!

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  2. Auch wenn der Babykerl kein Schreibaby war, werde ich diesen Artikel unbedingt speichern und ihn an alle Mamas weiterleiten, die das Gefühl haben, ihr Baby könnte ein Schreibaby sein. Ich habe beim Lesen mit dir gefühlt. Und ich freue mich wie verrückt, dass es dem kleinen Herrn und damit auch den Eltern offensichtlich gut geht! <3

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  3. Ihr Armen. Alle Drei. Der kleiner Herr, dein Mann und du. Was für eine schwere Zeit. Ich hatte kein Schreibaby, aber eins, das Nachts alle halbe Stunde bis Stunde geschrien hat und sich nur durch stillen beruhigen liess. Das ging bis sie 10 Monate alt war und meine Nerven blank lagen und ich total untergewichtig war. Jetzt macht das Baby gerade Examen und alles liegt solange zurück. Und trotzdem ist da noch eine Ahnung wie kräftezehrend es war. Gemessen an dem, was ihr durchgemacht habt, war das ja eher ein Spaziergang.

    Ich finde es toll, dass du euere Situation so offen beschreibst, und anderen betroffenen Müttern und Väter dadurch eine Anlaufstation und Hoffnung und Trost bietest.

    Antworten

    • Mellcolm

      Liebe Andrea,

      zugegebenermaßen liegt eine herausfordernde Zeit hinter uns, aber es ist unterm Strich doch alles gut gegangen. Das sind ja alles nur „Problemchen“, wenn man das rückblickend anschaut. Da gibt es wirklich viel Schlimmeres. Aber wenn man mitten drin steckt in diesen Problemchen, dann ist es ganz schwierig, alleine wieder da rauszufinden.

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  4. Ich weiß gar nicht was ich schreiben soll. Ich bin nicht betroffen und kam nur zufällig über Twitter hierher. Aber ich habe sehr gespannt und sehr gerne gelesen und bin sehr erleichtert, dass sich das alles entspannt hat. Danke für diesen Text, danke für die Ehrlichkeit! Sollte ich mal jemanden im Bekanntenkreis mit diesem Problem haben, linke ich diesen Text weiter. Alles Gute euch dreien!

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  5. Danke für diesen sehr persönlichen Blogeintrag.
    Das klingt nach einer sehr anstrengenden Zeit. Finde ich toll, dass du das veröffentlichst, damit hilfst du sicher vielen!

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    • Mellcolm

      Ist insgesamt kein so einfaches Thema. Ich habe damals viele Fachtexte und Foreneinträge gefunden, aber kaum wirkliche Erfahrungsberichte. Das waren eher immer Momentaufnahmen. Mich hätte interessiert, wie da die Verläufe sind und vor allem auch, wie sich die Eltern damit fühlen und was sie tun, um nicht durchzudrehen.

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  6. Hallo Melanie, ich folgte ursprünglich deinen anderen Blogs und war gespannt von deinen „Muttererfahrungen“ zu lesen, da du so schön schreibst.

    Es tut mir leid zu lesen, dass euer Start ins gemeinsame Leben so anstrengend ist. Leider habe ich auch all das hinter mir und muss nach nun 10 Jahren sagen, es war sofort wieder da – die Erschöpfung und Verzweiflung, wann es denn endlich aufhört/ besser wird.
    Inzwischen ist der Kerl in der sogenannten Vorpubertät und hat sich prächtig entwickelt. Nach den ersten ein/zwei Jahren (keine Angst, es wurde peu a peu immer weniger :-), bewunderte man nun meinen Sohn für seine Fähigkeit sich so sehr über kleine Dinge zu freuen oder sich für neue Dinge zu begeistern. Diese Regulationsstörungen haben vielleicht gar nichts mit seinem „zu Himmel hochjauchzend, zu Tode betrübt“ zu tun, aber bei uns kam es mir fast immer so vor. Er lebt sehr intensiv seine Gefühle aus, was auch mal anstrengend sein kann, aber ich sehe dies für ihn (auch als Mann :-) als insgesamt sehr positiv.

    Man kann wenig helfen und nur das Allgemeine raten, sich wenig an den gängigen Meinungen anderer zu orientieren oder sich wirklich Auszeiten zu suchen (auch wir hatten niemanden in der Stadt und anfangs wenig Geld für Babysitter). Aber irgendwann nach einigen Jahren haben wir gelernt, dass das Wichtigste wirklich ist – seine eigenen Bedürfnissen und damit auch den Paar-Bedürfnisse nachzukommen. Die eigene Begeisterung für etwas wieder zu spüren und viel, viel Zeit mit dem Partner als Paar zu verbringen.

    Was ich übrigens immer sehr amüsant fand: ab dem 10./12. Monat begannen viele Mütter über die anstrengende Zeit mit dem Kind zu klagen, weil sie anfingen zu krabbeln, Wünsche entdecken und äussern, etc. Für mich wurde aber vieles trotz dieser Anstrengungen nur einfacher und schöner. Denn die schlimmsten Anstrengungen hatte ich ja schon hinter mir ….

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    • Mellcolm

      Liebe Kommentatorin,

      ganz herzlichen Dank für Deinen lieben Kommentar. Tut mir Leid zu lesen, dass Du da auch durch musstest, gleichzeitig bin ich aber froh zu lesen, dass am Ende alles gut wird. Natürlich ahne ich das, aber aus heutiger Sicht traue ich mich noch nicht so recht, daran zu glauben.

      Die Gefühlsextreme, die Du beschreibst, kristallisieren sich schon jetzt heraus. Der kleine Herr kann so unglaublich herzhaft lachen, dass man gar nicht anders kann als mitzulachen – himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt trifft es wirklich. Und Du hast Recht: im Prinzip ist es doch ein Geschenk, wenn ein Mensch seine Gefühle so ausleben kann. Aber natürlich kann man das mittendrin unmöglich so sehen ;)

      Für jemanden, der im ersten halben Jahr ein „normal“ intensives Kind hatte, sind die Ankunft der Zähne und der Einstieg in die Verzweiflungen des Krabbelalters sicher die ersten großen Herausforderungen. Ich finde diese Zeit (wir sind gerade mittendrin) auch nicht unanstrengend, aber es ist doch so viel angenehmer, wenn man 1. weiß, warum das Kind weint und 2. wenn man zu ihm vordringt und es trösten kann. Besonders für die eigene Seele.

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  7. Ich kann Dich nur zu gut verstehen, Annette. Auch mein Baby hat unendlich viel geschrien in den ersten Wochen. Es ließ sich durch scheinbar nichts beruhigen. Ich habe dabei alles ausprobiert: vom Rumtragen über Schnuller, Stillen, Flasche, Föhn anschalten und auf dem Pezziball hüpfen.
    Glücklicherweise hatte ich über eine Freundin einen tollen Tipp von einer Hebamme bekommen. Sie arbeitet vor allem mit Schreibabys und konnte mir durch ihre Besuche helfen, besser mit der Situation umzugehen. Das Schreien ist dann auch immer weniger geworden, vor allem aber wurde ich immer sicherer im Umgang mit meinem Baby, wenn es schrie und das hat mir geholfen. Denn die Unsicherheit war eigentlich das Schlimmste: ich wusste irgendwann überhaupt nicht mehr, was ich denn nun tun sollte und konnte das Zusammensein mit meinem süßen Baby eigentlich gar nicht mehr genießen. Ich habe mich komplett unfähig gefühlt.
    Ich hoffe also, dass Eltern in einer ähnlichen Situation Hilfe finden, z.B. hier: http://www.eltern-baby-hilfe.com

    Janette

    Antworten

    • Mellcolm

      Ich heiße zwar nicht Annette, aber ich vermute, Du meinst mich :) Danke für Deinen Beitrag und für die Tipps.

      Antworten

  8. Danke für diesen Artikel mit so offenen klaren Worten, auch darüber, was so ein Schreibaby emotional alles auslösen kann. Es tut mir wirklich leid, ich habe es ja immer wieder mitbekommen, dass Eure erste Zeit schlicht und einfach so verdammt schwierig gewesen ist. Glaube mir, ich hätte es Euch Dreien von Herzen anders gegönnt.

    Jetzt drücke ich Euch einfach die Daumen, dass die kommende Zeit mit dem ganz bald Kleinkind eine schöne sorgenfreiere Zeit wird, die Ihr alle gemeinsam genießen könnt!

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  9. Jajaja! Ich habe ein dreieinhalb Monate altes Schreibaby und was Du schreibst, spricht mir aus der Seele. Das Gleiche haben wir durchgemacht (bzw. wir stecken noch drin, aber merken, dass es endlich (!) besser wird). Wir konnten unsere Kleine leider nicht durch eine Fahrt im Kinderwagen beruhigen und das Tragetuch hat sie auch nur etwa eine Stunde am Tag zugelassen. Dann aber nur, wenn ich nicht aufhörte, rumzulaufen. Wir hatten auch alles ausprobiert, u.a. Bigaia-Tropfen, Entschäumer, Kümmeltee, Reizabschirmung, ärztliche Untersuchung, Wiege, Rumtragen, mit Auto herumfahren…ach, und vieles mehr.
    Hilfe hat uns die Münchener Schreiabulanz-Hotline verschafft, die uns auch eine kompetente Stelle hier in NRW vermitteln konnte.
    Seit wenigen Tagen habe ich das Gefühl, es wird besser, auch wenn der heutige, erste PEKiP-Besuch die Hölle war. Totale Reizüberflutung für die Kleine. In ein paar Wochen werde ich es wieder versuchen, aber bei einem anderen PEKiP-Anbieter, denn mit Schreibabys kennen die sich offensitlich nicht aus, noch lassen die sich gerne erklären, dass die Reizüberflutung nicht gut für meine Kleine ist. O-Ton: „Die muss sich an die Kursumgebung doch erst gewöhnen. Nach drei/vier Kurstagen hat sie sich daran gewöhnt und schreit nicht mehr.“. Null Verständnis. Ich habe beschlossen, dass ich die „drei/vier Wochen“ lieber nicht an dem Kurs teilnehme, sondern danach einen weiteren Anlauf starte. Dann bin ich auch nicht den kritischen Blicken der anderen Mütter ausgesetzt, die verurteilten, dass meine Kleine die Einzige war, die ihr Köpfchen in Bauchlage nicht heben konnte (ja, wie sollte sie das denn auch trainieren, wenn der ganze Tag darin bestand, sie im Arm zu trösten. Ich lasse sie doch nicht schreiend auf dem Bauch liegen).
    Vielen Dank für Deinen tollen Bericht!

    Antworten

  10. Danke für Deinen Bericht, der hoffentlich vielen Betroffenen weiter hilft. All Deine Erfahrungen und Schilderungen kann ich teilen. Unser Großer auf den wir jahrelang hin gefiebert hatten, war vom 1. Tag an 13 Monate lang ein Schreibaby. Auch heute noch mit 4 Jahren ist er ein sehr verletzlicher sensibler kleiner Kerl. Ich hatte mich im Vorfeld als Vater auf 7 Monate gemeinsame Elternzeit gefreut. Was blieb waren einsame stundenlange Wanderungen mit dem Kinderwagen oder mit der Babytrage. Unser Baby ließ sich nur schlafend ablegen, akzeptierte keinen Schnuller und schlief über den Tag verteilt insgesamt sagenhafte 9 Stunden. Und wenn er nicht schlief dann schrie er, es sei denn man schaukelte ihn mit doppeltem Bandscheibenvorfall. Es war eine Zeit die bis heute körperliche und psychische Spuren hinterlassen hat. Die Partnerbeziehung hat nachhaltig durch die nervliche Belastung und die Folgen gelitten. Umso schöner das unsere Kleine einen wieder etwas mit dem Elternsein versöhnt hat und zeigt, dass es nicht an den „unerfahrenen sensiblen Eltern“ liegt. Die Schreibabyambulanz hatte uns nicht weiter gebracht. Der Osteopath hatte zwar Blockaden gelöst, aber das Problem blieb. Trotzdem sollte man nichts aber auch gar nichts unversucht lassen und sich Hilfe holen so viel es geht.
    Habe durch meine beiden Elternzeiten die Zeit (insbesondere die Ruhe und Selbstbestimmung) auf Arbeit sehr zu schätzen gelernt.

    Antworten

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