Wenn Mamas Milchbar geschlossen bleibt

flaschen„Warum stillst Du nicht?“ – Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, wie oft mir diese Frage in den letzten sieben Monaten gestellt wurde. Jedes einzelne Mal habe ich den unterschwelligen Vorwurf gespürt und mich immer wieder -widerwillig- brav erklärt. „Ich wollte ja, aber….“ Und so war es ja auch. Ich wollte stillen, aber irgendwie ist es dann eben anders gekommen.  Und ich hatte es ziemlich schnell satt, mich deswegen schlecht zu fühlen. Und genau darauf hat es die Stillpolizei angelegt. Denn wenn Du als junge Mutter nicht blank sondern Plaste ziehst, dann hast Du Dir das Recht am Muttersein gleich von Anfang an verwirkt.

Natürlich gibt es auch viele stillende Frauen, denen schnuppe ist, was andere Mütter machen und die einen Teufel tun würden, sich da einzumischen. Aber es ist dennoch erstaunlich, wie viele junge Müttern sich allein durch ihr Stillen zur Botschafterin berufen fühlen.

„Jede Frau kann stillen“.

Auch so ein Satz, den man nicht in seinem Herzen bewegen, sondern gleich in die Tonne klopfen sollte. Als ginge es bei einer Stillbeziehung einzig und allein um die „technische Möglichkeit.“ Es gibt Babys, die schreien die Brust ihrer Mutter an, statt sie zu liebkosen. Und Mütter, die ihre Kinder überhaupt nur unter Schmerzen stillen können. Und dann gibt es auch diejenigen Mütter, die es sich einfach nicht vorstellen können, ihr Kind an der Brust zu ernähren. Auch das ist legitim, wie ich finde. Warum eine Frau ihr Baby nicht stillt, geht wirklich niemanden außer der Frau etwas an. Ende. Aus. Mickey Mouse.

Auch wenn Stillen für das Baby und die Mutter außerordentlich gesund ist, – das wissen übrigens auch die Frauen, die es dennoch nicht tun – ist Nichtstillen nicht automatisch versuchter Totschlag. Die Säuglingsmilch aus der Konserve ist heute so gut wie sie als Kunstprodukt eben nur sein kann. Sie wird niemals „the real shit“ sein, aber sie ist doch verdammt nah dran und kein Grund für schlaflose Nächte und 20 gebetete Rosenkränze.

Bitte versteht mich nicht falsch: Ich finde das Stillen wirklich super und habe überhaupt keine Einwände dagegen, wenn eine Mutter sich dafür entscheidet. Und sollte ich noch mal ein Kind bekommen, werde ich es auch wieder versuchen. Aber nicht um jeden Preis – so viel steht fest.

Dennoch bleibt es in meinen Augen eine bodenlose Frechheit, dass mich das Nichtstillen offensichtlich zum Freiwild macht, in dessen Privatleben und in dessen ganz persönliche Entscheidungen sich jeder einfach so einmischen zu dürfen glaubt. Ich verbitte mir das. Jetzt und in Zukunft.

Bäm.

In der Nido gab es zu dem Thema kürzlich auch einen interessanten Artikel.

Kommentare (19) Schreibe einen Kommentar

  1. Ganz genau so ist es. Es geht doch generell niemanden etwas an wie genau man sein Baby großzieht, da gibts ja noch diverse andere Themen.

    Genauso wie mit dem nicht-stillen ist es dann mit dem zu-lange-stillen. Grade heute hat mir mein Hausarzt gesagt dass ich das Stillen doch jetzt mal langsam sein lassen sollte, sie wird doch nun schon 9 Monate alt. Auf meinen Einwand, dass sie aber leider nicht so gut isst sagt er wenn ich sie nicht stille wird sie schon essen. Ich hätte dem später zu gern das schreiende Baby vorbeigebracht, als es unbedingt stillen wollte… argh! Ganz abgesehen davon, dass das irgendwie nicht so richtig in den Aufgabenbereich des Hausarztes fällt mir zu sagen wie ich mein Kind ernähren soll.

    Und ich beneide manchmal die nicht stillenden Mütter. Es bindet halt doch sehr und ich verstehe mittlerweile (was hab ich vor der Geburt alles gesagt… haha) gut, wenn man sich direkt gegen das Stillen entscheidet.

    Wie auch immer, es sollte eine persönliche Entscheidung sein und weder das eine noch das andere sollte verurteilt werden. Aber so ist das als Mutter, da hat plötzlich die ganze Welt das Recht mitzumischen. Wieso auch immer.

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    • Mellcolm

      Ich glaube, dass Beides seine Vor- und Nachteile hat. Ich höre von einigen stillenden Müttern, dass es sie sehr schlaucht, von anderen, dass sie es unglaublich praktisch finden. Wahrscheinlich spielen da einfach auch noch eine Menge anderer Dinge mit rein, z.B. auch, wie das Kind ist. Denn die sind alle so unglaublich einzigartig, dass mir jedes Mal wieder der Unterkiefer runter klappt, wenn ich unseren kleinen Herrn zusammen mit Gleichaltrigen sehe.

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  2. ich setz variante 3 on top:
    meine waren zu früh, trinkschwach. ich hatte milch, die sollte auch in die kinder. die wiederum waren schwach, klein, schafften nach 3wo zwar flasche aber keine brust zu trinken. ende vom lied: ich habe für zwillinge abgepumpt. 6 beschissene monate lang. für die jungs.
    das umfeld äußerte freundlichkeiten wie „iiih, wie ne milchkuh“ oder „dass der mann sich nicht ekelt“

    alles pissnelken (sorry for that)

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  3. Ich möchte ergänzen, dass meiner Meinung nach nicht nur die Frage Stillen oder Nichtstillen uns Mütter „offensichtlich zum Freiwild macht, in dessen Privatleben und in dessen ganz persönliche Entscheidungen sich jeder einfach so einmischen zu dürfen glaubt“. Ich habe inzwischen das Gefühl, dass egal was ich mit meinem Baby/Kind anstelle, es wird (vor allem von anderen Müttern) kommentiert, kritisiert, hinterfragt. Um nur einige Beispiele zu nennen: Du fährst mit deinem ungeimpften Baby U-BAHN? Gibst ihr ein Stück LEBERWURSTBROT, Nudeln mit WEIZEN statt mit Dinkel oder gar einen Keks mit ZUCKER drin? Du wickelst mit PAMPERS, obwohl da so viel Chemie drin ist? Sie darf schon mit kleinen MURMELN spielen, die sie ja runterschlucken könnte? Du lässt sie die Rutsche schon ALLEINE hochklettern und stehst nicht daneben, um sie festzuhalten?

    Ich verstehe wirklich nicht, warum Mütter den Entscheidungen anderer Müttern heutzutage so unentspannt gegenüberstehen und sich ständig ungefragt einmischen (oder war das schon immer so?)… nicht nur, wenn’s um die Muttermilch geht.

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    • Mellcolm

      Ja. Du hast Recht. Das Stillen ist nur eines von vielen Themen. Ich hatte neulich auch eine Auseinandersetzung mit einer wildfremden Frau in einem Kaufhaus, die mich völlig überraschende anraunzte, ich solle doch gefälligst mein Kind im Kinderwagen etwas lüften, es bekäme ja gar keine Luft. Hömma! Das Stillthema finde ich nur deshalb so speziell, weil man schnell ausgegrenzt wird. Das habe ich sowohl bei der Babymassage als auch bei der Rückbildungsgymnastik erlebt. Als Flaschenmama bist Du offensichtlich so was wie ein Axolotl.

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  4. Ich bin dankbar dass ich stillen konnte. Knappe 5 Monate. Dann war es genug. Ich habe innerhalb von 3 Tagen abgestillt und war sowas von froh meinen Körper nun endlich ganz für mich zu haben.
    Stillen ist für mich die natürlichste, ursprünglichste Form der Nahrungsaufnahme von Säuglingen.
    Aber ich werde mich hüten über andere zu urteilen, zu kritisieren oder mich gar in die Herangehensweise anderer Mamis einzumischen.
    Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Und Stillen allein ist kein Zeichen für Mutterliebe und Fürsorge!
    Ich finde es fürchterlich, immer das Gefühl zu haben sich rechtfertigen zu müssen für jede Abweichung vom allgemeinen gesellschaftlichen Plan der Kindererziehung.
    Dabei wird gepredigt dass jedes Kind anders ist, individuell. Also Mamis: seid es auch! Hauptsache das Baby und ihr seid glücklich!
    Bam ;-)

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    • Mellcolm

      Genau so sehe ich das auch. Mama und Kind müssen glücklich sein. Ich glaube, eine unglückliche Mama ist für ein Baby viel schlimmer als Milch aus der Packung.

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  5. ich habe mich von anfang an gegen das stillen entschieden. für mich war es die absolut richtige entscheidung, die auch absolut kein schnellschuss war, oder so. ich habe mich sehr genau mit dem thema auseinandergesetzt während der schwangerschaft. meine hebamme hat mir rückendeckung gegeben und mein mann steht auch hinter der entscheidung. doofe sprüche kommen wirklich viel, aber ich weiß, dass es für mich und amélie die richtige entscheidung war. und btw. war es ebenfalls eine gute entscheidung meine tochter mit drei monaten zur tagesmutter zu geben. so. basta. :-)

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    • Mellcolm

      Oh. Betreuung ist auch so ein Thema, zu dem es total viele starke Meinungen gibt. Wenn man sein Kind in die Krippe gibt, hätte man es nicht bekommen müssen, zum Beispiel. Woher nehmen diese ganzen Leute nur das Selbstbewusstsein zu glauben, dass sie die Wahrheit über die Dinge zu kennen?

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  6. Die Müttermafia – wie ich sie liebevoll zu nennen pflege – schlägt wirklich schnell und immer und überall zu.
    Ich kann mir zwar nur vorstellen, wie man sich als Flaschenmama an den Rand gedrückt fühlt. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Müttermafia in nahezu ALLEN Bereichen des Mama-Seins zuschlägt“ Was? Du gibst Deinem Kind Gläschen zum essen?? Wie, Du bleibst 2 Jahre Zuhause? Also mein Kind schläft schon lange durch. Du hast noch keinen Krippenplatz? Du machst keine weiteren Babykurse?“
    Ich habe meinen Kleinen bis zum 7. Monat gestillt, war zufrieden mit der praktikablen Variante bis ich auch Schlag auf Schlag keine Lust mehr darauf hatte. Aber wen geht’s etwas an außer mich und mein Kind? Die Menschen, die ich um Rat frage, haben bisher nie auch nur annähernd wertende Antworten gegeben. Da kann ich gerne auf ungefragte Meinungen verzichten. Besonders von den Mamis, die ja merklich sowieso immer alles „richtig“ machen.

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  7. ich bin da absolut deiner meinung. muss aller dings dazu sagen, dass ich es auch wichtig finde, dass man zu seiner entscheidung steht und es auch sagen kann, wenn man sich bewusst gegen das stillen entschieden hat!

    habe in meinem bekanntenkreis mehrere frauen, die bewusst nicht stillen wollten, sich von anfang an dagegen entschieden aber es nie sagen konnten. und das nervt mich! dann kommen ständig so ausreden wie, ich konnte nicht, hatte nach 4 stunden immer noch keine milch (hallooo?? schon mal was von milcheinschuss und so gehört…), das kind hat eine verkürzte zunge und und und und. soll doch bitte jeder zu seiner entscheidung stehen und dann gäbe es dieses ganze geschwätz gar nicht erst.

    ich selber habe 3 monate voll gestillt, dann wollte er von einem auf den anderen tag nicht mehr . hab noch zwei monate abgepumpt und dann aufgehört. hab auch alles miterlebt von, iiiih gruuusig, bis zu „beleidigungen“ weil ich „nur“ drei monate gestillt habe. sollen doch einfach alle still sein die keine ahnung haben warum oder wieso man etwas macht!!

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  8. Du sprichst mir aus der Seele. Hier gab es die schmerzhafte Nicht-Stillen-Können-Variante in Verbindung mit schwachem kleinen Frühchen. Und wie sehr hab ich es versucht. Und wie sehr hat er geschrien, weil er nicht genug rausbekommen konnte. Und wie sehr haben die Brüste mir geschmerzt. Und wie habe ich mich mit Abpumpen gequält. Das sehen die Kritiker nicht. Wie auch.

    Wobei ich auch mittlerweile oft mitbekomme, dass stillende Mütter angegangen werden. Also die umgekehrte Variante. Finde ich auch nicht gut. Leben und leben lassen. Auf beiden Seiten. Und bei möglichst vielen Themen. :) was wäre die Welt dann schön einfach, wenn man das mehr beherzigte.

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  9. @dickbauchmarie: Variante 3 hab auch ich bei Kind No 1 auch wählen „dürfen“, allerdings „nur“ 5 Monate lang. War teils nervig, teils aber auch von Vorteil: MANN konnte auch nachts „stillen“ und wenn die liebe Schwieger-Verwandtschaft nervte, konnte FRAU zur Pumpe in den Keller (TV-Raum ;-)) mit dem Spruch „Ich geh dann mal ne Runde pumpen“. Und das konnte bekanntlich dauern…. ;-). Kind No 2 ging in Richtung Piranha. Heisst, wenn nebst Milch noch viel mehr Tränen auf beiden Seiten fliessen, sollte die Übung abgebrochen werden – frühzeitig! Denn es soll doch beiden Spass machen, oder? Und die Schoppen-Milch hat wieder den Vorteil: MANN kann auch nachts „stillen“ ;-)…

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  10. Mein Baby ist nun 12 Tage alt und ich stehe gerade vor der Entscheidung, ob ich weiterstillen soll oder nicht. Ich habe unglaubliche Schmerzen und Blut und dicke Tränen sind mir auch nicht fremd. Ich habe mir jetzt selbst ein Ultimatum gesetzt und versuche es noch diese Woche – mit Abpumpen und diversen Pflege- und Desinfektionsmittelchen für die Brust – und wenn es dann nicht funktioniert, steige ich auf die Flasche um.

    Zum Glück geht mein Partner da mit mir konform und auch meine Hebamme meinte, sie gehe jeden Weg mit mir, den ich wähle. Es bringt dem Kind ja nichts, wenn ich vor jedem Anlegen einen Horror habe und dadurch nur Stress ans Kind weitergebe.

    Aber ich bin schon gespannt auf diverse andere Mütter und deren Reaktionen…

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