Mellcolms Sommerfrische, Teil II: Von Böcken und Kartoffeln

Hunger

27. Mai 2011, am Abend auf der Hütte

Es geht ja nichts über das Gefühl des Ankommens. Und so waren auch wir mehr als zufrieden mit uns, als wir die weite Anreise aus der Schweiz und aus etwaigen, nicht wesentlichen Nachbarstaaten der Schweiz schadlos und weitestgehend (i.e. zu 83,3%) trockenen Fußes überstanden hatten. Oben (2004 m) angekommen wurden wir vom freundlichen Hüttenwirt und dessen nicht minder freundlicher Hüttenmannschaft bereits erwartet und binnen Sekunden in zwei Luxuschalets verfrachtet.

Hunger

In einer unterhaltsamen Runde Hüttchen-wechsle-Dich wurden dann zunächst die acht zur Verfügung stehenden Betten auf die sechs bereits mit identischer Hütten-Bettwäsche ausgestatteten angehenden Schläfer verteilt. Ein jeder markierte sein frisch erobertes Bett dann auch sogleich mit einem als Fahnenersatz genutzten karierten Kissenbezug. Nun macht das Erobern freilich hungrig und durstig und so fand sich die versammelte Mannschaft bereits kurz nach der kollektiven Bettbeziehung im gemütlichen Schankraum der Hütte wieder, wo erst mal – bis zum Einsetzen des großen Schlemmens – bei einem Apéro die Anstrengungen des Tages weggeglüht wurden. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie anstrengend so ein Tag in der Retrospektive sein kann..

Das Essen – drei liebreizende Gänge – hatte sowohl für den karnivoren als auch für den herbivoren Wanderer so einiges zu bieten. Besonders die leichten Kasnocken erfreuten sich großer Beliebtheit – auch dann noch, als man sich aller möglichen selbstgebrannten Köstlichkeiten bedienen musste, um den Magen nach ihrem Genuss wieder friedlich zu stimmen.

Jassen
Nach dem Essen packte den Schweizer Teil der kleinen Reisegesellschaft der Spieltrieb und man entschloss sich, an Ort und Stelle, dem zweitwichtigsten Schweizer Nationalsport zu frönen, dem Jassen. Diejenigen, denen die Beherrschung dieses Kartenspiels nicht mit der Muttermilch verabreicht worden war wurden selbstredend in einem Crashkurs zu Eingeweihten gemacht. Und so wurde binnen kürzester Zeit geschoben und geputzt und gebockt und gelegentlich gab es Kartoffeln. Und das mal von oben runter, mal von unten rauf. (Wer sich nach diesem Schnellkurs intensiver mit dem Jassen auseinandersetzen setzen will, kann das an anderer Stelle tun.)

Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch das Pärchen am Nachbartisch angesichts unseres munteren Treibens die Spielkarten zückte. Hier sollte es wohl ums Schafkopfen gehen, aber so genau ließ sich das nicht ermitteln. Denn obwohl der nette Herr und die freundliche Dame eifrig mit den Karten rumfuchtelten, wollte einfach kein Spiel zustande kommen. Auch nachdem wir bereits gute zehn Runden gejasst, eine Stunde gelesen, diverse Liköre probiert und drei Paar Socken gestrickt hatten, hatte der Herr der Dame das komplexe Spiel immer noch nicht zu Ende erklärt. Er redete und redete, sie nickte und paraphrasierte, er schüttelte den Kopf und redete weiter – und das alles mit einer Geduld, die uns fast demütig machte.

Während an unserem Tisch also eifrig Kartenspiele gespielt und am Nachbartisch Kartenspiele erklärt wurden, heckte das Wetter draussen vor der Hütte etwas Hundsgemeines aus. Es entschloss sich – vielleicht aus Langeweile, vielleicht aus reiner Boshaftigkeit – mit Schnee um die Ecke zu kommen.

Ob der Schnee liegen blieb, ob die Beiden am Nebentisch noch angefangen haben zu spielen und was sonst noch so passiert ist, gibt es in Kürze hier zu lesen.

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