Abenteuer Deutsche Bahn. Heute: Leben ohne Kinderstube

Für  übermäßige Freundlichkeit ist die Bahn schon von jeher nicht bekannt, aber die meisten Mitarbeiter haben aber doch so viel Anstand, dem Fahrgast gegenüber höflich und respektvoll zu bleiben. Und wenn sie ihren Job nicht so sehr lieben, dass sie jeden Tag fröhlich pfeifend durch die Abteile hüpfen, dann ist das meines Erachtens in Ordnung und ihre Sache. Schließlich pfeife ich auch nicht, wenn mir nicht danach ist. Und wenn das Prinzip mit dem Wald gilt – und davon bin ich felsenfest überzeugt – dann bekommen Miesepeter von den wenigstens Fahrgästen spontan Blumen geschenkt. Und in sofern gleicht sich alles wieder aus. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Und diejenigen, die doch fröhlich pfeifen und andere an ihrer Freude teilhaben lassen, die ernten ganz sicher Ähnliches.

Problematisch wird es, so wie ich finde, wenn der Bahnschaffner in seiner Rage selbst den Anstand vergisst und sich dem Fahrgast gegenüber völlig indiskutabel verhält. So geschehen neulich morgens im ICE 598 auf der Fahrt von München nach Mannheim.

Der Fahrgast, ein Herr mittleren Alters mit leichtem Akzent, hatte sich bei der Schaffnerin darüber beschwert, dass sein für immerhin 2,50 € reservierter Sitzplatz dermaßen mit Essensresten verschmutzt war, dass er selbst nach intensiven Reinigungsversuchen unmöglich dort hätte Platz nehmen können. Dass die Schaffnerin nun keinen Putzlappen aus der Uniform zog und den Platz gleich selbst sauber wienerte war vielleicht noch einzusehen. Auch, dass sie möglicherweise wirklich keine Mittel an Bord oder keine Zeit oder auch keine Lust hatte, um die gründliche Reinigung des Platzes vorzunehmen oder zu veranlassen. Vielleicht aber hätte sie sich höflich im Namen der Bahn für diese Situation entschuldigen und für den Fahrgast einen anderen, sauberen Sitzplatz suchen können.

Stattdessen aber sagte sie dem völlig zu Recht angefressenen Fahrgast,  dass sein Problem nicht ihr Problem und die Reinigung seines Sitzes nicht ihre Aufgabe sei. Da müsse der Reisende sich schon bei dem Fahrgast beschweren, der auf einer der vorherigen Fahrten des Zuges den Sitz in diesen unbewohnbaren Zustand versetzt hatte.  Der Herr, einigermaßen frustriert ob dieser bodenlosen absurden Frechheit entgegnete bitter, dass er dies selbstverständlich tun würde, wenn die Schaffnerin ihm einfach den Namen dieser Person nennen würde …  Die Schaffnerin dampfte ab und ließ den Herrn im Regen stehen. Der Sitz blieb schmutzig….

Später setzte die Dame sogar noch eines drauf. Der Fahrgast, der sich bei der Bahn über das unmögliche Verhalten der Schaffnerin beschweren wollte, erkundigte sich nach deren Namen. Sie weigerte sich, diesen herauszugeben wenn der Fahrgast ihr nicht zuerst seinen Namen geben würde…. Mal ganz ehrlich: Geht’s noch?

Ich wüsste zu gerne, wie diese Geschichte weiter gegangen ist….

Kommentare (10) Schreibe einen Kommentar

  1. Bin kein Bahnfahrer – haben die eigentlich keine
    Namensschildchen an der Uniform? Im Übrigen:
    echter Service wäre es gewesen, dem Kunden
    mit einem Bistro-Handtuch, Servietten oder
    einer Plastiktüte o.ä. beizuspringen.
    Naja, Servicewüste DE, wieder einmal… –

    Antworten

    • Mellcolm

      Ich hätte es schon als ausreichend empfunden, wenn sie dem armen Herrn einen sauberen Platz gesucht hätte. Aber da hätte die Dame nicht im Traum dran gedacht….

      Antworten

  2. Eine schöne Überschrift. Die DB ist und bleibt ein Abenteuer.

    Ich muss in letzter Zeit recht häufig reisen und habe in aller Regel Glück. Aber an dieser Stelle möchte ich ein Gegenbeispiel für besonders gutes Bahn-Erlebnis erwähnen.

    Ich musste letztes Jahr ziemlich spontan von Berlin nach Leipzig, da sich ein Notfall in meiner Wohnung anbahnte – leider falscher Alarm, wie sich später herausstellte. Ich stürmte also aus meinem Hotel richtung ICE Bahnhof, vergaß natürlich meine Börse, erreichte aber meinen Zug pünktlich.

    Mir war vorher schon aufgefallen, dass ich weder EC- noch Kreditkarte dabei habe, mich aber mit meinem Perso noch ausweißen konnte. Meine Idee war, via Rechnung zu fahren.

    Der Zug fuhr ein, ich fix den Schaffner gesucht und ihm die Situation geschildert – vor’m Einsteigen. Er lotste mich in den Zug, wir sprachen nochmal kurz über die Situation und er meinte, er müsse den doppelten Betrag in Rechnung stellen, die ich später überweisen könnte. Mein Gesicht sprach offensichtlich Bände. Er drückte ein Auge zu, schickte mich in die 1. Klasse und ließ mich kostenlos fahren.

    Zur Fahrkartenkontrolle ging er an mir vorbei und zwinkerte mir noch einmal kurz zu.

    Antworten

    • Mellcolm

      Das ist eine nette Geschichte und ich bin froh, dass Du sie hier erzählt hast. Ich habe auch schon den ein oder anderen wirklich netten Schaffner bei der Bahn getroffen, aber unterm Strich sind die Erfahrungen mit der Bahn bisher eher negativer Natur gewesen. Das hat aber in den wenigsten Fällen mit den Schaffnern zu tun….!

      Antworten

  3. Das erinnert mich an 2 Begebenheiten.

    1. Hatte ich da auch mal so ein weibliches Exemplar.Da bin ich, soweit ich mich erinnere, erstmals einer – wie man so eklig zu sagen pflegt – Servicekraft gegenüber geplatzt. Die hatte nämlich unsere streckengebundene Rückfahrkarte abgestempelt – anstatt die daraufgetackerte Hinfahrt, auf der wir uns blöderweise erst befanden. Als wir das merkten, war sie schon einen Waggon weiter, also ich hinterher, fragen, was man da jetzt machen solle. Ob wir da nicht Probleme bekämen auf der Rückreise. Alles, was sie dazu zu sagen hatte war: „Das ist egal.“, keine Erklärung, kein dann-sagen-Sie-meinem-Kollegen-Folgendes, kein Huch, kein ups. Noch nicht mal stehengeblieben ist sie, so dass ich hilflos mit meinen falsch gestempelten Tickets wedelnd hinter ihr her laufen musste, um möglichst höflich auf ihren Hinterkopf einzusprechen. Da devotes Betteln um eine sachdienliche Minimalreaktion nicht reichte, wollte ich zumindest einen Namen haben. Er lautete „Gehtsie Garnixan“. Leider mussten wir dann umsteigen, so dass meine gepflegte Schimpftirade zu großen Teilen unausgelebt bleiben musste. Auf der Rückfahrt wurden wir glücklicherweise nicht kontrolliert.

    2. Es geht aber auch ganz anders. (Hier hatte ich sogar ein umfangreiches Lobesschreiben an die Bahn verfasst, das leider auch völlig unbeantwortet blieb, so dass ich nur hoffen kann, dass der Schaffner Kenntnis darüber erhalten hat, dass wir ihm sehr dankbar waren.)

    Antworten

    • Mellcolm

      Dass es auch bei der Bahn so‘ne und solche gibt, das stimmt natürlich. Ich habe dort auch schon den ein oder anderen lustigen Zeitgenossen unter den Schaffnern getroffen. Interessanterweise sind die Männer meist freundlicher und hilfsbereiter als die Frauen.

      Danke für Deinen Link zur Geschichte mit Herrn Schlehmann. Bei dem sollte man sich gleich mal eine Scheibe abschneiden! Ist ja wirklich furchteinflössend, was Euch da widerfahren ist.

      Antworten

      • > Interessanterweise sind die Männer meist freundlicher und
        > hilfsbereiter als die Frauen.

        Das unterschreibe ich Ihnen sofort, Werteste. Und der Mann gleich mit, denn es ist nicht unbedingt so, dass hier der natürliche Schöne-Augen- (Mann vs. Frau) bzw. Beiß-Reflex (Frau vs. Frau) ins Gewicht fällt, sondern weibliche Schaffner geschlechterübergreifend zu schrofferen Reaktionen zu neigen scheinen. Was vielleicht daran liegen mag, dass sie glauben, als Frau besonders hart und edgy sein zu müssen, um sich im Lebensraum Bahn langfristig verteidigen zu können. Mutmaße ich jetzt mal so.

        Antworten

  4. ich will hier auch noch kurz eine lanze für den schienenverkehr brechen. es war nicht im zug, sondern in der münchner s-bahn. bei der fahrt in die stadt habe ich ein kurzstreckenticket gekauft, so wie ich es immer tue. bei der heimfahrt, es war schon relativ spät, haben wir gerade noch so die s-bahn bekommen. als ich drin saß, sagte ich zu meiner freundin: „shit, ich habe vergessen eine fahrkarte zu kaufen.“ sie meinte darauf nur, dass wir schon nicht innerhalb der fünf stationen, die wir fahren mussten kontrolliert werden und das schon mal geht.
    nun, was soll ich sagen, wir wurden natürlich kontrolliert. die kontrolleurin kommt und ich gebe gleich offen zu: „jepp, sie haben mich erwischt. ich habe es leider zeitlich nicht mehr geschafft ein ticket zu kaufen“ und halte ihr meinen personalausweis hin. sie schaut mich an und fragt, wo ich denn aussteige. ich sagte ihr, es sei die nächste station. dann ging sie ohne ein weiteres wort weg und warf nur einen verstohlenen blick auf ihren kollegen, ob auch er von der sache ja nichts mitbekommen hat. ich saß da und wusste nicht wie mir geschah. mit soviel entgegenkommen hätte ich im traum nicht gerechnet. ganz ehrlich? seitdem kaufe ich noch viel lieber eine fahrkarte. weil ich weiß, dass dort menschen arbeiten, die auch wie menschen handeln.

    Antworten

    • Mellcolm

      Hmm. Diesmal eine nette Frau. Bist Du zufällig zwei Meter groß und eben so viele Meter stark? Und trägst Du gerne nietenbesetzte Lederklamotten? Das wäre ja immerhin eine Erklärung ;)

      Antworten

  5. Fällt mir die Geschichte mit den Namensschildern ein (eigentlich sollte ich heute was arbeiten … :): Bahnmitarbeiter dürfen gut und gerne Fantasienamen auf ihrem offiziellen Namensschild tragen. Repressalien nach Feierabend?

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.


− 1 = 1