Namen schallen und rauchen

Melanie, das ist mein Name. Und so lautet er bereits seit vielen, vielen Jahren. Schon als ich noch ganz klein war und ihn weder richtig aufsagen noch auch nur in Ansätzen schreiben konnte, war Melanie der Name, den man mir an höherer Stelle zugedacht hatte. Wenn man bedenkt, dass sonst noch Ursula oder Silke zur Auswahl gestanden hatten, sollte man es wohl dabei belassen nur ganz leise darüber zu klagen einer fiesen Modeerscheinung zum Opfer gefallen zu sein. Es hätte wirklich deutlich schlimmer kommen können. Ingeborg und Jacqueline wissen vermutlich, wovon ich rede.

Kleiner Hippie

Da ich quasi in der Hippiezeit konzipiert und umgesetzt wurde, konnte ich mir wenigstens viele Jahre lang einbilden, dass mein Name auf die coole Ruby-Tuesday-Sängerin zurück zu führen sei, die damals die Meute in Woodstock (ganz ohne Drogen, wie es heißt) ordentlich gerockt hatte. In der Geschichte wähnte ich mich lange in Sicherheit, bis meine geliebte Mutter mir auch diesen Zahn unter Qualen zog. Woodstock? Melanie? Nicht mal im Ansatz. Wenn der Hase in die musikalische Richtung gelaufen wäre, hätte ich ohnehin eher Annafried, Agnetha oder allenfalls noch Peter geheißen. Letzteres wäre für ein Mädchen zu dieser Zeit wenigstens noch halbwegs spektakulär gewesen.

Die Wahrheit ist vermutlich völlig unspektakulär. Es ist sogar höchst wahrscheinlich, dass sich der Name „Melanie“ bei der Lektüre der Tina oder Bella – oder wie auch immer diese Hausfrauenberatungsblättchen zu dieser Zeit so hießen – eher zufällig aber nicht weniger nachdrücklich in das innere Babynamenverzeichnis meiner Mutter einfräste und sich dort bis zu meiner Geburt einen Wanst anfraß. Ziemlich sicher gab es zu dieser Zeit auch eine Damenstrumpfhose oder -binde, die meinen Namen trug.

Melanie, das ist mein Name. Nicht spektakulär, aber wenigstens meisten freundlich. Rückwärts lautet er „Einalem“ – das kratzt zumindest ein klitzekleines bisschen an spektakulär.

Foto: Marshall Astor (via Flickr)

Kommentare (8) Schreibe einen Kommentar

  1. Stell Dir vor, Du würdest Lena heißen. Du glaubst es nicht: Wir haben überhaupt nur drei „Thekenkräfte“ (im Alter von 19 bis 25) im Theater – alle drei heißen Lena! Wie komm ich drauf? Weiß nicht. Als meine Tochter geboren wurde, hab ich haben wollen, dass drei verschiedene Vokale im Vornamen sein müssten, und: Es müssten drei sein, die anders als der eine Vokal im Nachnamen lauten müssten. Ich hab zwei Vornamen gefunden. Der Rufname war bis dahin fast nicht existent. In der Klasse meiner Tochter (und überhaupt im Jahrgang / in der Altersstufe) waren plötzlich mehrere, viele.

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  2. Arne. Arne oder Christoph sollte ich eventuell auch heißen. Da bin ich mit meinem Allerwelts-Christian noch gut bei weggekommen. Aber meine Eltern hatten sich eigentlich auf eine Christiane eingestellt, da lag es vielleicht nahe nur das e wegzulassen.

    Apropos Eltern. Meine Mutter sollte Sybille oder Sabine oder so heißen. Mein Opa hatte den Auftrag dieses dem Standesamt mitteilen zu dürfen. Dumm nur, dass er unterwegs auf einige Freunde gestoßen ist, die das freudige Ereignis mit ihm begießen wollten. Im Standesamt angekommen wusste er nur noch, dass es irgendwas mit S sein sollte. Und dass es ein Mädchen war. Als die Beamtin im Vornamenbuch bei Sieglinde angelangt war, meinte er wohl: Klingt gut, den nehmen wir.

    Woodstook oder Groschenroman, Arne, Alkohol. Oft sind Namen mehr als Schall und Rauch.

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