Asiawoche, Teil XIV: Schnaps

Nicht einmal eine Woche nachdem ich angekommen war, musste ich Fernost schon wieder verlassen. Ich bat die netten Menschen an der Hotelrezeption mir ein Taxi zum Flughafen zu organisieren. Dies gelang binnen weniger Minuten. Der Taxifahrer war sehr reinlich veranlagt. Bevor er mit seiner wertvollen Fracht zum Flughafen aufbrechen konnte, wollte er sein Taxi noch schnell mit einem überdimensionalen Wischmopp akribisch vom Staub und sonstigen Unrat befreien. Einen kleinen Moment musste ich an die allgegenwärtige Ordnungsmacht denken, die vielleicht auch gerade in diesem Moment den Taxifahrer zur Raison gerufen hatte.Buddha

Viel hatte ich vom Kommunismus und dessen Wirken in der Tat nicht mitbekommen. Ein interessante Diskussion über arm und reich beim Mittagessen, das merkwürdige Verschwinden von Internet-Seiten, von denen ich wusste, dass sie hätten da sein sollen, die steifen Wachmänner am Tian’anmen und vielleicht noch die nicht enden wollende von Sicherheitskräften geordnete, stille Schlange vor dem „Workers Stadium“ – das war aber auch schon alles, was darauf hindeutete, dass hier die Dinge ein bisschen anders liefen.

Die Stadt Beijing, oder das bisschen, was ich in der kurzen Zeit von ihr gesehen hatte, war freundlich, bunt und spannend. Ich ahnte, dass es hier noch eine ganze Menge zu entdecken gab und ich ahnte auch, dass ich das irgendwann noch entdecken wollen würde. Vielleicht nicht gleich im nächsten Jahr.

Während mich das Taxi dem Flughafen immer näher brachte, schoss mir plötzlich ein erschreckender Gedanke in de Kopf: Ich hatte in Beijing weit mehr als drei Chinesen gesehen. Aber nicht einen einzigen Kontrabass.

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Bild: Philip Larson / Flickr

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