Asiawoche, Teil XI: Süßer Gruß aus der Küche

Das-große-FressenNachdem ich meine sieben Sachen wieder beisammen hatte, war ich bereit die schützenden Mauern des Flughafens hinter mir zu lassen und mich in die Welt der Andersartigkeit zu stürzen. Draußen wartete im Pulk der Empfangskomitees bereits meine chinesische Kollegin mit einem Schild das meinen Namen trug. Sie hatte mir bereits vorab ein Foto des Schildes zugeschickt, damit ich es am Flughafen wiedererkennen würde. Wir schnappten uns ein Taxi – eines der zwölf englischen Cabs, die es in Beijing gibt – und ließen uns auf direktem Wege zum Hotel chauffieren. Die Fahrt dauerte eine gute halbe Stunde und kostete keine 9 €. So teuer, wie mir Japan erschienen war, so lächerlich nahmen sich die chinesischen Preise daneben aus.

Das „Hotel G“ war mindestens eine so große Überraschung wie der Flughafen: Ein Designhotel im europäischen Stil – absolut durchgestylt und dennoch bezahlbar. Außerdem war es ein Tummelplatz der italienischen Modegrößen, wie ich mir hatte sagen lassen. Also genau das richtige Umfeld für mich. Das Zimmer war sehr dunkel eingerichtet, mit vielen Lampen und allerlei Designschnickschnack.  AsiaMeine Tokioter Schlafzelle hätte etwa viermal in den Saal hinein gepasst, den man mir hier anbot. Funky.

Nachdem ich das Durch-die-Wolken-Gewackel weitgehend ohne zu essen zu ertragen versuchte, machte sich nun spätestens bei meiner Ankunft im Hotel ein Hüngerchen bemerkbar. Glücklicherweise gab es gleich neben dem Hotel ein ganz ansprechend aussehendes Restaurant und meine liebreizende Kollegin machte mir die Freude, ebenfalls eine gewisse Leere in der Magengegend zu verspüren. Die Speisekarte erinnerte an einen Ottokatalog – sehr dick und voll mit bunten Bildern. Da die Beschreibungen nur auf chinesisch daneben standen, musste ich versuchen anhand der Bebilderungen zu erraten, was ich gemäß Genfer Menschenrechtskonvention und Tierschutzgesetz essen konnte und was ich mir lieber zum streicheln auf den Schoß hätte legen wollen. Meine Kollegin war so freundlich mir ein wenig zu helfen. Zu den besonderen Highlights der Speisekarte zählten Ochsenfrosch, Schlange und Fischhäute. Sah alles wirklich sehr lecker aus, aber schweren Herzens entschied ich mich dagegen.

Zwischen dem was ich bestellen wollte und dem was am Ende wirklich auf dem Tisch stand lagen ein offensichtliches Sprachproblem sowie circa drei Portionen. Vier riesige prallgefüllte Schüsseln mit Essen starrten uns ängstlich an. Wir hatten Hühnchen in Teebaumöl (eigentlich waren es eher Hühnerknochen [waren es Hühnerknochen?] in Teebaumöl), Blumenkohl mit Chili (interessante, aber absolut leckere und gefahrlose Mischung), Tofuscheiben (hmm) und gebratenen Reis (mmhh). Wir aßen so viel wir konnten, aber gemessen an dem, was vorhanden war, war das im Grunde nichts. Unsere Kinder, Kindeskinder und Kindeskinderkinder hätten wir mit den Resten locker noch durch drei Winter gebracht. Und das Ganze kostete nicht einmal 15€!

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Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

    • Mellcolm

      Auch an dieser Stelle noch mal lieben Dank für die Blumen! Was den Nachschlag betrifft: Die Asienreise ist leider bald durch – am Ende war es ja auch nur eine einzige Woche ;)

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  1. Ich mag Dein Blog einfach so sehr, dass ich ihn jetzt bei mir in der [Poetenblog]roll verlinkt habe. Danke Dir. Wir lesen uns bei Twitter @wortlieb @fastfoodpoetry

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