Mugs & Moritz: Teile XXII, XXIII, XXIV, XXV & XXVI

Der große PortotassenraubEine Tassengeschichte im Wert von DM 1.165,-.

Wer ernsthaft annimmt, dass der gemeinen Tasse bereits im Brennofen die Grundgütigkeit eingebrannt wird, dem sei an dieser Stelle in aller Deutlichkeit gesagt: „Weit gefehlt!“ Bei den Tassen (und übrigens auch bei den Tellern, Gläsern, Töpfen, etc. pp.) verhält es sich exakt wie bei den Menschen. Es gibt so’ne und solche. Und um letztere dreht sich die heutige Tassengeschichte.

Schon jahrelang hatten die fürchterlichen Fünf das ganze Viertel in Angst und Schrecken versetzt. Sie traten nur und ausschließlich im Rudel auf und wo immer sie auf der Bildfläche erschienen, war Ärger vorprogrammiert. Da sie nichts Ordentliches gelernt hatten und ihnen das Rumpöbeln auf die Dauer zu langweilig wurde, planten sie eines Tages ihren ganz großen Cup: sie wollten die Spartasse überfallen.

Gesagt getan. Eines Tages schlichen sich die fünf Tunichtgute von hinten an die nichtsahnende Spartasse heran. Während zwei von ihnen ihren Henkel an der Tresortür festkettelten (was angesichts der Komplexität des Kettelns eine Weile dauerte), bedienten sich die anderen drei an der Auslage. Die Münzen wurden verschmät (und  begaben sich hernach deswegen in psychologische Behandlung), die bunten Scheine hingegen wurden einer nach dem anderen eingesackt.

Da es vermutlich aufgefallen wäre, wenn 5 Tassen mit großen Säcken im Schlepptau die Spartasse verlassen hätten, bedienten sich die Halunken einer List. Schein für Schein wickelten sie sich in der altbewährten Zwiebeltechnik um den Bauch. Und spazierten mit ihrem neuen Bauchschmuck schnurstracks von dannen. Niemand schöpfte Verdacht. Warum auch? Gerade bei den einfarbigen, trüben Tassen stand das Thema Bodypainting zu dieser Zeit ganz oben auf der Hitliste – noch vor den angesagten Henkelextensions.

Da standen sie nun in ihren bunten Papierkleidchen und wussten nicht so recht, wie es weitergehen sollte. Einer von ihnen, man nannte ihn auch den steingütigen Stan, kam schließlich mit der zündenden Idee: sie würden sich eine Weile nach Südosttassien absetzen. Dort würden sie sich mit den kleinen, zartwändigen Chinatassen fein die Zeit vertreiben, bis etwas Gras über die Sache gewachsen war. Anschließend würden sie in die Heimat zurückkehren und unter neuen Lasuren ein Leben in Saus und Braus führen. Die fürchterlichen Fünf verschwanden also eine Weile von der Bildfläche. Niemand wusste, wo sie abgeblieben waren, niemand wollte es wirklich wissen. Die Fahndung nach den Spartassenräubern verlief im Sande.

Fünf Jahre nach dem Überfall entschlossen sich die Ganoven zur Rückkehr. Zur Tarnung hatten sie sich die Geldscheine, die sie damals bei ihrer Flucht um den Bauch getragen hatten, auf selbigen brennen lassen. Und sie hatten sich gefälschte Pässe besorgt. Die fette Beute war bei einer mitreisenden Zuckerdose untergebracht, die keine Fragen stellte und immer süß lächelte. Alles schien perfekt geplant – das dolce vita konnte kommen. Die lange Heimfahrt verkürzten sie damit, sich in bunten Farben auszumalen, wie ihr neues Leben aussehen würde: Überdimensionale Schränke, ganz für sie alleine. Mit einem eigenen Pool nebst Dampfbad. Ausladende Untertassen aus Meißen. Güldene Kaffeelöffel. Und hübsche Milchkannen soweit das Auge reicht.

Sie hatten wirklich an (fast!) alles gedacht. Nur eines hatten sie einfach übersehen. Am 1. Januar 1999 war heimlich, still und leise der Euro eingeführt worden.

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Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Mellcolm

    Herrlich. Das war dann wohl die, die die Münzen nach dem Überfall noch schnell eingesackt hat :o)

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  2. Deine Tassengeschichten sind wirklich hervorragend! :-)
    Leider, leider reicht mein eigener Vorrat dank einiger heimlich getätigter Zukäufe grade mal bis zum 30. April, sonst hätte ich selbstredend eine meiner Tassen „gestiftet“, um sie zum Mittelpunkt einer Erzählung von dir werden zu lassen.
    Liebe Grüße!

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