Ein Textperiment: Der Anfang

–> Zu den Regeln

(1) Die Jalousien waren heruntergelassen, und die einzigen Geräusche waren die Schnellfeuersalven und Detonationen des Videospiels, dann und wann unterbrochen von einem blechernen Tusch. (2) Kein Schaf wusste, was zu tun war. (3) Es blieb nur ein Ausweg: selbst eine Behandlungsmethode zur Heilung der Geisteskrankheit zu entdecken. (4) Gott weiß, wie viele Drogen der Junge in den zweieinhalb Jahren einpfiff, die er in Morningside Heights verbrachte. (5) Aber er muss etwas begreifen. Er ist keineswegs dumm. Er kann sich nicht für alle Zeit von diesem Kindheitsdrama beherrschen lassen. (6) Manchmal hatte sie etwas Brutales an sich, diese Art, etwas Selbstzerfetzendes. (7) Weinkrämpfe, Schlaflosigkeit, Zuckungen der Augenlider und manchmal der Finger, es war eine ziemliche Qual. (8) Daß es aus ihm heraus auf den gelben Teppich in der Ankleide tropfte, merkte er nicht, oder es war ihm egal.  (9) Adrian lachte und kehrte ins Zimmer zurück.

Quellen:

(1) T.C. Boyle, América, DTV: München, 1998, S. 113. (2) Leonie Swann, Glenkill, Wilhelm Goldmann Verlag: München, 2005, S. 180.(3) Paulo Coelho, Veronika beschließt zu sterben, Diogenes: Zürich, 2002, S. 81.(4) Paul Auster, Timbuktu, Rowohlt Verlag GmbH: Reinbek bei Hamburg, 1999, S. 20.(5) Philip Roth, Das sterbende Tier, Rowohlt Verlag GmbH: Reinbek bei Hamburg, 2003, S.97.(6) Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon, btb: München, 2006, S. 147.(7) Markus Werner, Am Hang, S. Fischer Verlag GmbH: Frankfurt am Main, 2006, S. 145.(8) Martin Walser, Der Lebenslauf der Liebe, Suhrkamp Taschenbuch Verlag: Frankfurt am Main,  2001, S. 313. (9) Stephen Fry, Der Lügner, Aufbau Taschenbuch Verlag GmbH: Berlin, 2003, S. 395.

33 Gedanken zu „Ein Textperiment: Der Anfang“

  1. (10) Endlich völlig wach, kehrt er ins Schlafzimmer zurück und hat es plötzlich eilig, sich anzuziehen und die mit diesem Raum verbundenen Erinnerungen hinter sich zu lassen, Schlaf und Schlaflosigkeit, überhitzte Vorstellungen, auch den Sex.
    (11) Er sah die großen, gelben Zähne, und es schauderte ihn bei der Vorstellung, wie sie von den riesigen Kiefern des Hundes in eines seiner Beine, in einen Arm, in seinen Hals geschlagen wurden, ja sogar um seine Hoden wurde ihm angst und bange.

    (10) – Ian McEwan: Saturday, Club Taschenbuch Verlag 2009, S. 82. (11) – Sven Regener: Herr Lehmann, Goldmann Verlag 2003, S. 7.

  2. Allmählich wurde es dunkel, im Gleichtakt schalteten sich die Straßenlaternen ein, die Scheinwerfer flammten auf (1). So ein Blödsinn! dachte er kopfschüttelnd.(2) Eine Sache liess ihn aber keine Ruhe:(3).

    Bald wird er zwanzig. Dieses deprimierende Alter, indem man noch glaubt, alles sei möglich. Die vielen Chancen und Illusionne. Und auch die vielen Faustschläge ins Gesicht die einem noch bevorstehen.(4)

    1, 2,3: “Wirst Du da sein?” – Guillaume Musso, Kiepenheuer, S. 50/51/94
    4: “Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet” – Anna Gavalda, Fischer, S. 92

  3. (12)Ich hatte das Tor in eine fremde Welt aufgestoßen und wusste augenblicklich, dass damit das übersinnliche Experiment für mich erledigt war.
    (13) Jedes meiner beiden Ich triumphierte, wenn das andere einen Fehler machte,und erbitterte sich gleichzeitig über sein eigenes Unglück.

    (12) Lea Saskia Laasner:Allein gegen die Seelenfänger,Weltbild 2007
    (13) Stefan Zweig : Schachnovelle, Fischer 2004

  4. “Wichser!”, krächzte der Rabe. Ohne Raben geht’s wohl auch nicht. (10) Nächstes Spiel, weiter geht’s. Peng! Zack! Bum! (11) Mehr einer Vision als einem Menschen ähnlich, erschien Kalliope in der offenen Tür. Sie war in ein durchscheinendes weißes Gewand gehüllt, das aus einem Traumgespinst hätte gewoben sein können, und eine Brise spielte in ihrem langen Haar und hielt es so, daß es das Licht in vollkommener Weise auffing und wie lebendig aussah. (12) Sie holte eine eingepackte Lakritzschnecke aus der Tasche, knisterte das Papier auf, holte die Schnecke raus und nahm ein Ende zwischen ihre weißen Vorderzähne. (13)

    (10) Christopher Moore, Fool, Goldmann, 2009, S. 11. (11) Heinz Strunk, Fleckenteufel, rororo, 2009, S. 82. (12) Matt Ruff, Fool on the Hill, dtv, 1993/2006, S. 181f. (13) Dana Bönisch, Rocktage, KiWi, 2003/2005, S.26.

  5. (14) Wozu auch immer er sich entschlösse, das leben konnte es nicht kosten.Er befand sich vielleicht unter Narren, vielleicht unter Wüstlingen, gewiss nicht unter Buben oder Verbrechern. Und es kam ihm der Einfall, unter sie hinzutreteten, sich selbst als Eindringling zu bekennen und sich ihnen in ritterlicher Weise zur Verfügung zu stellen.

    (14) Arthur Schnitzler : Traumnovelle, Schroedel 2003, S.53

  6. (15) Außerdem: Was die Auswahl von Nistplätzen betraf, hatten die Weibchen den Mutterinstinkt und die Vernunft eines Ziegelsteins.

    Terry Pratchet, Wachen! Wachen!

  7. (1) “Glaubst du, dass Humanoide – Menschen – jemals eine Maschine erfinden werden, die beten kann? Beten wir zu Maschinen oder durch sie? In welcher Weise nutzen wir Maschinen zur Befriedigung unserer tiefsten Bedürfnisse?” (2) “Bis jetzt war noch Händearbeit nötig, von jetzt an arbeitet der Apparat ganz allein.” (3) “Ich will’s aber nicht, und ich hab meine Gründe dafür!” (4) “Ja ja, Sie haben recht, Vielleicht hätte ich gar nicht, vielleicht sollte ich lieber wieder…” sich entfernende, schwächer werdende Stimmen. “Lieber was?” “Ach Sie wissen doch, das ist ja alles längst viel besser irgendwo erklärt.” “Aber Sie haben das doch für…” “Unsinn. Auch wenn ich mich noch so anstrenge, es bleibt ein Gerede, angelesenes Zeug.”

    (1) Douglas Coupland, Microsklaven, Hoffmann & Campe: Hamburg, 1996, S. 225. (2) Franz Kafka, In der Strafkolonie, Könemann: Köln, 1995, S. 125. (3) Mark Twain, Die Abenteuer des Huckleberry Finn, Deutscher Bücherbund: Stuttgart, S. 298. (4) Rainald Goetz, Irre, Suhrkamp: Frankfurt, 1994, S. 79.

  8. (1) Der Himmel über dem Hafen hate die Farbe eines Fernsehers der auf einen toten Kanal eingestellt ist. (2) Unter anderen Umständen wäre der Blick von hier bezaubernd. (3) Wie kann man Wasser wirklich besitzen? Es strömt und fließt doch unaufhaltsam dahin, niemals dasselbe, was uns der Strom des Lebens bring. (4) Es war bestimmt nur ein Zufall gewesen.
    (5) Man weiß nie, wann das Schicksal zum Streich ausholen wird. (6) Er ließ seinen Blick über das Meer schweifen, in die Ferne, als suche er dort Ruhe und Vergssen.
    (7) Hustend stieß er den Rauch aus. (8) Sie stand da und wartete darauf, das er zu ihr käme. (9) Um ihren Hals lag ein schmales Brillantkollier, und an dem tiefen Ausschnitt, der den vollen Ansatz ihres Busens gerade freigab, steckte eine Brillantclip. (10) Aus der Nähe betrachtet wirkten ihre Augen noch grüner und heller – wie aus Flüssigkristall. (11) “Warum küsst du mich nicht?” fragte sie. (12) Plötzlich wurden die Lampen abgeblendet.
    (13) “Das ist ja nicht zu fassen…” murmelte sie

    (1) William Gibson, Neuromancer, Heyne: München, 1987, S. 10
    (2) Christopher Moore, Blues für Vollmond und Kojote, Goldmann: München, 2008, S. 20
    (3) James Joyce, Ulysses, Suhrkamp: Frankfurt, 1975, S. 207
    (4) Umberto Eco, Das Foucaulltsche Pendel, dtv: München, 1988, S. 155
    (5) Graham Greene, Der dritte Mann, Süddeutsches Zeitung Bibliothek: München, 2004, S. 1
    (6) Thomas Gifford, Assassini, Bastei Lübbe: Bergisch Gladbach, 1994, S.585
    (7) Arturo Perez-Reverte, Der Club Dumas, List:Berlin, 2005, S. 153
    (8) Ian Felmming, James Bond – Casino Royale, Heyne: München, 2003, 67
    (9) Ian Felmming, James Bond – Casino Royale, Heyne: München, 2003, 67
    (10) Arturo Perez-Reverte, Der Club Dumas, List:Berlin, 2005, S. 165
    (11) W. Somerset Maugham, Der Magier, Süddeutsches Zeitung Bibliothek: München, 2004, S. 147
    (12) James Twining, Der letzte Coup, Bastei Lübbe: Bergisch Gladbach, 2005, S.347
    (13) Valerio M. Manfredi, Das etruskische Ritual, Piper: München, 2004, S. 241

  9. (1) “Bist du glücklich? Sag, bist du glücklich?” fragte sie hastig. (2) Du hast mir zugesagt”, gab er, ohne den Blick zu heben, ihr zur Antwort, “du würdest mir folgen, wohin immer ich mich wende. (3) Er sprach nicht weiter, sondern stieg das Ufer hinunter, schöpfte Wasser mit den Händen und schwappte es sich ins Gesicht. (4) Das Wasser glitt lautlos und schwarz an den Strünken des Huflattichs vorbei, unberührt von seiner Zeugenschaft, ohne Erwiderung. (5) “Ich habe dich den ganzen Sommer über begehrt”, sagte sie in seinen Mund hinein, der nach Bonbons, kandierten Früchten und regenfeuchter Erde roch.

    (6) Wir waren bei Regen in Genf angekommen, in der Nacht, doch bei Tagesanbruch war vom Regen nur noch die Frische in der Luft geblieben.

    (1) Fjodor M. Dostojewskij, Der Idiot, C. Bertelsmann Verlag, 1965, S.474
    (2) Leo Perutz, Der Judas des Leonardo, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2005, S. 164
    (3) Anatoli Pristawkin, Schlief ein goldnes Wölkchen, Sammlung Luchterhand, 2003, S. 142
    (4) John von Düffel, Vom Wasser, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2001, S. 258
    (5) Olga Tokarczuk, Ur und andere Zeiten, Berliner Taschenbuch Verlag, 2002, S. 79
    (6) Iwan Bunin, Der Sonnentempel: Literarische Reisebilder, Dörlemann Verlag, 2008), S. 252

  10. 1) Selbst der Ozean ist amputiert, dem fehlt doch alles, was ist daran noch echt? Der Ozean hat einen schweren Unfall gehabt vor einiger Zeit. Wer hat dem Ozean die Beine abgeschnitten? 2) Er spürt ein Klopfen unterhalb seiner Gürtelschnalle, eine Anspannung in seiner namenlosen Unterhose von Miriam. Till Reiners hat einem harmlosen älteren Mann in den Bauch geschlagen und kann jetzt fühlen, wie sein Schwanz durchblutet wird. 3) Zuerst dachte ich, ich sei an den Masern gestorben oder ich habe einen epileptischen Anfall erlitten bis mir klar wurde, dass ich soeben vom ersten Orgasmus meines Lebens ereilt worden war! 4) Erkrankungen sind eben immer auch eine Frage des Lifestyle.

    (1) Rainald Grebe: Global Fish, Fischer TB, 2006, S. 85
    (2) Ralf Husmann: Nicht mein Tag, Scherz, 2008, S. 115
    (3) Roman Schatz: Der König von Helsinki, Eichborn, 2007, S. 18
    (5) Martin Reichert: Wenn ich mal groß bin, S. Fischer, 2008, S. 176

  11. (1) Es war schwer. (2) Gelegentlich stoßen wir im Leben auf Dinge, die wir nicht begreifen, weil wir noch nie etwas Ähnliches gesehen haben. (3) Glück? Glück ist, sich aus Liebe zu lieben. (4) Er fing an zu weinen, es waren Krämpfe, die ihn überfielen, ein paar Minuten anhielten, langsam verebbten. (5) Glück ist die Angst, sich öffnen zu müssen, und die unglaubliche Kraft, sich hinzugeben, wo doch alles in der Welt ein Anlass zum Weinen ist (6) „Bitte lass das.“ (7) „Nein.“ Sie sieht enttäuscht aus.

    (3), (5) Nedjma, Die Mandel, Droemer, 2004, S. 115
    (1) T. Coraghessan Boyle, Wassermusik, rororo, 2005, S. 270
    (2) Arthur Golden, Die Geisha, btb, 2000, S. 151
    (4) Jan-Philipp Sendker, Das Herzenhören, Goldmann, 2004, S. 220
    (6) Audrey Niffenegger, Die Frau des Zeitreisenden, Fischer, 2005, S. 48
    (7) Audrey Niffenegger, Die Frau des Zeitreisenden, Fischer, 2005, S. 371

  12. 1) Auf den ersten Blick erscheint es verwunderlich, daß sich derartige Konsens-Inseln überhaupt entwickeln. Doch liefert auch hier die Evolutionstheorie eine plausible Erklärung. 2) Am Nachmittag ein unerfreuliches Erlebnis. Ich wollte mich für das Treffen mit Aileen fertigmachen und schaltete den Revisor aus. Da trat, statt mit dem Bild zu verschwinden, ein Zwei-Meter-Kerl an meinen Sessel, der mir von Anfang an nicht recht in das Stück (Mutangos Amandos”) zu passen schien – halb Weidenbaum, halb Athlet mit knorriger, schiefer Visage von braungrüner Farbe. Er griff sich die Blumen vom Tisch, die für Aileen bestimmt waren, und zerquetschte sie auf meinem Kopf. 3) Als nun der Engel aber ein zweites Mal an mein trostloses Nachtlager trat, hatte es solches Bewenden: Er auferlegte mir, sogleich und eilends nach El Paso zu reiten, um dort bei J. B. Hill ein Paar Cowboystiefel maßfertigen zu lassen.

    1) Simon: Meine Psychose, mein Fahrrad und ich. S. 61
    2) Lem: Der futurologische Kongreß, S. 80
    3) Kapielski: Weltgunst, S. 53

  13. 1) Eine Regel gilt immer: Wir müssen uns im Leben selbst darum kümmern, das zu bekommen, was wir uns wünschen. 2) Er begrüßte mich mit einem warmen Lächeln – und plötzlich schlug mein Herz höher. Mitten in Lärm und Chaos strahlte er eine Ruhe und Gelassenheit aus.

    1) RoAne: Sag doch einfach Hallo! S. 42
    2) RoAne: Sag doch einfach Hallo! S. 226

  14. 1) Ich wartete also und schwieg. 2) Ich fühlte mich großartig. Stark, unabhängig und sogar männlich

    1) Gayle, M.: Das Leben, die Liebe und der ganze Kram dazwischen. S. 54
    2) Gayle, M.: Das Leben, die Liebe und der ganze Kram dazwischen. S. 186

  15. Da steh ich nun, ich armer Tor
    Und bin so klug als wie zuvor (1)
    Ziemlich lange stand ich einfach nur still da. Die Tür ging ewig nicht
    auf. Der Aufzug und ich verharrten ruhig wie ein Stillleben mit dem
    Titel »Mann im Aufzug«. Allmählich wurde ich unsicher. (2)
    Ich starrte mein Gesicht an und dachte, wer ist das. Ich bin so jung und hab alles schon gesehn. Und das Leben, das ich vor mir hab, haben andere schon gelebt, ich darf es nachspielen, aber es wird nie so gut, wie die anderes es vorspielen. (3)
    Ich spüre die Zeit, die verrinnt. Sie darf nicht so spürbar verrinnen, sie soll härten und reif machen und alt werden lassen. (4)
    Mir bleibt nichts anderes übrig, als mit geschlossenen Augen zu masturbieren und mir vorzustellen, wer mich mehr anmacht. (5)
    Anfang der siebziger Jahre schien alles so klar zu sein: Die Rechten trugen Uniformen, die Linken hatten lange Haare. (6)

    (1) J.W.v. Goethe: Faust. Der Tragödie erster Teil. Beck,
    (2) H. Murakami: Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt. btb, S.10
    (3) R. Grebe: Global Fish. Fischer, S.203
    (4) A. de Saint-Exupery: Citadelle, die Stadt in der Wüste. Karl-Rauch-Verlag, S.42
    (5) I. Bahr: Moomlatz. Frederking & Thaler, S.131
    (6) E. Hackl: Als ob ein Engel. Diogenes, S.84

  16. 62) In der ganzen Welt tobte mit einem Mal ein Kampf von Gut gegen Böse, aber die Fronten waren manchmal schwierig auszumachen und die Freund-Feind-Linien verwirrend.

    62) Precht, R.D.: Lenin kam nur bis Lüdenscheid, List Taschenbuch 7. Auflage 2008, Seite 54

  17. Gegenüber war eine Plakatwand, auf der stand: “Wir werden nicht alles anders aber vieles besser machen.” (1) Wenn ich auf meine Kindheit zurückblicke, frage ich mich, wie ich überhaupt überlebt habe. Natürlich hatte ich eine unglückliche Kindheit; eine gückliche Kindheit lohnt sich ja kaum. (2) “Shoot all the bluejays you want, if you can hit ‘em, but remember it’s a sin to kill a mockingbird.” That was the only time I heard Atticus say it was a sin to do something, and I asked Miss Maudie about it. “Your father’s right”, she said. “Mockingbirds don’t do one thing but make music for us to enjoy.” (3)

    (1) Frank Goosen: Liegen lernen, Heyne
    (2) Frank McCourt: Die Asche meiner Mutter, btb
    (3) Harper Lee: To Kill a Mockingbird, Pan

  18. Es waren Betrachtungen über das Leben, die Liebe, das Alter, den Tod: (1) Ich habe noch viele Lieder zu singen. (2) Eine Berührung riß mich aus meinen Meditationen. (3) Der Morgen brach an; es war fast halb acht. (4)

    (1) Gabriel Garcia Marquez: Die Liebe in den Zeiten der Cholera, S. 411
    (2) Irvin D. Yalom: Und Nietzsche weinte, S. 336
    (3) Umberto Eco: Der Name der Rose, S. 539
    (4) Irvin D. Yalom: Und Nietzsche weinte, S. 190

  19. (1) Die Mutter hatte den Kindern die Augen für die Anmut der kleinen Dinge geöffnet. Sie war von einer überzeugenden Diesseitigkeit. Sie konnte eine leckere Mahlzeit wahrhaft genießen oder sich über ein neues Kleid kindlich freuen. (2) Die letzten Farben des Sonnenuntergangs, grün und golden wie der Reis, tropften über den Rand dieser flachen Welt; vom neutralen Grau des Himmels hob sich der Wachturm so schwarz ab wie Druckschrift vom Papier. (3) Sie war unterdes ganz ins Zimmer hereingekommen und stehengeblieben. Nie zuvor hatte ich sie gesehen, ohne daß sie dunkle Gläser trug, und es war nun offensichtlich, daß es sich um eine verordnete Brille handeln mußte, denn ohne sie hatten ihre Augen das verkniffene Schielen eines Uhrmachers. Es waren große Auge, ein wenig blau, ein wenig grün, leicht braun gesprenkelt – verschiedenfarbig wie ihr Haar, und wie ihr Haar strahlten sie eine lebendige Wärme aus. (4) Woher kamen bloß all diese Erzählungen? Es schien als brauche Raschid nur die Lippen zu einem breiten , roten Lächeln zu öffnen, und schon kamen nagelneue Märchen heraus. Märchen mit Hexen, Liebesgeschichten, Prinzessinnen, bösen Onkels, dicken Tanten, schnauzbärtigen Gangstern in gelbkarierten Hosen, phantastischen Szenerien, Feiglingen, Helden, Kämpfen und einem halben Dutzend melodishcer Ohrwürmer. (5) Hat sich etwas geändert, in ihm, seit den ersten Versen, die er schrieb? Nein, nichts. Die Grundeinstellung bleibt.

    (1) Kleine, Gisela: Münter und Wassily Kandinsky, Suhrkamp, Seite 37
    (2) Greene, Graham: Der stille Amerikaner, Bertelsmann Lesering, Seite 116
    (3) Capote, Truman: Frühstück bei Tiffany, Herbig Verlag, Seite 31
    (4) Rushdie, Salman: Harun und das Meer der Geschichten, rororo, Seite 11
    (5) Kästner, Erich: Das große Erich Kästner Lesebuch, dtv, Seite 147

  20. Meine Lieblingsgeschichte ist, dass Branwell Bronte, der Bruder von Emily und Charlotte, an einem Kaminsims lehnend stehend gestorben ist, um zu beweisen, dass sowas machbar ist. (1)

    (1) Douglas Adams: Lachs im Zweifel, Heyne

  21. 1) Einen Monat später begannen sich auf der Carruthers-Farm unerklärliche Ereignisse zu häufen. 2) Der süßliche Blutgeruch von geschlachteten Schafen hing in der Luft und überall saßen und lauerten die Fliegen.

    1) Wilding: Sehnsucht nach Cane Valle, Verlagsgruppe Random House GmbH, 2007, S. 438
    2) Abdelhamid: Löwenmutter, Krüger Verlag 2008, Seite 124

  22. (1)Der Raubüberfall änderte alles. (2) Nachdem sich die Tür hinter Mrs. Redfern geschlossen hatte, sagte Inspektor Colgate: “Na, allmählich kommen wir weiter.”. (3) Diese Ängste der Hungersnot datieren aus seiner frühen Jugend, im Alter von achtundzwanzig Jahren tritt dann zum erstenmal in seinem Leben das Übel zusammen mit dem Heilmittel in Erscheinung, nach einem ziemlich langen Zeitraum voll Glück und Heiterkeit und Wohlergehen. (4) Ein Schwall von Licht überflutete ihn, schmerzhaft in seiner Plötzlichkeit; und er blinzelte hinein, auf die Gestalten, die ihn umstanden, in die Gesichter, die zum Teil undeutlich wirkten, wie mit Nebelmilch verhangen, und alle auf ihn niederschauten.

    1) Irvin D. Yalom, Die Liebe und ihr Henker, Goldmann, 2001, S.204
    2) A. Christie, Das Böse unter der Sonne, Scherz, 1984, S. 120
    3) C. Beaudelaire, Die künstlichen Paradiese, rororo, 1964, S. 52
    4) Stanley Ellin, Spezialitäten des Hauses, Scherz, S. 156

  23. Mit schweren Händen bedecke ich mein Gesicht, es ist, als würfe er von seinem Bett aus Steine auf mich, dreckige Wortfetzen, er wagt es, in mein Inneres zu dringen und dort seinen Müll abzuladen, wie kriege ich ihn aus mir heraus, wie beweise ich ihm, daß er sich in mir irrt, warum muß ich überhaupt etwas beweisen, warum muß ich mich immer rechtfertigen, als wäre meine Schuld grenzenlos. (1) Es war das Ende. Als ob ich geradewegs auf eine Mauer zuraste und mir dabei bewußt war, daß alles vorbei war, übriggeblieben war nur noch der Kern meiner Person, der weder denken noch wahrnehmen konnte, für Bedauern, Klagen oder sonstige Überlegungen war keine Zeit mehr in diesem letzten, überwältigenden Augenblick. (2) Ich stelle mir vor: Sein Leben fortan, indem er den Blinden spielt auch unter vier Augen, sein Umgang mit Menschen, die nicht wissen, daß er sie sieht, seine gesellschaftlichen Möglichkeiten, seine beruflichen Möglichkeiten dadurch, daß er nie sagt, was er sieht, ein Leben als Spiel, seine Freiheit Kraft eines Geheimnisses usw. (3)

    (1) Zeruya Shalev: Mann und Frau, Büchergilde Gutenberg, 2001, S. 20
    (2) Joan Barfoot: Eine Hütte für mich allein, Rowohl – rororo, 1997, S.97
    (3) Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein, Suhrkamp, 1975, S. 20

  24. (1) Der Lauf der Welt war kein Anlaß zu Blanko-Zynismus und pubertärem Weltschmerz; nach meinem Vater und Iowa-Bob war der Lauf der Welt in seiner Beschissenheit gerade ein Ansporn dafür, sich im Leben ein Ziel zu setzen und voller Entschlossenheit gut zu leben. (2) Seit meiner Kindheit hatte ich es verlernt, die Dinge mit eigenen Augen zu sehen, und ich hatte vergessen, daß die Welt einmal jung, unberührt und sehr schön und schrecklich gewesen war. (3) Machmal, schon lange ehe es die Wand gab, habe ich gewünscht, tot zu sein, um meine Bürde endlich abwerfen zu können. Über diese schwere Last habe ich immer geschwiegen; (4) Und dann (sie hatte es gerade erst am Morgen gefühlt) gab es das Entsetzen; die überwältigende Unfähigkeit, dieses Leben, das die Eltern einem in die Hände gelegt hatten, zu Ende zu leben, heiter mit ihm umzugehen; in den Tiefen ihres Herzens saß eine schreckliche Angst. (5) “Wenn du Angst hast, tu was anderes”, flüsterte sie. “Irgendetwas mach ich falsch. Ich glaube, ich muss hier weg.” (6) Chancen hatte sie, Chancen! (7) “Ich komme erst wieder, wenn die Steine Vögel sind.” Aber Pekka lächelte und fragte: “Glaubst du, dass die Welt anders ist, oder glaubst du, dass ich anders bin?” “Ich weiß es nicht. Vielleicht ist alles anders, als wir glauben”, antwortete ich. “Man muss nicht fliegen können, um glücklich zu sein”, sagte ich. “Es gibt auch andere Möglichkeiten”, sagte er. (8) Wenn ich mir heute einen Menschen wünschte, so müßte es eine alte Frau sein, eine gescheite, witzige, mit der ich manchmal lachen könnte. (9) Es gibt Narren, die sind so närrisch, dass nichts ihren Augen jemals dieses wunderbare Fieber der Liebe zu rauben vermag. Gesegnet sollen sie sein. Dank ihrer ist die Erde rund. Dank ihrer erwacht immer wieder ein neuer Tag, ein neuer Tag, ein neuer Tag.

    (1) John Irving: Das Hotel New Hampshire, Diogenes Taschenbuch, 1984, S. 227
    (2) Marlen Haushofer: Die Wand, Ernst Klett Schulbuchverlag, 1. Auflage 1994, S. 172
    (3) Marlen Haushofer: Die Wand, Ernst Klett Schulbuchverlag, 1. Auflage 1994, S. 56
    (4) Virginia Woolf: Mrs Dalloway, Fischer Taschenbuch Verlag, Limitierte Sonderausgabe 2006, S. 180
    (5) Jean Craighead George: Julie von den Wölfen, Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv junior), Bearbeitete Neuausgabe 2003, S. 120
    (6) Marie Brückner: Man nennt mich Ginster, Franz Schneider Verlag, 1982, S. 65
    (7) Marjaleena Lemcke: Als die Steine noch Vögel waren, Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv junior), 2000, S. 25, S. 107, S. 27
    (8) Marlen Haushofer: Die Wand, Ernst Klett Schulbuchverlag, 1. Auflage 1994, S. 52
    (9) Christian Bobin: Alle Welt hat zu tun, Rowohlt Taschenbuch Verlag (rororo), 2005, S. 122

  25. 1) Es waren wundervolle Tage. 2) Kurz darauf wollte ich mich verabschieden, aber die alte Dame ließ es nicht zu. Und so blieb ich schließlich auch noch zum Abendessen. 3) Die folgenden vier Wochen waren in ihrer Einfachheit und Unkompliziertheit so schön, dass wir später immer gern daran zurückdachten.

    1) Kelly: Und wer macht den Abwasch? Goldmann Verlag 2000, S. 379
    2) Winkelhöfer: Irischer Sommer, Brunnen Verlag 2001, S. 57
    3) Winkelhöfer: Irischer Sommer, Brunnen Verlag 2001, S. 58

  26. (1) Um das Leben voll auszukosten, brauchen wir uns gegenseitig. (2) Immer ist es Welt und niemals Nirgends ohne Nicht: (3) Ich erlebe mich selbst als überströmend, lebendig und daher freudig. (4) Ich kann nicht erklären, wie das kam, aber plötzlich überstürzte ein Strom von Kindheitserinnerungen mein Herz. (5) O ich liebe es, an diese Stunde zu denken, die dein Leben und das meine bestimmte!

    (1) Clarissa Pinkola Estes: Die Wolfsfrau, Wilhelm Heyne Verlag 1995, S. 35
    (2) Rainer Maria Rilke: Duineser Elegien, Insel Verlag 1989, S. 35
    (3) Erich Fromm: DieKunst des Liebens, Ullstein Verlag 1979, S. 42
    (4) Emily Bronte: Die Sturmhöhe, Insel Verlag 1995, S. 118
    (5) Friedrich Dürrenmatt: Der Richter und sein Henker, Rowohlt Verlag 1984, S.65

    1. Eigentlich ist mein kleines Textperiment schon seit gestern Mittag geschlossen, aber ich drücke hier mal die Augen zu, denn ich freue mich so sehr über jeden Beitrag! Danke!!!

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