(Un)Heilsbringerin Zensur

Die Idee ist einfach: was ich nicht sehe, exisitiert nicht. Kinder machen sich das Prinzip zu eigen, in dem sie sich die Augen zuhalten, wenn es ihnen zu bunt wird. Dass kindliche Mechanismen auch in der Erwachsenenwelt funktionieren, zeigt der jütländische Werbetafelhersteller Lars Nonbye, der der Finanzkrise auf eigene Art den Kampf angesagt hat.

Seit Januar ist es den Mitarbeitern verboten, innerhalb der Firmenmauern über die Finanzkrise zu reden. Damit die schlechten Nachrichten wirklich draussen bleiben, ist ein Praktikant eigens dazu abgestellt, jedwede Berichterstattung zur Krise aus den Zeitungen zu entfernen. Den Mitarbeitern gefällt es – können sie wenigstens während ihrer Arbeitszeit eine Auszeit von der Krise nehmen. Und so macht die Zensur am Ende alle glücklich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt & ein Spielverderber, wem sich angesichts solcher Maßnahmen die Nackenhaare sträuben.

Das ARD nachtmagazin berichtete: No til finanskrisen.

Tatort: Tatort

Da habe ich mir in der Nacht von Samstag auf Sonntag in mühevoller Klein(-und Grosshirn)arbeit ein Thema für meinen nächsten Eintrag ergrübelt, habe ob des ganzen Gedenkes kaum ein Auge zugetan und dann sowas! Über den Tatort wollte ich schreiben, eine Institution, mein Heiligtum.

Ich bin kein TV-Junkie. Mein Fernseher ist mir nicht mehr als ein Möbelstück, allenfalls eines, das sein Aussehen und seinen Klang andauernd verändert. Mit soviel oder so wenig Emotion verbunden wie eine Blumenvase oder ein Couchtisch. Jedenfalls an 6,9 Tagen in der Woche. Einzig sonntagsabends, wenn das Wochenende sich dem Wochenendende zuneigt, wenn die Bügelwäsche sich zu gebügelter Wäsche verwandeln will, wenn der Wecker angedenk bevorstehender Weckzeiten bereits wieder unverschämt grinst, dann auf einmal wird das TV-Set zum Star meines Interieurs. Die Uhrzeit: Viertelnachacht. Der Sender: Die ARD. Das Programm: Tatort.

Nun gut, Schimi und Tanner, die ich als kleines Kind schon heiss und innig liebte sind längst Vergangenheit, aber im Grunde habe ich die neuzeitlichen wie-auch-immer-sie-heissen-Kommissare und -innen aus Köln, Bremen, Leipzig oder wo-auch-immer sie herkommen schon lange lieb gewonnen. Man entwickelt sich schliesslich auch weiter. Jedenfalls habe ich in dieser besagten Nacht beschlossen, MEINEM Tatort zu huldigen. Und dann sowas:

“Bienzle und die grosse Liebe”! Mehr als ein halb ungläubiges, halb entrüstetes “Häh?” will mir dazu nicht einfallen. Nun, gut 24 Stunden später habe ich mich halbwegs gefasst, habe meine Tränen getrocknet, mein Entsetzen verdaut. Ich grüble: Vielleicht liegt es am Schwäbischen. Vielleicht habe ich es auch einfach nicht verstanden oder war nicht aufmerksam genug. Enttäuschung, Traurigkeit und Niedergeschlagenheit legen sich wie ein grauer Schleier auf meine Seele.

Aber was wird aus meinem Blog-Eintrag? In dieser Stimmung kann ich unmöglich einen Lobgesang auf (m)ein liebstes Stück deutschen Kulturgutes anstimmen! Verstört summe ich leise die Tatortmelodie vor mich hin und hoffe, dass der nächste Kommissar aus meiner kleinen Fernsehwelt wieder einen Hort der Glückseligkeit macht….