Unerhörtes Verlangen

Na toll. Die verlangen einem ja so Einiges ab. Keine Ahnung, was das jetzt wieder soll. Aber es klingt irgendwie so, als bekäme man das nicht mal so gerade eben, ganz nebenbei, so auf die Schnelle hingerotzt. Das wäre ja auch zu einfach. Und warum sollten ausgerechnet die versuchen, es mir einfach zu machen? Die haben ja nichts davon. Ist denen doch egal, wie sehr ich mich drehe und winde, wie sehr ich mich quäle, an meinen Nägeln kaue, vielleicht nicht schlafen kann, nur – ich betone NUR – um sie nicht zu enttäuschen. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Und um dieses andere Blatt geht es hier nun mal nicht.

Das Blatt, um das es geht, liegt vor mir auf dem Tisch. Liegt es gerade? Vielleicht ist es auch nicht das richtige Papier. Hat es das richtige Format? Und ist es noch zeitgemäß, sich mit Blättern abzugeben? The medium is the message. Warum muss ich nur immer wieder an McLuhan denken? Hilft ja auch nichts.

Blatt geht nicht. Es ist zu, zu weiß. Zu klein. Ich muss gerade schreiben. Und die Buchstaben malen, damit es hübsch aussieht. Schließlich bin ich Ästhet! Und außerdem kann ich nur mit Füller und dabei schmiere ich mir immer die Finger voll. Abgelehnt.

Nehmen wir also den PC. Ach nein. Es ist wichtig, an dieser Stelle zu betonen, dass es ein Mac ist. Das gibt dem Ganzen gleich eine neue Qualität. „Ich habe diesen Text auf meinem Mac geschrieben…..“ – Klingt gleich viel besser.

O.k. Es kann also losgehen. Nein, noch nicht ganz. Ohne Kaffee geht das nicht. Wein wäre auch gut, aber um diese Uhrzeit? Nein. Kaffee ist eigentlich besser. Wie gerne würde ich jetzt sagen: „Minna, machen Sie mit bitte einen Latte macchiato. Ich kann mich gerade nicht selbst darum kümmern. Ich schreibe.“ Nach dem letzten Wort würde ich dann lange und bedeutungsvoll schweigen. Um der Sache Nachdruck zu verleihen.

Minna hat frei. Schon mein ganzes Leben lang. Mache ich mir den Kaffee eben selber. Und ein einfacher Filterkaffee tut es sicher auch. Bei Latte macchiato wirkt man ohnehin gleich so verspielt. Und das ist schließlich ein ernstes Thema. Ein Schuss Milch noch und fertig.

Jetzt erstmal eine Schriftart auswählen. Will ich mit Füßchen oder ohne? Arial ist so geleckt, es darf ruhig etwas plumper, bodenständiger daherkommen. Nehmen wir Times, Schriftgröße 11, nein 12. Flattersatz.

Also los..

Was, so spät ist es schon? Nein. Da lohnt es sich wirklich nicht, anzufangen. Unter Druck wird das sowieso nichts. Vielleicht ist die Gesamtlage beim nächsten Mal besser. Ganz sicher sogar.

Und wenn man mal ganz ehrlich ist, so mit Hand aufs Herz und allem Schnickschnack: Die sollen sich mal nicht so anstellen. Sollen sie sich die Wegbeschreibung halt im Internet raussuchen.

Schreibblogkaden

“Dein Blog gefällt mir – leider schreibst Du viel zu selten was.” Irgendwo habe ich das schon mal gelesen. Mehrmals sogar. So oder so ähnlich stand es da. Zuerst mal: Danke für die Blumen. Ich bin ja auch froh, wenn das Geschreibse hier irgend eine Regung provoziert. Aber: Ich kann so nicht arbeiten. Also Schreiben. Da kommt dann gar nichts bei heraus. Herrgott – dieser Druck. Ich meine: wenn ich das auf Zuruf könnte, wäre ich doch was Anständiges geworden. Bestsellerautorin, Topjournalistin, Hochschulprofessorin – Literatur- und Friedensnobelpreisträgerin. Bin ich aber nicht. Leider.