Aufbauarbeiten

Kriiiiiiihhhhhhhheiiiiiiiiiiirrrrrrsch.

Es ist sieben Uhr. Mein Freund der Polier hat das Spiel angepfiffen. Die Kreissäge flötet mir ein fröhliches Wecklied. Welch ein bezaubernder Start in den Tag! Ich springe aus dem Bett und unter die Dusche. Der klanglich frisch dazu drapierte Presslufthammer gibt mit den Einseifrhythmus vor.

Bububububububbb.

Ein wenig schmerzhaft ist es schon. Und auf Dauer gibt es blaue Flecken.

Frisch geduscht und behämmert geht es im Bademantel Richtung Küche. Das künstliche Erdbeben ist angeschaltet und ich bin mit dem PowerPlate-Workout schon durch bevor ich den Kühlschrank erreiche. Ganz ohne eigene Anstrengung – herrlich ist das! Weiterlesen

Ohropaxphantasien

Natürlich möchte ich unter normalen Umständen niemandem das Quatschen mit seinen Mitmenschen verbieten (Möchte ich nicht???), aber in Zügen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln gelten andere Regeln. Nämlich meine. Und die besagen, dass insofern ich allein reise – was meistens der Fall ist – auch die Menschen auf den Plätzen neben mir ein absolutes Redeverbot haben. Ob sie nun mit mir oder mit anderen Mitreisenden reden ist von sekundärer Relevanz.

Ja, sie dürfen mich freundlich (aber kurz!) fragen, ob der Platz neben mir noch frei ist – ein Relikt aus Schweizer Tagen, das ich mir in Deutschland gelegentlich herbei sehne. Auch dürfen sie „Gesundheit“ sagen, wenn ich niese. Wenn ich wirklich einen ganz großzügigen Tag habe, ist es eventuell noch duldbar, dass man mir – begleitet von einem herzlichen „Möchten Sie auch?“ – eine Tüte mit feinstem englischen Weingummi unter die Nase hält. Aber das ist dann schon der Gipfel der Gefühle, das absolute Maximum dessen was ich während einer Zugfahrt von Mitreisenden vernehmen möchte. Dem Schaffner räume ich unter Umständen ein Extragesprächskontigent ein, aber selbstverständlich nur dann, wenn ich ordnungsgemäß an den Kauf einer Fahrkarte gedacht habe.

Was schlichtweg gar nicht geht ist wenn Mitreisende versuchen, mir ein Gespräch aufzuzwingen. Wie damals dieser Nigerianer, der zwar durchaus nett lächelte, es dabei aber auch hätte belassen können. Das tat er leider nicht. Statt dessen versuchte er mir Englisch beizubringen. Und da Oxford nicht in Nigeria liegt und die Zugfahrt ein paar Stunden dauerte (in denen ich nebenbei des Herren gesamte Familiengeschichte bis zurück zum Urknall erfuhr), hat mein Englisch seit diesem Tag eine unüberhörbar nigerianischen Einschlag.

Ganz oben auf der Liste der verbalen Unerträglichkeiten stehen aber die Gespräche zwischen Mitreisenden, die 1. nicht für meine Ohren bestimmt sind und 2. von diesen auch überhaupt nicht gehört werden wollen. Meistens sind sie ja nicht mal aus voyeuristischer Sicht spannend.

Mich interessiert nicht die Bohne, ob der schnurrbärtige Herr mittleren Alters sich gerade auf der Heimreise von der Staubsaugervertreterjahrestagung befindet, die dieses Jahr glücklicherweise in einem Kegelclubstundenhotel stattfand. Auch will ich nicht wissen, dass das windige Pärchen schräg gegenüber sich am Fahrkartenschalter böse über die Fahrkartenschalterbetreuungsbeauftragte aufregen musste. Sollen sie es doch beim nächsten Scrabble-Spiel aufarbeiten, wenn sie es bis dahin nicht längst vergessen haben. Und mich damit verschonen.

Drei Plätze weiter telefonierte eine Frau stundenlang mit einem kleinen Kind oder einem ziemlich begriffsstutzigen Erwachsenen. Ich wartete auf den nächsten Netzausfall – warum soll es der Dame am Telefon besser gehen als mir? Nichts da. Ihr Netz hält, was mein Mobilfunkanbieter verspricht.

Und wer bitte findet es spannend, sich von jemandem, den er nicht kennt (und auch in Zukunft nicht zu kennen gedenkt) stundenlang vorsabbeln zu lassen, was in der Trekking-Zeitschrift steht, die gerade die Lektüre der Wahl ist. Wenn sie es ja wenigstens nur vorgelesen hätte – nein, jeder Satz wurde paraphrasiert. Dasselbe praktizierte sie übrigens auch mit dem Telefonat der Dame mit dem Begriffsstutzigen, so dass ich es letztlich im Original und in der Interpretation hören durfte…. Haben die denn alle kein Schamgefühl? Und keine Pietät?

Einen kleinen Moment habe ich überlegt, mir die Hände auf die Ohren zu pressen und ganz laut Kinderlieder zu singen.