Berlin-München, 12. Dezember 2009: Im Semmelexpress

Bis vier an einem Ende der Stadt zu feiern und um neun schon wieder gesäubert und gekleidet am anderen Ende der Stadt in einem Zug zu sitzen, den man natürlich auch erst in letzter Sekunde und im Schweiße seines Angesichts erreicht hat, das ist schon eine Glanzleistung für die man sich mit Fug und Recht mindestens bis Leipzig auf die Schulter klopfen sollte.

Das Dumme an diesem straffen Zeitmanagement ist allerdings, dass es einem das beiläufige Schrippenabgreifen gänzlich verunmöglicht. Ein Glück, dass die Deutsche Bahn tief im Innern ihrer Pannenzüge kleine französische Frühstückscafés beherbergt. Das hätte ich selbst nicht besser aushecken können! Dem Bordbistro hatte ich mich schon ein um das andere Mal in eindeutiger Absicht genähert (- Nic Nac’s, Sie wissen schon -), aber das Bordrestaurant hatte ich bis dato aus oralästhetischen Motiven gemieden. Dieses Mal waren mein feinfühliger Gaumen und ich bereit eine Ausnahme zu machen. Nachdem ich mein Badehandtuch reservatorisch auf dem mir zugesprochenen Sitzplatz ausgebreitet und mein Gepäck in die dafür vorgesehene Vorrichtung gewuppt hatte, drapierte ich mich also hungrig, adrett und mit koketter Miene auf der kuschelige Chaiselongue des schienengeführten Gourmettempels. Weiterlesen

Verschwitzt und zugeschnarcht (Tre)

In dieser Nacht schlief ich den Schlaf der Gequetschten. Ganze zehn Stunden vergingen zwischen meinem persönlichen Sonnenunter- und –aufgang. Und wäre da nicht ein Frühstücksbuffet gewesen, das mit leichtem Kaffeeduft nach mir geschrien hätte, so wäre ich einfach liegen geblieben.

Das Frühstücksbuffet war rubenesk üppig und mit viel Angabe hingerichtet worden. Ich aß bis ich zu platzen drohte und rollte mich dann gerade noch im richtigen Moment wieder ins Zimmer. Hier musste ich erst mal einen Weile zufrieden kontemplieren. Die fehlende Hektik, der abwesende Druck, das zurückgelassene Genörgel – trotz prallgefülltem Wanst fühlte ich eine wohlige Leere in mir aufsteigen.

Um mein Gewissen vor dem nachmittäglichen Kuchenbuffet noch einmal auf Vordermann zu polieren, entschied ich mich, einen Abstecher in den Fitnessraum zu machen. 45 Minuten auf dem Crosstrainer und ich konnte die morgentlichen Frühstückssünden mit dem Handtuch von meiner Stirn abtupfen. Ich war beschwingt. Beschwipst. Und bereit, mich in den bisher gemiedenen Saunabereich vorzuwagen.

Saunen und ich – wir haben ein schwieriges Verhältnis zueinander. Zum einen ist dieses kollektive Nackt nicht so mein Ding – ich bin Ästhet und die wenigsten Saunagänger sind bradpittesk. Zum anderen ist es in diesen Saunen immer so fürchterlich heiß. Ist doch kein Wunder, dass da alle immer gleich ins Schwitzen geraten. Da aber nun für den ganzen Zauber eine Menge Geld den Besitzer wechseln würde, fühlte ich mich verpflichtet zumindest meinen guten Willen zu zeigen und schaltete in den Brathuhnmodus um. Zunächst drapierte ich mich für sechs Minuten im Dampfgarer, um mich dann anschließend noch kurz in der Kräuterkruste weiterdünsten zu lassen. Kurz bevor ich in den finnischen Hochofen geschoben werden sollte, gelang mir die Flucht.

Im Ruheraum angekommen suchte ich mir eine kuschelige Koje in der mich der kellenschwingende Aufgießer nicht finden würde. Im Ruheraum war man nach dem kollektiven Strip gleichsam einträchtig relaxt. Und zwar so was von. Die herumlungernde Entspannung aller Anwesenden kulminierte in einem zufriedenen Schnarchen, das wie ein Bienenschwarm Koje für Koje bestäubte. Ich wünschte mir heimlich Ohropax und Insektenvertilgungsmittel.

Zum Gebinde Well Ness.
Bild: Invmsy / Flickr