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Gruppenbild mit Dame(nhandtasche)

Gestern morgen klingelte es. Zunächst ganz leise, dann presslufthammerlaut und mit Nachdruck. Ich wischte mir den Schlaf und die eingetrockneten Tränen aus den Augen, wickelte mich in einen Valentino-Seidenschal & talpte in den neuen Louboutins zur Tür. Es ist nie der falsche Zeitpunkt, ordentlich angezogen zu sein. Vor der Tür stand ein fremder Mann. Ich ängstigte mich. Überlegte kurz, ob ich Dior-Pfefferspray im Hause habe. Da sah ich -all of a sudden- , dass er nicht alleine war. Ich muss gestehen, ich erkannte sie nicht gleich. Sie trug einen braunen schäbigen Mantel, der mich an Pappe erinnerte. Ich schickte den Fremden fort, bat sie hinein und half ihr vorsichtig aus dem Lumpen. Sie wollte nichts essen, nichts trinken und sagte keinen Ton. Doch nachdem ich sie von ihren Luxus-Fesseln befreit hatte, die noch schwerfällig an ihr herab hingen, entspannte sie sich von Minute zu Minute. Ich gab mich großzügig & ihr mein Prada-Handy, mein Gucci-Portemonnaie, meinen Chanel-Lippenstift, mein Bulgari-Parfum und noch viele andere nützliche Dinge. Zunächst zierte sie sich noch, doch dann gab sie sich hin. Liess sich von meinen Gaben betören und nahm sie Stück für Stück in sich auf. Ich reichte ihr meine Hand, sie reichte mir ihre. Und endlich, endlich waren wir wieder vereint: Heloise und ich.

heloise_und_ich

Heloise

Das erste Mal haben wir uns letztes Jahr irgendwann im Mai getroffen. Es war in Las Vegas, ich war dienstlich da. Sie wohl auch. Mit ein paar Kollegen lief ich durch Venedig (American edition), wir aßen pizza e gelato, schauten den Gondoliere zu, wie sie Hochzeitspaare durch die kurzen Kanäle schipperten und fühlten uns ganz wie in Bella Italia. Auf schnelle Freundschaften war ich nicht aus an diesem Tag. Die Sonne ging schon langsam unter, als wir zufällig (Was ist schon Zufall im Leben?) am Chloé-Shop vorbei schlenderten. Gelangweilt warf ich einen Blick ins Ladeninnere. Ich habe mich noch nie sehr für Luxus interessiert (Pinocchio). Da stand sie, fand meinen Blick und strahlte mich an wie tausend Sonnen. Sie war mir gleich sympathisch. Eine wie sie war mir bisher nicht begegnet und das machte mich neugierig. Ich ging also rein in den Laden, liess rechts und links aufdringliches Verkaufspersonal unbeachtet zurück und marschierte geradewegs auf sie zu. Ich sagte: “Hi, ich bin Melanie”. Sie hauchte zurück: “Hallo, ich bin Heloise.” Das Eis war gebrochen. Der Grundstein für eine große Freundschaft gelegt.

Leider trennten sich unsere Wege sehr schnell wieder. Heloise war beruflich ortsgebunden und auch ich musste damals zurück in die Schweiz. Aber es verging kaum ein Tag, an dem ich nicht voller Wonne an sie gedacht hätte. Vor wenigen Tagen dann die große Überraschung – Heloise lebte inzwischen in Deutschland. Sie hatte scheinbar gewechselt, war jetzt bei Ebay. Vor Freude konnte ich mich kaum auf den Beinen halten. Heloise, meine gute alte Heloise! Und sie sah aus wie immer. Kein Anzeichen von Alterung, keine einzige Falte mehr als vor einem Jahr. Kein Abrieb, soweit ich es erkennen konnte. Ich nahm sofort Kontakt auf und machte ihrem Boss ein Angebot, das dieser unmöglich ausschlagen konnte. Es war nicht unmoralisch, das nicht. Aber es war gut. Dann lud ich Heloise zu mir ein. Sagte ihr, dass sie gerne bei mir einziehen könne, wenn sie möchte. Nächste Woche kommt sie nun & ich habe das gute Gefühl, dass sie für immer bleiben wird!

Das ist sie, Heloise:

meine_heloise