Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Stockholm, der erste Tag

Wie bereits mehrfach und auf allen möglichen Plattformen erwähnt, habe ich seit ein paar Tagen diffuse Probleme mit dem Hals. In Ankarsrum gab man mir Schmerzmittel, in Trosa Lutschtabletten, aber beides hilft nicht anhaltend. Da der Verdacht nahe liegt, dass sich das auch in den nächsten fünf Tagen nicht maßgeblich ändern wird und da ich mich insgesamt gar nicht mehr so knorke fühle, frage ich das Internet, wie man denn hier in Schweden so zum Arzt geht. Ich lerne erstens, dass man das gar nicht einfach so direkt tut, sondern über eine so genannte Värdcentral gehen muss, die sowas wie ein Gesundheitscenter ist. Und zweitens erzählt mir das Internet, dass das System total beknackt ist und dass man sich auf maximale Wartezeiten einrichten muss, wenn man nicht gerade mit abgetrenntem Arm erscheint.

Da inzwischen irgendwie klar ist, dass das Wasauchimmer nicht von selbst weggehen wird, entscheide ich mich, die Värdcentral aufzusuchen. Glücklicherweise ist eine in der Nähe des Campingplatzes, direkt an der U-Bahn-Haltestelle gelegen, so dass wir nicht durch die Stadt irren müssen. Ich werde sehr freundlich und zuvorkommend behandelt und bekomme einen Termin für den nächsten Morgen angeboten, was schneller ist, als ich erwartet hätte. Auf dem Weg nach draußen bleiben wir noch kurz im Aufzug stecken, dann geht es mit dem Termin in der Tasche auf in die Stadt, auf die ich mich schon seit Wochen freue. Neben San Francisco gehört Stockholm auch schon länger zu den Städten, in die ich dringend auswandern will und da bietet es sich in, sie vorher schon mal gesehen zu haben.

Die Bahn bringt uns quasi vom Campingplatz aus direkt nach Gamla Stan, die Altstadt von Stockholm, die sich nicht nur wegen des benachbarten Königsschlosses großer touristischer Beliebtheit erfreut. Viel Trubel, viele Kaschemmen und Restaurants, Souvenirläden, Straßenkünstler und Japaner. Am Schloss laufen wir unabsichtlich mitten in die tägliche Wachablösung hinein, der außer uns unzählige weitere Touristen beiwohnen. Für so einen schnöden Schichtwechsel machen die echt ein Riesenfass auf.  Aber die Meute mag es.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Wir lassen Gamla Stan mit gemischten Gefühlen hinter uns und marschieren nach Södermalm, denn da sind die hipsten Hipster Schwedens zu finden und es gibt herausragenden Café, heißt es. Da unsere in Åhus erworbenen Kaffee-Vorräte langsam zur Neige gehen und das für uns quasi lebensbedrohlich ist, steuern wir zuerst johan & nyström an, um einerseits hervorragend Kaffee zu trinken und andererseits unsere Vorräte an erlesenem Kaffee wieder aufzustocken. Beides gelingt und wir sind durchaus angetan.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Da uns ein Hüngerchen plagt folgen wir als nächstes einer Empfehlung des Guardian und suchen das Ringen Teatern auf, ein Foodcourt bei dem es Sterne-Fastfood verschiedener Geschmacksrichtungen geben soll. Der erste Eindruck liegt irgendwo zwischen cool und düster und dafür, dass es hier Sterne-Futter geben soll, ist es auffallend leer im Teatern. Mir ist dank meiner Halsschmerzen nicht so richtig nach Essen, aber der Reiseleiter entscheidet sich für ein Ramen-Gericht, das ihm allerdings gar nicht so richtig munden will. Der große Kleine Herr ist mit seinen Pommes hingegen außerordentlich zufrieden. Im Fazit würden wir hier wohl keine Empfehlung aussprechen.

Da ich erst dann so richtig in einer Stadt ankomme, wenn ich sie beshoppt habe, machen wir uns als nächstes in Richtung Einkaufsstraßen auf. Die Götgatan in Södermalm steht als Erstes auf dem Programm, aber entweder bin ich nicht in Stimmung oder der Zauber dieser Straße bleibt mir aus anderen Gründen verschlossen, aber wir finden leider gar nicht zusammen. Ich beginne, mir Sorgen zu machen, denn momentan ist mir noch unklar, was die Leute an Stockholm so toll finden. Auch der Reiseleiter ist verunsichert.

Wir beschließen einen rasanten Ortswechsel und steigen in die U-Bahn nach Östermalmstorg. Hier angekommen haben wir unser zweites traumatisches Aufzugerlebnis an diesem Tag. Um vom Gleis an die Oberfläche zu kommen besteigen wir einen dunklen, engen Fahrstuhl (die Fahrstühle in Stockholm erscheinen mir alle außergewöhnlich eng), der auf dem langen Weg nach oben ruckelt und rattert als habe sein letztes Stündchen geschlagen. Oben angekommen bin ich fertig mit den Nerven. Dafür stimmt mich die Gegend um den Östermalmstorg etwas milder. Zuerst besuchen wir die Saluhall, eine Markthalle, die gleich viel heller und freundlicher daher kommt als das Teatren. Dann entdecke recht schnell einen Designtorget, in den ich einkehren und mich austoben kann. Anschließend kehren wir noch schnell im Kaffeehaus Sturekatten ein, wo ich eine vorzügliche Linsensuppe zu mir nehme. Wir sitzen im kleinen Innenhof, aber das Kaffeehaus ist auch in den gemütlichen und plüschigen Innenräumen absolut sehenswert. Hier versöhne ich mich nun endlich doch mit der Stadt.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Da ich mich weiterhin alles andere als wohl fühle und ich mich vor dem EM-Halbfinale noch etwas ausruhen muss, treten wir langsam den Heimweg an. Das Fahrstuhltrauma ist noch nicht vergessen und so entscheiden wir, am Hauptbahnhof in die Bahn nach Hause zu steigen.

Während die WLAN-Verbindung und somit auch der Livestream den Abend über stehen wie eine Eins und ich dank Voltaren mal wieder ein paar Stündchen schmerzfrei bin, muss das deutsche Team leider im Spiel gegen Frankreich Federn lassen.

 

Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Trosa und die Ankunft in Stockholm

Wie immer, wenn wir abends beschließen am nächsten Morgen schon früh aufzubrechen, um mehr Pausen machen zu können, kommt auch diesmal alles Mögliche dazwischen, das uns daran hindert. Es ist fast schon zwölf als wir endlich aufbrechen. Das Wetter zeigt sich von seiner unfreundlichen Seite, was den Tag zum Reisen besonders geeignet macht. Heute wollen wir Stockholm erreichen, das rund 300 km entfernt liegt. Um den beiden Kleinen Herren eine Verschnaufpause zu verschaffen und um noch ein bisschen mehr von Schweden zu sehen, planen wir einen Zwischenstopp auf halber Strecke ein, in Söderköping ein. Da der eine der beiden Nachwuchscamper aber zu dieser Zeit gerade in süßen Träumen schlummert und wir diese raren Momente immer gerne nutzen, um Strecke zu machen, verschlägt uns der Zwischenstopp diesmal ins kleine Städtchen Trosa, das nur knapp 60 km vor Stockholm gelegen ist.

Trosa ist wunderbar. Da ist zum einen die klitzekleine Innenstadt mit dem Kanal, der sich wie eine Gracht durch sie hindurch schlängelt. Zum anderen ist da aber vor allem der Marsipangården, der vom Boden bis unter die Decke mit leckersten Leckereien vollgestopft ist. In Sachen süße Back- und Konditoreiwaren haben die Schweden ein echtes Händchen – sehr zum Leidwesen der deutschen Hüfte. Wir stopfen diverse süße Schmankerl in uns hinein und trinken Filterkaffee aus Omatassen. So muss Urlaub sein! Gut durchgezuckert treten wir nun die Weiterreise an.

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Foto: Philippe Wyssen

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Foto: Philippe Wyssen

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Foto: Philippe Wyssen

Je näher wir Stockholm kommen desto besser wird das Wetter. Wir betrachten das als Omen und freuen uns über den schwedisch-blauen Himmel. Für die Tage in Stockholm haben wir uns auf einem der beiden städtischen Campingplätze eingemietet, Bredäng Camping. Der Platz ist nun wirklich kein Highlight, das haben wir aber auch nicht erwartet. Er ist bis auf den letzten Platz ausgebucht, landschaftlich belanglos (wobei er wohl an einer Seite am Meer liegen soll) und auf den vergleichsweise kleinen Parzellen stehen die Wohnmobile und Wohnwagen dicht an dicht. Was dieser Campingplatz aber auf der Habenseite verbuchen kann, ist eine ziemlich gute ÖV-Anbindung nach Stockholm, die wohl auch der Grund ist, warum es so viele Camper hierhin zieht. Man kommt von der Station Bredäng mit der Linie 13 ohne Umsteigen in 15 bis 20 Minuten zu den zentralen Haltstellen der Stadt. Vom Campingplatz zur Haltstelle läuft man nur knapp 10 Minuten.

Da wir relativ spät ankommen, sammeln wir unser Abendessen beim Thai unseres Vertrauens Campingplatzes ein und bekneten das freie WLAN, uns einen Livestream zu schenken, damit wir das erste Halbfinale der EM schauen können. Weder das Essen noch das WLAN erfüllen unsere gar nicht so hohen Erwartungen und die blöden Halsschmerzen, die ich nun schon seit Öland mit mir rumschleppe runden das Bild ab. Klar, dass zu allem Überfluss dann auch noch Portugal Wales aus dem Turnier schießt.

Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Über Oskarshamn nach Ankarsrum

Als wir am Morgen unsere sieben Sachen auf Öland zusammenpacken, ist ein bisschen so, als sei nun der Urlaub vorbei. Dabei liegen noch knapp drei Wochen vor uns! Wir haben uns auf Öland wirklich wohl gefühlt und mal für ein paar Tage am selben Ort zu bleiben, hat gut getan. Weil wir dem großen Kleinen Herrn versprochen haben, dass wir Öland nicht verlassen werden, ohne dass er im Pool war, starten die beiden großen Jungs mit einem wirklich erfrischenden Vollbad in den Tag. Ich schleppe unterdessen den kleinen Kleinen Herrn in der Manduca durch die zum Campingplatz gehörige Brennnesselplantage. Gegen elf  Uhr sind wir dann schließlich startklar, entledigen uns noch schnell unserer Altlasten (altes Frischwasser, Abwasser, Gruß aus der Chemietoilette) und düsen los.

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Planmäßiges Ziel wäre heute eigentlich die Astrid Lindgrens Geburtsstadt Vimmerby gewesen, die aber außer der Astrid Lindgren Värld nicht viel zu bieten haben soll und von der wurde uns von Deutschen sowie Schweden abgeraten: zu teuer, alles nur auf schwedisch und eigentlich nichts für so kleine Kinder wie wir sie stolz unser Eigen nennen. Also haben wir –inzwischen routiniert- den nächsten Plan über den Haufen geworden und uns für einen kleinen Campingplatz in Ankarsrum entschieden, der vor allem für seine herausragenden Sanitäranlagen zu Bekanntheit gelangt ist. Rund 220 km Strecke stehen für heute auf dem Plan.

Da wir uns bisher dem Sightseeing nahezu völlig entzogen haben und mehr oder weniger zielgerichtet von Campingplatz zu Campingplatz getingelt sind, beschließen wir diesmal unterwegs einen Zwischenhalt zu machen und uns das Städtchen Oskarshamn anzusehen, das uns von einer erfahrenen Schwedentouristin als „niedlich“ ans Herz gelegt wurde. Die Stimmung im Fond ist während der rund zweistündigen Fahrt diesmal sehr starken Schwankungen unterlegen, so dass wir mehrere kurze Zwischenstopps einlegen und uns zahlreicher unerlaubter Bewegungen im fahrenden Gefährt schuldig machen müssen. Besonders die Schwerkraft, die Schnuller wie Stofftiere immer wieder zu Boden ringt, macht uns schwer zu schaffen.

Endlich in Oskarshamn angekommen, machen wir uns gleich auf die Suche nach der Attraktion des Ortes: denkmalgeschützte, bunte Holzhäuser, die über schmale Gässchen miteinander verbunden und hübsch anzusehen sein sollen. Spontan finden wir: Nichts, außer einem vielversprechenden Supermarkt (ICA Maxi), den wir uns für die Rückfahrt aus der Stadt auf Wiedervorlage legen. Weil wir die bunten Häuschen nicht so auf Anhieb finden, wie wir das von einem Reiseführer-Geheimtipp wohl erwartet haben und weil das Wetter sich mal wieder von seiner „Ach-ich-weiß-doch-auch-nicht-was-ich-will-Seite“ zeigt, sind wir schon kurz davor, unverrichteter Dinge weiterzuziehen, da entschließen wir uns doch noch, einfach mal anzuhalten, auszusteigen und irgendwen nach diesen dusseligen Häusern zu fragen. Eine Kioskbetreiberin gibt uns den entscheidenden Tipp: Sie wisse zwar nichts von Denkmalschutz und Highlight und so, aber, „da hinten“ stehen ein paar alte Häuser, vielleicht meinen wir ja die.

Wir entscheiden uns, „da hinten“ zu erkunden, nicht ohne aber vorher im Schaufenster einen schwedischen Bekleidungsherstellers wunderbare Kinderkleidung zu erspähen, die natürlich gleich beäugt, betastet, begehrt und bezahlt werden will. Gerade als wir in die Straße mit den alten Häusern einbiegen, entscheidet sich das Wetter für „spontaner Regenguss“ und wir flüchten in ein zunächst unscheinbar erscheinendes Eckcafé. Tatsächlich haben wir mit dem Café Shalom ein echtes Kleinod gefunden, in das wir uns spontan reinverlieben. Hier treffen Kinderfreundlichkeit, Omamöbel, (viel) (sehr) leckeres Gebäck, Porzellantässchen und reizende Verkäuferinnen aufeinander und man fühlt sich gleich mehr als herzlich willkommen.

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Foto: Philippe Wyssen

Nachdem die Bäuche verklebt sind und der Regen vorbei ist, schauen wir uns dann aber doch noch die hübschen Häuschen an. Das Prädikat „niedlich“ trifft es wirklich und wir sind doch sehr froh, dass wir die Flinte nicht gleich ins Korn geworfen haben.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Als wir auf der Rückfahrt aus dem Ort noch schnell in den vorher erspähten ICA Maxi reinhüpfen wollen, macht uns die shopping-rush-hour einen Strich durch die Rechnung. Vor dem übervollen Parkplatz steht bereits eine lange Autoschlange und für ein 6,60 m Gefährt ist das alles andere als eine Einladung. Wir seufzen kurz und fahren mit leeren Schränken zurück auf die Autobahn.

Einmal in Ankarsrum angekommen finden wir zum Glück noch einen Supermarkt, in den wir einfallen können, bevor wir auf dem Campingplatz einchecken. Långsjön Stugor & Camping ist seit etwa fünf Jahren fest in Schweizer Hand und der Platz ist wirklich wunderbar. Mit nur 42 Parzellen mit Strom, ein paar Zeltplätzen, acht Stugas und einem Tipi-Zelt gehört er zu den kleinsten Plätzen auf denen wir bisher untergekommen sind. Die vielgelobten sanitären Einrichtungen sind wirklich sensationell für einen Campingplatz. Der Platz selbst ist quasi direkt am Långsjön-See gelegen, „quasi“ deshalb, weil eine doch nicht so ganz wenig befahrene Straße und die Gleise der Schmalspurbahn Hultsfred-Västervik den Platz vom See trennt. Die Bahn stört kaum, da sie nur zweimal am Tag vorbeifährt, die Straße ist tatsächlich ein kleiner Wermutstropfen, den man aber wegen allem anderen doch wieder billigend in Kauf nimmt.

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Wir schlagen unser Quartier neben dem großen Tipi-Zelt auf und fühlen uns gleich wohl. Nicht zuletzt wegen der schweizerischen Betreiber sind viele Gäste aus Deutschland und der Schweiz da, was uns aber anders als in Karlskrona, hier überhaupt nicht stört. Neben uns steht ein älteres Paar aus Hamburg, mit denen wir gleich ins Gespräch kommen und die der große Kleine Herr dann auch umgehend mit Beschlag belegt. Fritz wird in sekundenschnelle zum Urlaubsopa, der nun aber gefälligst auch Fußball spielen soll.

Ursprünglich nur für eine Nacht gedacht, entscheiden wir spontan, auf zwei Nächte zu verlängern, weil es hier eben so nett ist. Am zweiten Tag erkunden wir das etwas merkwürdige Städtchen und heben den ein oder anderen Cache. Abends haben wir keine Lust zu kochen und informieren uns über die Optionen in der Nähe. Die Pizzeria „Mikonos“ schließen wir aus naheliegenden Gründen sofort aus. Bleibt noch die gefrorene Restaurantpizza vom Campingplatz oder das schnuckelige schwedische Restaurang gegenüber. Wir entscheiden uns spontan für letzteres. Da wir die Karte nicht lesen können, kommen wir gleich zur Sache und fragen nach den angebotenen vegetarischen Speisen. Der Koch überlegt kurz und sagt dann etwas kleinlaut „I’m afraid, but we don’t have any options.“ Eine Käsestulle würde er uns schmieren können, das war es dann aber auch. Es läuft also auf die Campingplatz-Pizza hinaus, die der Pizza auf Öland in nichts nachsteht. Wir beschließen erneut, nur noch selbst zu kochen.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Öland und der Weg dorthin

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Nachdem wir seit Beginn unserer Reise die Campingplätze eher häufiger gewechselt haben, ist für das nächste Etappenziel – Öland – zur Abwechslung mal ein etwas längerer Aufenthalt geplant. Wir verlassen Karlskrona nach einem wenig spektakulären Frühstück und mit zwei lachenden Augen. Gestehen muss ich an dieser Stelle natürlich, dass ich der Stadt von der ich nicht mehr gesehen habe als einen Campingplatz, der sogar ein bisschen außerhalb liegt, vielleicht Unrecht tue. Aber so ist das eben auf so einer Reise: Es gibt Orte die treffen einen mitten ins Herz und dann gibt es noch die anderen, an die man sich schon am nächsten Tag kaum noch erinnern kann.

Die Weiterfahrt ins rund 170 km entfernte Löttarp auf Öland führt uns durch viel Ackerbau und Viehzucht und wir fragen uns, wie man sich das halt so fragt, ob dieser Teil von Schweden irgendwie aus der Zeit gefallen ist. In den wenigen Momenten, in denen wir uns nicht mit Sinnfragen beschäftigen, grüßen wir entgegenkommende Wohnmobiler, weil man das nämlich so macht. Wir lernen: Wohnwagen- und Wohnmobilbenutzer verbindet nur, dass sie sich gelegentlich Campingplätze teilen. Wie lernen auch, dass von Wegschauen über Finger kurz vom Lenkrad heben bis hin zu wild mit den Armen rudern beim Winken alles erlaubt ist.

Spektakulär ist die Fahrt über die Ölandsbron, die Brücke, die das Festland mit der Insel verbindet. Sie hat an einer Stelle einen hohen Buckel, wohl, damit die Schiffe bequem unter ihr durchfahren können. Sehr zu unserem Erstaunen ist die Überfahrt kostenlos. Auf Öland angekommen beschließen wir aus Gründen und guter alter Tradition, einen anderen Campingplatz anzusteuern als ursprünglich gebucht. Der Platz liegt im Norden der Insel, nahe Löttorp. Mittags machen wir Rast an einem der wunderschönen Rastplätze, die überall in Schweden zu finden sind. Leider macht uns der Wind einen Strich durch die Rechnung, denn das Essen ist kalt, bevor wir es in den Mund schieben können. Dafür stimmt das Ambiente.

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Am Nachmittag checken wir schließlich bei Sonjas Camping ein und sind uns schnell sicher, die absolut richtige Wahl getroffen zu haben. Der Platz ist zwar nicht allzu klein, aber mitnichten ausgebucht. Die sanitären Einrichtungen sind sehr gut in Schuss und wirklich sehr sauber, es gibt – neben dem obligatorischen Minigolf –zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder, einen schönen kleinen Pool nebst Babypool und eine wirklich vergleichbar gut ausgestattete „Butik“. Dass es im Sanitärbereich sogar eine Sauna gibt, ist in Schweden vermutlich Standard. Mich beeindruckt das dennoch. Wenn wir etwas zu bekritteln hätten, dann wohl nur die mit wenig liebe zusammengebastelte vegetarische Pizza im Campingplatzschnellrestaurant. Wer aber an einem solchen Ort mit kulinarischen Highlights rechnet, ist vermutlich ohnehin selbst schuld.

Nur einen kleinen Fußmarsch entfernt liegt ein wunderschöner und wenig frequentierter Sandstrand (was auch am nicht allzu prallen Sommerwetter liegen kann). Der große Kleine Herr ist auf Anhieb in den riesigen Sandkasten verliebt und würde sich am liebsten gleich in die Wellen stürzen. Dem kleinen Kleinen Herrn ist hingegen der viele Wind nicht so ganz geheuer.

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Foto: Philippe Wyssen

Den zweiten Tag starten die beiden älteren Herren in der Runde dann tatsächlich auch mit einem Bad im Meer. Ansonsten stehen nur ein paar Tonnen Wäsche, ein ziemlich putzbedürftiges Wohnmobil und zwei Geocaches, die gehoben werden wollen, auf dem Tagesprogramm. Wir wollen uns schließlich nicht unnötig stressen. Der große Kleine Herr ist inzwischen ein Cacher-Profi und findet die Dosen in Windeseile. Nach der Pizzapleite des ersten Abends setzen wir heute auf Risotto à la Chef und ein funktionierendes WLAN, um fern der Heimat doch bei der Mannschaft sein zu können. Ich kann behaupten, dass unser Führungstor nicht rein zufällig in dem Moment fällt, als ich der Campingplatztoilette einen Besuch abstatte. Dass der Spaß dann drei Stunden dauert und mit einem undankbaren Elfmeterschießen endet, wissen wir glücklicherweise erst nach dem Spiel. Ich bin am Ende in etwa so erschöpft wie der Rest der Mannschaft.

Tag drei bringt die Aussicht auf konstant schönes, wenngleich etwas kühleres Wetter. Wir machen uns auf den Weg, noch ein paar weitere Caches zu suchen und laufen vom Campingplatz aus in nordöstliche Richtung über Kuhweiden und –fladen, vorbei an Windmühlen und abgelegenen Stränden, ein bisschen länger und lassen uns einfach von der Schönheit und der Menge der Gegend tragen – vielleicht ein bisschen weiter als ursprünglich geplant. Natürlich haben wir für uns Große weder zu trinken noch zu essen dabei und für die Kleinen gerade genug, damit es nicht ungemütlich wird. Unser großes Glück ist unser Fahrradanhänger, den wir statt Kinderwagen mit auf die Reise genommen haben. Er ist geländegängig (auch wenn wir ihn hie und da über Mauern heben und unter Elektrozäunen durchmogeln müssen), gut gefedert und lässt sich windsicher verschließen – so dass sowohl kleiner als auch großer Kleiner Herr, den Rückweg zum Campingplatz friedlich verschlummern.

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Foto: Philippe Wyssen

IMG_5373Nach einem verspäteten Mittagessen während eines kurzen aber heftigen Regenschauers, beschließen Teile von uns den Tag zunächst mit aktivem, dann mit passivem Fußball. Als frisch gebackene Gesinnungsisländerin bin ich vom Spielverlauf gleichermaßen enttäuscht und gelangweilt und dann irgendwie auch froh, als es rum ist und ich in die letzte Nacht auf Öland hineinschlafen kann.

Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Über Åhus nach Karlskrona

Trotz der tiefen Freundschaft die der große Kleine Herr mit den beiden (natürlich strohblonden!) schwedischen Mädchen innerhalb kürzester Zeit schloss – es ist so beeindruckend wie sich Kinder verständigen, ohne miteinander reden zu können – entschließen wir uns nach nur einer Nacht in Kivik zur Weiterfahrt. Die Eltern der Mädchen erzählen uns, dass sie selbst einen Ausflug nach Åhus planen, da es dort hervorragendes Eis geben solle. Da das Städtchen ohnehin auf unserem Weg liegt und wir eine gewisse Affinität zu Speiseeis haben, entschließen wir uns, es ihnen gleich zu tun.

Der erste Eindruck von Åhus ist sehr gut. Gleich neben unserem Parkplatz ist ein Design-Geschäft, dem ich wie von Zauberhand geführt einen Besuch abstatten muss. Skandinavisches Design ist ja so bezaubernd. Umso erstaunlicher, dass ich ohne Neuzugang den Laden wieder verlasse. Schließlich sind wir in einer anderen Mission in der Stadt: Eiscreme.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Statt aber wie erwartet, DIE eine Eisdiele zu finden, reiht sich am kleinen Hafen der Stadt Eisgeschäft an Eisgeschäft. Ohne Insiderwissen lässt sich kaum entscheiden, wo es nun das ultimativ beste Eis geben könnte. Wir entscheiden nach dem ersten Eindruck und landen bei Glassbåten, einem zum Eisladen umgebauten Boot. Die Herren der Familie entscheiden sich einvernehmlich für ein Eis der Sorte „Kladdkaka“, das mich schon vom Klang her nicht so anspricht, ich wähle „Danish Nougat.“ Während das Eis mit dem abtörnenden Namen (Kladdkaka ist übrigens ein schwedischer Schokoladenkuchen, sagt Google) bei den Jungs nicht so dufte ankommt, habe ich mit meiner Wahl alles richtig gemacht: Das Eis schmeckt original wie „Brauner Bär“ – ich frohlocke und fühle mich gleich gute 35 Jahre jünger. Nach dem großen Schlecken treffen wir am Hafen dann tatsächlich auch auf unsere Campingplatznachbarn, die uns stecken, dass das „Otto Glass“ wohl das erste Glass am Platz sei. Leider ist es uns aus gewichtigen Gründen unmöglich, uns davon selbst zu überzeugen.

Auf dem Rückweg zum Wohnmobil laufen wir in ein sehr einladendes Kaffee, von dem wir uns einen guten Cappuccino versprechen. Den bekommen wir auch. Dass wir dort allerdings außerdem einen Haarschnitt, Kosmetik, Handtaschen und Bettwaren bekämen, finden wir etwas befremdlich. Irgendwas werden sich die Besitzer sicher bei diesem außergewöhnlichen Konzept gedacht haben, was genau das sein könnte, will uns einfach nicht einfallen.

Den Abschluss unseres Åhus-Besuchs bildet ein dringend benötigter Einkauf, denn die „Butiken“ der meisten Campingplätze sind kulinarisch leider eher ganz weit hinten als ganz weit vorn. Wir finden einen Coop und decken uns mit dem Nötigsten ein. Und mit Bier. Leider wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass die Stadt die Heimat von Absolut Vodka ist, eine Info, die den Tag eines frisch liierten jungen Paares sicher nachhaltiger verändert hätte als den einer Familie mit zwei kleinen Kindern, aber wer weiß?

Mit vollen Einkaufstüten verlassen wir Åhus und steuern unser nächstes Etappenziel, Karlskrona an. Das jedoch nicht, ohne den vorher gebuchten Campingplatz noch schnell abzusagen und einen anderen, mit besseren Bewertungen anzusteuern. Irgendwie sind wir da durch Rostock traumatisiert.

Der Campingplatz in Karlskrona hält leider auf den ersten Blick auch nicht, was wir uns von ihm versprochen haben. Er ist zwar wirklich wunderschön auf der Insel Dragsö vis-a-vis von Karlskrona gelegen, ist aber bei unserer Ankunft zumindest in einigen Ecken so voll, dass wir uns wie in einer Legebatterie vorkommen. Die einzelnen Stellplätze sind leider auch nicht besonders groß, man kommt zwangsläufig mit den Nachbarn ins Gespräch. Und in unserem Fall war diese ausnahmslos aus Deutschland.

Wir entscheiden uns für einen Rundgang und tatsächlich – der zweite Blick ist etwas versöhnlicher. Die Insel ist wirklich sehr nett und der Platz gut angelegt. Die sanitären Einrichtungen sind gut in Schuss und sauber. Es gibt große Areale, wo kaum ein Camper zu finden ist und wir fragen uns, warum man uns diese nicht angeboten hat. Im Wald sind überall kleine Gnomfiguren versteckt und die Kinder haben einen Riesenspaß, diese zu entdecken. Auf Dragsö sehe ich zudem meinen ersten echten Schnullerbaum, der mich, anders als den großen Kleinen Herrn, wirklich nachhaltig beeindruckt. Ich versuche zwar noch, ihm die Vorteile dieser Art von Schnullerentsorgung nahezubringen, aber ich beiße auf Granit.Trotz des Schnullerbaums beschließen wir noch vor dem Abendbrot, hier nur eine Nacht zu bleiben. Als Zeichen unseres Widerwillens lassen wir die Markise eingerollt. Am späten Abend (die Kinder sind in Schweden leider viel zu lang viel zu wach) werden wir noch Zeugen eines atemberaubenden Sonnenuntergangsszenarios, das uns ein wenig milder stimmt. Es war schon ganz dufte in Karlskrona.

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Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Von Malmö nach Kivik

Nachdem wir den ersten Tag in Malmö mehr oder weniger intensiv auf Spielplätzen, in Supermärkten und in Waschküchen herumgelungert haben, steht für den zweiten Tag der Besuch der Innenstadt (aka Shopping) auf dem Plan. Klar, dass sich unter diesen Voraussetzungen das schöne Wetter vom Vortag schnell verzieht und einer lästigen Schlechtwetterwolke über der Stadt Platz macht. Es regnet Bindfäden und die durchschnittliche Familienlaune ist im Keller. Entscheidungen müssen her!

Der Familienrat beschließt, dass wir genügend Gummistiefel und Regenjacken an Bord haben, um den fiesen Wetter die Stirn zu bieten. Lediglich beim Schiebeequipment für den Kleinsten müssen wir kurzfristig den Fachhandel aufsuchen, um eine passende Regenabdeckung zu erwerben. Da wir immer nur so grob von Kronen in Euro umrechnen, kommt uns der Einkauf glücklicherweise gar nicht so teuer vor.

Nachdem wir uns nun alle maximal in Plastik und Gummi hüllen können, ist die nächste Herausforderung die Parkplatzsuche für unser 6,60 m Prachtmobil in der Innenstadt. Erstaunlicherweise suchen wir nur etwa fünf Minuten nach einem Parkplatz, jedoch dann etwa eine halbe Stunde bis wir jemanden finden, der bereit ist, uns Geld für die Parkuhr zu wechseln. Ich greife zu einer List und kaufe mit großen Scheinen kleine Brötchen und lasse mir das Wechselgeld in Münzen geben. Für den Rest des Tages trage ich drei Brötchen mit mir herum.

Kaum ist das Wohnmobil geparkt und die Kinder sind in den nun wasserdichten Fahrradanhänger gepackt, verspürt der kleine Kleine Herr ein Hungergefühl, dem er lautstark Ausdruck verleihen muss. Da wir das Schema kleines Hüngerchen = großes Wehklagen bereits sehr gut kennen, verlieren wir bei der Suche nach einem Fütterungsort keine Zeit und kehren beim erstschlechtesten Inder ein, der uns vor die Füße läuft. Das Essen ist so mittelmäßig, dass wir den kleinen Kleinen Herrn ein bisschen um seinen lauwarmen Gemüsereis mit Biohühnchen beneiden. Der große Kleine Herr findet indes alles ekelhaft, was aber nicht unbedingt am Essen sondern auch an einer Phase liegen kann.

Während des Essens (der Regen ist vorüber und wir sitzen draußen auf der Terrasse) werden wir von immer mehr zufällig eintrudelnden Vögeln eingekreist, die offensichtlich nur darauf warten, unsere Speisereste zu vertilgen. Die Crew warnt uns zwar vor den Vögeln, hat aber keine Eile, das Essen abzuräumen, nachdem wir fertig sind.

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Während die Sonne sich endgültig gegen die Wolken durchsetzt, versuchen wir uns nicht anmerken zu lassen, dass wir bei der Wahl von Gummistiefeln und Regenjacken doch etwas danebengegriffen haben. Die Leute gucken schon, bald zeigen sie mit den Fingern auf uns und nehmen ihre Kinder fest an die Hand!

Wir beschließen nach dem Essen noch eine kleine Runde durch die Stadt zu drehen – für mehr als eine kleine Runde reicht das Geld in der Parkuhr nicht. Da wir zudem spontan beschlossen haben, statt der geplanten zwei Nächte nur eine Nacht in Malmö zu bleiben, ist Nachlegen auch keine wirkliche Option.

Auf unserem Rundgang verirren wir uns zuerst ins Form/Design Center, wo wir ein bisschen skandinavisches Design, zwei Cappuccini und etwas Kuchen einatmen. Kurz danach laufen wir zufällig an einem Einrichtungsladen (Olsson & Grethel) vorbei und übersetzen das vorher im Kurzstudium über schwedisches Design Erlernte in den spontanen Kauf einer Lampe. Schwitzenden Fußes machen wir uns anschließend auf den Weg zurück zum Parkplatz. Ursprünglich hatten wir uns in Malmö noch den Turning Torso ansehen wollen, aber der war während unserer Besuchs in der Stadt zum Scherzen aufgelegt und verschwand immer dann aus unserem Blickfeld, wenn wir ganz kurz davor waren, ihn anzusteuern. Wir sind inzwischen der Meinung, dass es dieses Gebäude gar nicht in Echt gibt, sondern es sich ausschließlich um eine Projektion handelt.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Nachdem wir das Thema Malmö nun also abgehakt haben, geht die Reise weiter nach Kivik, rund 100 km östlich von Malmö. Dort haben wir uns auf eine Empfehlung hin Kiviks Familjecamping als nächsten Halt auserkoren. Der Platz ist klein und gemütlich, sehr familiär, aber auch sehr einfach ausgestattet. Wir lassen uns sehr zur Freude des großen Kleinen Herrn gleich neben dem Spielplatz nieder; dieser und die beiden netten schwedischen Mädchen gleich neben uns sorgen dafür, dass wir unseren Großen für den Rest des Tages nur noch im Vorbeilaufen sehen. Da der Platz so klein und ruhig ist, können wir ihn guten Gewissens herumtollen lassen, ohne ständig auf der Hut sein zu müssen. Äußerst angenehm! Lediglich das Loseisen und ins Bett stopfen gestaltet sich etwas langwieriger als sonst.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Von Rostock über Gedser nach Malmö

So gut es uns in Kleinröhrsdorf auch gefallen hatte, es gab Dinge, die uns davon abhielten, noch ein paar Tage dort zu verweilen. Dinge, die etwas mit einem bereits gebuchten, bezahlten und nicht umbuchbaren Fährticket zu tun hatten. Hinzu kam natürlich auch, dass wir nach einem so traumhaften Einstieg nun neugierig waren, wie es uns wohl auf dem weiteren Weg ergehen würde.

Das jähe Erwachen sollte bereits auf der nächsten Station unserer Reise folgen, im 447 km entfernten Graal-Müritz an der Ostsee, unweit von Rostock. Waren wir nur wenige Stunden zuvor noch auf rosa Wolken durch den Campingplatzhimmel spaziert, trafen wir nun gegen halb acht auf dem Vorhof zur Hölle ein. Der Campingplatz Ostseecamp Rostocker Heide ist zwar wirklich sehr schön und idyllisch unmittelbar an der Ostsee gelegen, aber auch wenn man ein Atomkraftwerk in einen von Elfen bewohnten Zauberwald baut, bleibt es ein Atomkraftwerk. Der Platz war zu voll, die sanitären Einrichtungen verdreckt und das Publikum bestand zum Großteil aus Partyvolk. Kurz: Wir waren nicht unglücklich, dass wir wegen unserer frühen Abreise am nächsten Tag die Nacht auf dem Parkplatz vor dem Höllentor verbringen durften. Den Abstecher zum wirklich schönen Strand haben wir uns natürlich dennoch nicht nehmen lassen.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Pünktlich um 4:15 Uhr befreite uns der Wecker aus der misslichen Wohnsituation. Wir packten eilig alles zusammen, stopften die gleichsam irritierten und missmutigen Kinder in ihre respektiven Kindersitze und düsten zum Rostocker Fährhafen, den wir kurz vor knapp erreichten. Brav stellten wir uns in die lange Schlange der wartenden Fahrzeuge. Hätte der Mann sich nicht auf die Suche nach dem Check-In begeben, hätten wir vermutlich auch erst nach Abfahrt der Fähre erfahren, dass diese Schlange gar nicht aus wartenden, sondern aus parkenden Fahrzeugen bestand, die vielleicht auch auf etwas warteten, nicht aber auf die Fähre nach Gedser, die wir für sechs Uhr gebucht hatten. In letzter Minute erreichten wir die Fähre, der Platzanweiser schüttelte schon den Kopf, wie man ihn haltso schüttelt, wenn man sich über die Dummheit anderer Leute ärgert. Ihr kennt das!

Die Fährfahrt war ruhig und entspannt, wenn man mal von den üblichen Unentspannungen absieht, die bei einer Reise mit kleinen Kindern immer inklusive sind: Eine volle Windel, Hunger, nein doch nicht, zu kalt, zu langweilig, der andere Hunger, nein müde, auf den Arm, runter vom Arm, in die Spielecke…Schwups waren die zwei Stunden um und wir in Gedser auf dänischem Boden. Hej Danmark!

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

In Dänemark wollten wir uns auf der Hinfahrt gar nicht lange aufhalten. Ein kurzes Stöppchen zum tanken, Flasche und Kaffee trinken und entdecken, dass Katjes in Dänemark vegetarische Salzheringe vertickt, auf die ich in Deutschland schon ewig warte – mehr nicht.

Nach dem traumatischen Camping-Platz-Erlebnis in Rostock sind wir hinsichtlich unserer Platzwahl für Malmö – unserem nächsten Ziel – vollkommen verunsichert. Beide Plätze haben auf Google dieselbe Bewertung und Google sagt ja bekanntlich immer die Wahrheit. Statt die schöne dänische Landschaft zu genießen verbringe ich daher die Fahrt damit, Alternativen zu eruieren. Da wir aber den Platz schon bezahlt haben und ich keine wirklich tolle Alternative in Stadtnähe finde, entschließen wir uns, den Platz wenigstens mal anzusehen (und reiß aus zu nehmen, sollte es Not tun). Vorher aber fahren wir erst noch atemberaubt über die Öresundbrücke und das nicht nur wegen der tollen Architektur, sondern auch wegen des horrenden Preises. Kurz glauben wir, die Brücke oder doch mindestens den ein oder anderen Pfeiler gleich käuflich erworben zu haben.

Von dem Schock erholt machen wir uns auf in Richtung Campingplatz und sind diesmal durchaus positiv überrascht. Mit dem Rostocker Platz hat der First Camp Malmö Sibbarp außer der Google-Bewertungen gar nichts gemein und wir verstehen nicht wirklich, wie dieses schlechte Urteil zustande kommt. Der Platz ist großzügig angelegt, die einzelnen Plätze sehr groß. Die sanitären Einrichtungen sind recht neu und ordentlich gepflegt -,dass man in einer Campingplatztoilette im Normalfall nicht vom Boden essen kann, liegt auf der Hand. Es gibt einen tollen Spielplatz, das Personal ist super und die Lage phantastisch für den Stadtbesuch. Wir sind wirklich froh, dass wir von unserem Plan B abgekommen sind und waschen zur Feier des Tages erstmal die vier Tonnen Wäsche, die sich nach nur vier Tagen schon angesammelt haben.

Den Tag beschließen wir mit einem zur Schnullerkettenbeschaffung (diese sollte man NIEMALS, wirklich NIEMALS vergessen einzupacken) gedachten Spaziergang am Oeresund entlang. Zwar bringt uns dieser keine Schnullerkette (Schwedisch: napp band), aber dafür beschert er uns einen wunderbaren Abend.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Von Pasing nach Kleinröhrsdorf

Nachdem nun also der Entschluss gereift war, dass die Elternzeitreise unweigerlich würde nach Schweden führen müssen, musste nur noch der „Reisemodus“ festgelegt werden: Vier Wochen im Wohnmobil, penetranter hätte es kaum nach Abenteuer riechen können!

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Beschlossen und bestellt. Nach mehreren höchst anstrengende Wochen des Camping-Artikel-Online-Shoppings und Katzen-Versorgungs-Planens war letzten Samstag der große Tag gekommen und wir konnten am späten Vormittag Nachmittag endlich in See stechen. Erstes Etappenziel war ein Campingplatz in der Nähe von Dresden, 498 km lagen zwischen Start und Ziel. Google schlug uns vor, die Strecke in etwa fünf Stunden zu bewältigen, wir entschieden uns aber für die sieben Stunden Variante, was angesichts unserer sehr moderaten Cruise-Geschwindigkeit von rund 100 km/h und unserer sehr moderat erfreuten Kinder (eine explosive Mischung aus Hitze und Müdigkeit) immer noch sehr sportlich war. Gegen halb elf erreichten wir unser Ziel und parkten unser rolling home vor der Schranke, weil die pünktlich um 22:00 Uhr dichtgemacht hatte. (Learning 1: Google ist ein hoffnungsloser Optimist, hat eine Engelsgeduld und muss nie pinkeln.)

Da wir unser Kommen angekündigt hatten, hatte man uns sogar noch etwas Strom für die Nacht dagelassen. Hätten wir nicht gebraucht, denn Minuten nach unserem Eintreffen entluden sich gleich mehrere Gewitter lautstark um uns herum. Uns störte das nicht mehr weiter. Müde aber glücklich schliefen wir im leicht geneigten Wohnmobil in unseren jeweiligen Betten nach vorne rollend ein. (Learning 2: Es gibt einen Verwendungszweck für Wasserwaagen.)

Lux Oase

Foto: Philippe Wyssen

Der Morgen begrüßte uns früh und mit der Stimme des großen Kleinen Herrn. (Learning 3: Im Wohnmobil gibt es ausschließlich kollektives Aufwachen.) Etwas später gab es dann einen „richtigen“ Platz auf dem Gelände und frisches sächsisches Backwerk. Schnell wurde uns klar, dass die Namensgebung der Anlage „Lux Oase“ zwar durchaus merkwürdig, aber auch absolut treffend war.

Was für eine Ausstattung: Großzügige Standplätze, tolle und gepflegte Anlage, In- und Outdoorspielmöglichkeiten für die Kinder, luxuriöse und super-saubere Sanitärbereiche und als Bonbon haben sie für das Spiel Deutschland gegen die Slovakei noch einen Veranstaltungsraum mit Beamerbild aus dem Ärmel geschüttelt und Bierbank und Biertisch hingestellt. Es ist übrigens eher wahrscheinlich, dass das anwesende Campervolk (sie funktionaler Kurzhaarschnitt, er Seitenschläfer-Plautze) die während des Spiels wild auf ihrem Rechner rumtippende Frau und ihren Mann, der WÄHREND DES SPIELS (sic!) mit beiden Kindern den Spielplatz unsicher machte, äußerst merkwürdig fand.

 

Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Das Vorspiel

Foto: Philippe Wyssen

Elternzeit. Für Außenstehende klingt das erstmal voll toll. Und dass es in Deutschland die Möglichkeit gibt, eine kleine Weile nicht zu arbeiten und dennoch ein Ein- oder Auskommen zu haben, ist absolut der richtige volltolle, superdupere Weg. Dennoch (<– Jammern auf hohem Niveau) bedeutet Elternzeit für Muttern meistens vor allem auch das: Morgens Baby. Am späten Vormittag andere Mütter mit (gerne nackten) Babys. Mittags Baby. Nachmittags Baby (und beliebig viele weitere eigene oder flankierende Kinder). Abends am Arsch. Nachts Baby. Repeat.

Das ist schon auch gut und richtig so, weil wegen Bindung und Nähe und Beziehung und kommt nie wieder und die Zeit vergeht so schnell und all dem, aber es ist – Hand aufs Herz – mitunter auch ein bisschen STINKLANGWEILIG, so tagein tagaus, Monat für Monat. Und weil ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich stinklangweilig so auf die Dauer nicht abkann, war ich sehr froh, dass beim kleinen Kleinen Herrn nichts dagegen sprach, dass auch der Vater von dat Janze noch ein bisschen Elternzeit nimmt, in der dann endlich mal der berühmte jungelterliche Bär steppen konnte. Denn, wie gefühlte 99,87% der Jungeltern entschieden auch wir uns die Vätermonate weltentdeckend zu verbringen.

Ein Kassen-, Zeit- und Interessensturz ergab eine stark ausgeprägte Skandinavienaffinität auf allen (relevanten) Seiten und so kreißte der Berg und gebar eine Schwedenreise über die ich fürderhin zu berichten gedenke. Also habt Acht.