Schlutzkrapfen

Mellcolms Sommerfrische, Teil IV: Brot und Spiele

28. Mai 2011, am Abend auf der Hütte

Abendbrotexkurs: Obwohl man aus sentimentalen Gründen geneigt ist zu glauben, dass jedes vom Hüttenwirt servierte Tier zu Tode gestreichelt wurde, lebt es sich auch als Vegetarier auf Südtiroler Berghütten ausgezeichnet. Die Ratlosigkeit, die einem bisweilen entgegengebracht wird, wenn man freiwillig (!) auf Fisch und Fleisch verzichtet kann nämlich im besten Fall dazu führen, dass die Küche – aus Angst man könne an Ort und Stelle verhungern -regelmäßig über sich hinaus wächst. Für uns zeigte sich das in größeren Portionen und zusätzlichen deftigen Schmankerln in Form von Kasnocken oder Schlutzkrapfen – kurz allem, was bei jeder ordentlichen Diät auf dem Index steht. Es verwundert daher nicht, dass wir die beim Wandern verbratenen und akribisch gezählten Kalorien mit den vegetarischen Schlemmerplatten gleich doppelt und dreifach wieder reinholten.

Schlutzkrapfen

Kartenspielexkurs: Drei Tische weiter erklärte ein neuer Herr einer neuen Dame eben so geduldig wie sein Vorerklärer über Stunden hinweg irgendein Kartenspiel. Auch sie lächelte freundlich dazu, verstand das Spiel aber offensichtlich bis zuletzt nicht. Warum die Beiden nicht einfach Mau Mau spielten ist mir bis heute unklar.

Foto: Philippe Wyssen

Schnee im Mai

Mellcolms Sommerfrische, Teil III: Schneeflöckchen, Weißröckchen

28. Mai 2011, Schatzerhütte – Palmschoss – Halslhütte – Schatzerhütte

30 cm Neuschnee, so einfach über Nacht und weit und breit keine Sonne, die diesem peinlichen Wetter-Fauxpas ein würdiges Ende hätte bereiten können.

Schnee im Mai
Zugegeben: Nur rund vier Monate zuvor wäre uns am selben Ort vor Freude über den Schnee das Herz übergegangen, aber im Sommerurlaub Ende Mai braucht so etwas kein Mensch. Und das schon gar nicht, wenn man in freudiger Erwartung des Südtiroler Hochsommers nur leichte Leibchen und dergleichen im Gepäck hat. Weiterlesen

Hunger

Mellcolms Sommerfrische, Teil II: Von Böcken und Kartoffeln

27. Mai 2011, am Abend auf der Hütte

Es geht ja nichts über das Gefühl des Ankommens. Und so waren auch wir mehr als zufrieden mit uns, als wir die weite Anreise aus der Schweiz und aus etwaigen, nicht wesentlichen Nachbarstaaten der Schweiz schadlos und weitestgehend (i.e. zu 83,3%) trockenen Fußes überstanden hatten. Oben (2004 m) angekommen wurden wir vom freundlichen Hüttenwirt und dessen nicht minder freundlicher Hüttenmannschaft bereits erwartet und binnen Sekunden in zwei Luxuschalets verfrachtet.

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Plosewasser

Mellcolms Sommerfrische, Teil I: Die Anreise ins Vergessen

27. Mai 2011: München – Brixen – Plose

Wenn man mit dem Zug verreisen will, dann ist es über die Maßen geschickt, die für den Kauf der Tickets benutzte BahnCard mitzunehmen. Will man außerdem auf dieser Reise mehrere Tage oberhalb von 2000 m wandernd verbringen, dann kann es zudem nützlich sein, einen Pullover, eine Jacke oder irgendwas anderes mit langen Ärmeln im Gepäck zu haben. Gedenkt man schließlich, in einer einfachen Berghütte* zu nächtigen, kann ein Handtuch das Wandergepäck durchaus sinnvoll ergänzen.

Hat man das alles wider besseren Wissens nicht beachtet, ist man selbst schuld.

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Gipfelkreuz

Die Geschichte vom Rascheln

Tegernsee – Risserkogel – Tegernsee, 24. April 2011

Vielleicht kommt es Ihnen so vor, als würde ich nur noch Geschichten vom Wandern schreiben. Was soll ich sagen? Sie haben wohl Recht. Und so wird sich auch die Geschichte vom Rascheln letzten Endes als eine Wandergeschichte entpuppen. Ich habe meine Gründe…

Wir wollten also auf den Risserkogel, das ist so ein Berg am Tegernsee, der sich im Gebirgseinerlei vor allem durch seine zahlreichen Ameisenpopulationen hervortut. Die Ameisen auf dem Risserkogel sind dabei keinesfalls Standardameisen. Sie sind vielmehr besonders groß und besonders emsig, viel emsiger als herkömmliche Talameisen. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Risserkogeler Ameisen die mit Abstand emsigsten Ameisen sind, die mir überhaupt je unter (den Wanderschuh) gekommen sind. Neben ihnen fühlt sich ein jeder gleich wie ein rechter Faulpelz.

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Es ist angewandert

Lenggries – Seekarkreuz – Lenggries, 3. April 2011

Das Schöne an diesem Frühling ist ja, dass er nicht nur lingt was das Zeug hält sondern das Ganze auch noch verhältnismäßig früh tut. Für den deutschen Frühling ein eher untypisches Verhalten. Speziell der April scheint sich in den Kopf gesetzt zu haben, diejenigen, die sich bisher schon beim bloßen Gedanken an ihn kopfschüttelnd abwendeten, ein für allemal Lügen zu strafen. Nicht nur ist er, der April nämlich besser als sein Ruf, nein, er ist sogar besser als so mancher Mai es je gewesen ist. Und der Mai ist was seinen Ruf betrifft eindeutig der Aristokrat unter den Monaten.

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Abschied

So long, 2010

Abschied

Das war‘s nun also. Wir haben Dich hinter uns gebracht und werden Dich noch heute Nacht in die ewigen Jagdgründe schicken. Es ist aus und vorbei mit uns.

Eines muss man Dir jedoch lassen: Du hast Deinen Job gar nicht so schlecht gemacht, besser sogar als viele Deiner Vorgänger. Klar hast auch Du für Höhen und Tiefen gesorgt, aber – sind wir mal ehrlich – Du hättest durchaus schlimmer kommen können.

Das Wetter, naja, lass uns nicht mehr darüber reden. Man sollte ein Jahr auch nicht einfach nach seinem Wetter beurteilen. Es gehört ja viel mehr dazu. Und in der wichtigsten Phase des Jahres – dem WM Sommer – da hast Du wettertechnisch gestanden wie eine Eins! Weiterlesen

Kaffeepause

Von Filterkaffee und Schlagsahne

Für meine pubertäre Sozialisierung waren die Cafés meines Heimatortes im Rückblick wichtiger als der Besuch des ortsansässigen neusprachlichen Gymnasiums. Auf den kuscheligen Polsterbänken oder mit Kunstleder bezogenen Eisdielenstühlen dieser spießbürgerlichen Idylle verbrachte mein Hintern große Teile seiner Jugend, während meine jugendlichen Finger derweil an hübschen Mitteldeckchen und liebevoll dahin dekoriertem Blumenschmuck zubbelten. Weiterlesen

Als würde das nicht reichen.