Berlin, Du nervst.

Berlin

Es ist nicht Deine Schuld, Berlin, dass wir beide miteinander nicht klarkommen. Du wirst sagen, dass es viel mehr über mich aussagt, als über Dich. Vermutlich hast Du recht – so? Ich gebe mir jedenfalls wirklich jedes Mal redlich Mühe, Dich zu mögen. Das vielfältige Angebot an Speisen aus der ganzen Welt, die freundlichen Preise für ebendiese, die Spätis, Cafés und außergewöhnlichen Clubs. Ich ermahne mich all das und mehr auf Deinem Haben-Konto zu verbuchen. Akribisch, denn man will ja nicht ungerecht sein. Eine Weile geht das gut, insbesondere dann, wenn die Sonne scheint. Aber so sehr ich mich auch abmühe, großzügig mit Dir zu sein, es kommt irgendwann immer dieser Punkt, da kippt die Stimmung und Du nervst und zwar volles Programm. Dann bist Du mir nur noch zu groß, zu laut, zu versifft, zu verhuscht, zu Hipster, zu gechillt und einfach zu überall. Und dann bekomme ich die schlechteste Laune, die zu bekommen ich in der Lage bin und muss heim, am liebsten sofort. Keine andere Stadt hat es je geschafft, mich so an meine Grenzen zu führen wie Du, Berlin. Und trotzdem, nein – gerade deshalb, komme ich jedes Mal gerne wieder.

Unter Zugzwang

Zwar war das Wellness-Wochenende nicht unbedingt erholsam für die Nerven, aber der geschundene Körper ist doch einigermaßen zu seinem Recht gekommen. Und stundenlange Schwätzchen mit lieben Menschen, die man leider viel zu selten sieht, sind im Grunde ja auch eine Form von Wellness. Umso toller, dass wir Beide unsere Rückfahrten in verschiedene Himmelsrichtungen so gelegt hatten, dass wir zumindest einen Teil der Strecke noch gemeinsam hinter uns bringen konnten.

Verglichen mit seinem Kollegen auf der Hinfahrt, den wir mit unserem Transferwunsch offensichtlich beim Telefonieren gestört hatten, war der Taxifahrer auf der Rückfahrt wirklich zahm – vielleicht auch, weil ich ihm überdeutlich sagte, dass es schwangeren Frauen bei kurvenreichen Strecken im Fond gelegentlich sehr plötzlich sehr übel wird. Und dass das in so einem Taxi natürlich verheerende Folgen haben könne.

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Vorsicht, Wellness!

Zwar harmonieren Schwangerschaften und Jahrhundertsommeranwärter schon per se nicht besonders miteinander, aber es muss erst ein Wellnesswochenende des Weges kommen, um der pränatalen Erschöpfung noch die Prinzessinnenkrone aufzusetzen. Von der schier uferlosen Erholung, die solche, gerne mit Freundinnen verbrachten Kurzeisen ins benachbarte Ausland in Hochglanzprospekten oder auf Parallax geschwängerten Webseiten versprechen, fehlt indes jede Spur.

Es ist halt so: Als biologisch nicht mehr so ganz taufrische, angehende Zweifachmama (von Jungs, wohlgemerkt!) wacht man vielleicht eines nachts schweißgebadet mit der Erkenntnis auf, dass der Traum vom Durchschlafen schon in kurzer Zeit endgültig ausgeträumt sein wird. Hungrige Säuglinge werden zu schubsenden und tretenden Kleinkindern und wenn die dann endlich aus dem Gröbsten heraus sind, wartet die senile Bettflucht bereits auf ihren unermüdlichen Einsatz. Schnell bäumen sich Körper und Geist der Betroffenen ein letztes Mal auf und treffen eine folgenschwere Entscheidung: Ein Wellness-Urlaub muss her, bevor es zu spät ist.

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Mellcolms Sommerfrische, Teil VI: Niemals mit Bonbon duschen!

Souffle

Zurück in der kuscheligen Hütte wurde erst mal der inzwischen schon traditionelle Sun-Downer eingenommen. Es ist kaum zu glauben wie viel man trinken muss, um die Sonne zum Untergehen zu bewegen. Als das jedoch endlich geschafft war zog sich das Reisegrüppchen zum vereinzelten Duschen und Frischmachen fürs Abendessen zurück. Ich erfuhr von einem Mitreisenden, dass es unmöglich sei, gleichzeitig ein Bonbon zu lutschen und unter der Dusche zu stehen. Ich notierte mir das – für alle Fälle.

Sonnenuntergang

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Mellcolms Sommerfrische, Teil V: Ein Kaiserschmarrn für sechs

Seilbahn

29.05.2011, Schatzerhütte – Plose Hütte – Rossalm – Schatzerhütte

Ausgeschlafen brachen wir erneut über den üppig gedeckten Frühstückstisch herein, gierig, als würde es kein Morgen geben. Nachdem dutzende eigener und zusammengeklauter Brotscheiben sicher den anwesenden Mägen verstaut worden waren, konnte es mit der zweiten Wanderung losgehen. Die Voraussetzungen hätten besser nicht sein können: Der Schnee schien so gut wie Geschichte zu sein und diesmal hatten wir sogar die Wanderkarte eingepackt, die uns dann auch bereits an der ersten Weggabelung vor einem ausgewachsenen Irrtum bewahrte.

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Mellcolms Sommerfrische, Teil IV: Brot und Spiele

Schlutzkrapfen

28. Mai 2011, am Abend auf der Hütte

Abendbrotexkurs: Obwohl man aus sentimentalen Gründen geneigt ist zu glauben, dass jedes vom Hüttenwirt servierte Tier zu Tode gestreichelt wurde, lebt es sich auch als Vegetarier auf Südtiroler Berghütten ausgezeichnet. Die Ratlosigkeit, die einem bisweilen entgegengebracht wird, wenn man freiwillig (!) auf Fisch und Fleisch verzichtet kann nämlich im besten Fall dazu führen, dass die Küche – aus Angst man könne an Ort und Stelle verhungern -regelmäßig über sich hinaus wächst. Für uns zeigte sich das in größeren Portionen und zusätzlichen deftigen Schmankerln in Form von Kasnocken oder Schlutzkrapfen – kurz allem, was bei jeder ordentlichen Diät auf dem Index steht. Es verwundert daher nicht, dass wir die beim Wandern verbratenen und akribisch gezählten Kalorien mit den vegetarischen Schlemmerplatten gleich doppelt und dreifach wieder reinholten.

Schlutzkrapfen

Kartenspielexkurs: Drei Tische weiter erklärte ein neuer Herr einer neuen Dame eben so geduldig wie sein Vorerklärer über Stunden hinweg irgendein Kartenspiel. Auch sie lächelte freundlich dazu, verstand das Spiel aber offensichtlich bis zuletzt nicht. Warum die Beiden nicht einfach Mau Mau spielten ist mir bis heute unklar.

Foto: Philippe Wyssen

Mellcolms Sommerfrische, Teil III: Schneeflöckchen, Weißröckchen

Schnee im Mai

28. Mai 2011, Schatzerhütte – Palmschoss – Halslhütte – Schatzerhütte

30 cm Neuschnee, so einfach über Nacht und weit und breit keine Sonne, die diesem peinlichen Wetter-Fauxpas ein würdiges Ende hätte bereiten können.

Schnee im Mai
Zugegeben: Nur rund vier Monate zuvor wäre uns am selben Ort vor Freude über den Schnee das Herz übergegangen, aber im Sommerurlaub Ende Mai braucht so etwas kein Mensch. Und das schon gar nicht, wenn man in freudiger Erwartung des Südtiroler Hochsommers nur leichte Leibchen und dergleichen im Gepäck hat. Weiterlesen

Mellcolms Sommerfrische, Teil II: Von Böcken und Kartoffeln

Hunger

27. Mai 2011, am Abend auf der Hütte

Es geht ja nichts über das Gefühl des Ankommens. Und so waren auch wir mehr als zufrieden mit uns, als wir die weite Anreise aus der Schweiz und aus etwaigen, nicht wesentlichen Nachbarstaaten der Schweiz schadlos und weitestgehend (i.e. zu 83,3%) trockenen Fußes überstanden hatten. Oben (2004 m) angekommen wurden wir vom freundlichen Hüttenwirt und dessen nicht minder freundlicher Hüttenmannschaft bereits erwartet und binnen Sekunden in zwei Luxuschalets verfrachtet.

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Mellcolms Sommerfrische, Teil I: Die Anreise ins Vergessen

Plosewasser

27. Mai 2011: München – Brixen – Plose

Wenn man mit dem Zug verreisen will, dann ist es über die Maßen geschickt, die für den Kauf der Tickets benutzte BahnCard mitzunehmen. Will man außerdem auf dieser Reise mehrere Tage oberhalb von 2000 m wandernd verbringen, dann kann es zudem nützlich sein, einen Pullover, eine Jacke oder irgendwas anderes mit langen Ärmeln im Gepäck zu haben. Gedenkt man schließlich, in einer einfachen Berghütte* zu nächtigen, kann ein Handtuch das Wandergepäck durchaus sinnvoll ergänzen.

Hat man das alles wider besseren Wissens nicht beachtet, ist man selbst schuld.

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