Hans-Martin, Twitter und der Weltfrieden

Hans-Martin. Das war dieser Mensch, dem es gestern Abend bei „Schlag den Raab“ binnen fünf Minuten gelang, sämtliche involvierten Modera- und Kommentatoren, den Stefan sowie alle Zuschauer im Studio und vor den Bildschirmen gegen sich aufzubringen. Dabei hatten vor allem Letztere dafür gesorgt, dass der Jungspunt (Beruf: angehender Apotheker) sich im Fernsehduell gegen Raab beweisen durfte. Aber das sind Details.

Hans-Martin schiss klug, wies zurecht, kotzte groß. Und ein Grund nach dem anderen, ihm den Sieg gegen Raab zu gönnen, löste sich in Wohlgefallen auf. Heimlich, still und leise erfolgte der Paradigmenwechsel: Niemand hielt Raab je für einen großen Sympathen, aber neben Hans-Martin wurde er auf einmal zum kleineren Übel. Das Studiopublikum entzog ihm den Applaus und wir TV-Twitterer zogen parallel nach allen Regeln der Kunst über Hans-Martin her – ein Stammtischgespräch am größten Stammtisch Deutschlands. Weiterlesen

(Un)Heilsbringerin Zensur

Die Idee ist einfach: was ich nicht sehe, exisitiert nicht. Kinder machen sich das Prinzip zu eigen, in dem sie sich die Augen zuhalten, wenn es ihnen zu bunt wird. Dass kindliche Mechanismen auch in der Erwachsenenwelt funktionieren, zeigt der jütländische Werbetafelhersteller Lars Nonbye, der der Finanzkrise auf eigene Art den Kampf angesagt hat.

Seit Januar ist es den Mitarbeitern verboten, innerhalb der Firmenmauern über die Finanzkrise zu reden. Damit die schlechten Nachrichten wirklich draussen bleiben, ist ein Praktikant eigens dazu abgestellt, jedwede Berichterstattung zur Krise aus den Zeitungen zu entfernen. Den Mitarbeitern gefällt es – können sie wenigstens während ihrer Arbeitszeit eine Auszeit von der Krise nehmen. Und so macht die Zensur am Ende alle glücklich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt & ein Spielverderber, wem sich angesichts solcher Maßnahmen die Nackenhaare sträuben.

Das ARD nachtmagazin berichtete: No til finanskrisen.

Was sind RAF-Touristen, Herr Bator?

Muss ich mir das wie eine Art archaischen „Abenteuerurlaub“ vorstellen? Ist das womöglich der Vorläufer dessen, was heute viele Todeshungrige in die unsichersten Gegenden der Erde zieht, um sich dort nach Herzenslust von Rebellengruppen entführen zu lassen? Hochseilgarten und künstliche Survival-Camps reichen wohl nicht mehr aus. Können sich die RAF-Touristen gegen eine kleine Zuwendung von Herrn Richter malen lassen? Was kostet so eine Woche RAF, all inclusive? Wie lange dauert die Reise. Lebenslänglich? Oder können die Touristen qua Rücktrittsversicherung von etwaigen Schuldhaftigkeiten zurücktreten? Und welche Rolle spielt Sabine Christiansen? Mimt sie die Reiseführerin? Wie dem auch sei, der RAF-Tourismus dürfte auf dem Rückzug sein. Aber wer früh genug bucht, der hat gute Chancen mit Hilfe der Staatsmänner einen der begehrten Plätze in den Lägern des befreundeten Auslandes zu bekommen. :-(

National hugging day: noch knapp 3 Stunden.

Mütter werden am Muttertag gepriesen, Eier an Ostern versteckt und der deutschen Einheit wird am 3. Oktober gehuldigt. Wären im Kalender nicht die entsprechenden Vorkehrungen getroffen, würden diese wichtigen Termine möglicherweise in Vergessenheit geraten. Und damit es auch mit dem Zwischenmenschlichen dauerhaft klappt, gibt es glücklicherweise seit über 20 Jahren den National Hugging Day am 21. Januar. Wer also heute noch nicht umarmt hat, sollte dies nun möglichst schnell und häufig tun, denn die nächste Gelegenheit hierzu gibt es erst wieder in einem Jahr.

Afterbushlife

George W. Bush ist bereits angezählt und in der Wählergunst der US-Amerikaner stehen die Demokraten derzeit besser da als ihre Kontrahenten. Ambitionen auf die Präsidentschaftskandidatur haben dabei gleich zwei neue demokratische Hoffnungsträger: Barack Obama und Hilary Clinton. Im Vorfeld der Kandidatenkür hat zwar momentan die ehemalige First Lady noch die Nase vorn, doch der smarte Obama entpuppte sich in den letzten Wochen als Senkrechtstarter und kann immer mehr seiner Parteifreunde hinter sich vereinen.

Wer das Rennen innerhalb der demokratischen Partei für sich entscheidet, werden vielleicht schon die ersten primaries im Frühjahr 2008 zeigen. Doch wie auch immer die primaries ausgehen – beide KandidatInnen dürften es schwer haben, auch vor der Gesamtheit des amerikanischen Volkes zu bestehen. Barack wäre der erste Nicht-Weiße* an der Spitze der Weltmacht USA und Hillary Clinton die erste Frau in dieser Position. Es fällt schwer, zu glauben, dass die USA für einen solchen Quantensprung unmittelbar nach dem Hardliner Bush schon bereit sind. Aber vielleicht hilft ja ein bisschen basisdemokratisches Daumendrücken von dieser Seite des grossen Teichs schon.

*Anmerkung der Redaktion: Die Autorin ist frei von Ahnung, welche Bezeichnung momentan „pc“ wäre. Man möge ihr das nachsehen und/oder diesbezüglich sachdienliche Hinweise geben. Grazie tanto!

Zu Gast bei Freunden: Integrationskurs für Deutsche

Der Schweizer Radiosender DRS3 bietet in der Schweiz lebenden Deutschen ab Montag, dem 22. Januar, einen fünftägigen Crashkurs in puncto Integration an. Die Themen im Überblick:

– Do’s und Dont’s für Deutsche in der Schweiz
– Direkte Demokratie
– Bankensystem, Fondue, SBB und Vereinswesen
– Schweizer Sehenswürdigkeiten von der Jugfrau bis zur Tell-Kapelle

Das alles zu hören unter: http://www.drs.ch/drs3.html

Und wem das nicht reicht, dem kann ich nur immer wieder eine ausführliche Lektüre der Einträge auf http://www.blogwiese.ch empfehlen.

In dem Kontext fällt mir ein denkwürdiger Satz einer schweizer (Arbeits)Kollegin ein: „Im Charakter eines Menschen spiegelt sich die Topographie seines Heimatlandes wider.“

Tatort: Tatort

Da habe ich mir in der Nacht von Samstag auf Sonntag in mühevoller Klein(-und Grosshirn)arbeit ein Thema für meinen nächsten Eintrag ergrübelt, habe ob des ganzen Gedenkes kaum ein Auge zugetan und dann sowas! Über den Tatort wollte ich schreiben, eine Institution, mein Heiligtum.

Ich bin kein TV-Junkie. Mein Fernseher ist mir nicht mehr als ein Möbelstück, allenfalls eines, das sein Aussehen und seinen Klang andauernd verändert. Mit soviel oder so wenig Emotion verbunden wie eine Blumenvase oder ein Couchtisch. Jedenfalls an 6,9 Tagen in der Woche. Einzig sonntagsabends, wenn das Wochenende sich dem Wochenendende zuneigt, wenn die Bügelwäsche sich zu gebügelter Wäsche verwandeln will, wenn der Wecker angedenk bevorstehender Weckzeiten bereits wieder unverschämt grinst, dann auf einmal wird das TV-Set zum Star meines Interieurs. Die Uhrzeit: Viertelnachacht. Der Sender: Die ARD. Das Programm: Tatort.

Nun gut, Schimi und Tanner, die ich als kleines Kind schon heiss und innig liebte sind längst Vergangenheit, aber im Grunde habe ich die neuzeitlichen wie-auch-immer-sie-heissen-Kommissare und -innen aus Köln, Bremen, Leipzig oder wo-auch-immer sie herkommen schon lange lieb gewonnen. Man entwickelt sich schliesslich auch weiter. Jedenfalls habe ich in dieser besagten Nacht beschlossen, MEINEM Tatort zu huldigen. Und dann sowas:

„Bienzle und die grosse Liebe“! Mehr als ein halb ungläubiges, halb entrüstetes „Häh?“ will mir dazu nicht einfallen. Nun, gut 24 Stunden später habe ich mich halbwegs gefasst, habe meine Tränen getrocknet, mein Entsetzen verdaut. Ich grüble: Vielleicht liegt es am Schwäbischen. Vielleicht habe ich es auch einfach nicht verstanden oder war nicht aufmerksam genug. Enttäuschung, Traurigkeit und Niedergeschlagenheit legen sich wie ein grauer Schleier auf meine Seele.

Aber was wird aus meinem Blog-Eintrag? In dieser Stimmung kann ich unmöglich einen Lobgesang auf (m)ein liebstes Stück deutschen Kulturgutes anstimmen! Verstört summe ich leise die Tatortmelodie vor mich hin und hoffe, dass der nächste Kommissar aus meiner kleinen Fernsehwelt wieder einen Hort der Glückseligkeit macht….