Mir scheint die Sonne aus dem Arsch

Es ist faszinierend wie selbstzufrieden man daher kommen kann, wenn man so ein Glückskind ist wie ich. Sogar die scheinbaren Banalitäten des Alltags bringen mich täglich aufs Neue zum Jauchzen.

Während sich ein Ottonormalnörgler morgens schlecht gelaunt aus seinem Bette pellt, wache ich lange vor dem Wecker auf, weil ich mich vor Freude auf den bevorstehenden Tag – dem ich mit einem hübsch dahin geturnten Sonnengruß huldige – kaum mehr in der Horizontalen halten kann.

Unter der eilig aufgesuchten Dusche (Was könnte es Schöneres geben als bereits am Morgen von einem warmen Sommergewitter eingelullt zu werden?) tiriliere ich fröhlich.  Und beim anschließenden Pflegefinetuning geht mir vor Glück fast das Herz über. Ich halte das Zähneputzen keinesfalls für ein notwendiges Übel sondern vielmehr für einen der endorphinösesten Momente des Tages. Nur noch vom Nagelschneiden zu toppen.

Nach der segensreichen Morgentoilette wird zum Frühstück geschwebt. Ein reich mit ausgewogenem Ernährungsmaterial gedeckten Frühstückstisch erwartet mich. Ich lese stets fröhlich pfeifend die Zeitung. Es versteht sich von selbst, dass ein relaxtes Frühstück und ein pünktliches Ausdemhausekommen in meiner Welt friedlich koexistieren können.

Ist das opulente Mahl vertilgt, tausche ich in aller Seelenruhe den seidenen Morgenmantel gegen eine duftende frischgebügelte Bluse und einen Rock in dem ich wirklich phantastisch aussehe. Ich muss sicher nicht erwähnen, dass sich dergleichen in allen passenden Formen und Farben und jederzeit blütenrein und aalglatt in meinem Schrank tummeln. Davon abgesehen sähe ich auch in Sackleinen wie eine Prinzessin aus.

Mit wenigen Handbewegungen trage ich gekonnt ein perfekt zu meinem Typ passendes Make-up auf. Das Haar sitzt natürlich hervorragend. Immer. Bad-Hair-Days kenne ich nur aus den Frauenzeitschriften, die bei meiner Lomi Lomi Masseurin im Wartezimmer liegen.

Frisch gestriegelt und gespornt kann der Arbeitstag beginnen. Ich schnappe mir noch schnell meine viel zu teure Handtasche und hole meinen Sportwagen – Cabriolet – aus der Tiefgarage. Wo ich bin, da scheint die Sonne – wie man das Verdeck schließt, weiß ich nicht.

Im Büro freuen sich schon alle auf mein Kommen. Auf meinem Tisch stehen täglich frische Blumen. Und irgendwer bringt mir immer einen frischen Latte macchiato und ein paar Pralinen von Neuhaus, Leonidas oder Godiva vorbei. Die Kollegen verbringen den Tag damit, abwechselnd mein jugendliches Aussehen, mein geschmackvolles Outfit und meine erstklassige Arbeit zu bewundern. Und an den Abenden kann ich mir aussuchen, in welches der besten Restaurants der Stadt ich mich einladen lassen möchte.

Darauf verzichte ich allerdings meistens. Weil mir abends vor lauter Sonne oft der Po weh tut.

Ein Textperiment: Die Versammlung

In der Zeit vom 18. bis zum 27. April ist im Stammelblog etwas Großartiges passiert: Wir haben ein Textperiment gewagt, das in dieser Form (und in dieser Gegend und mit diesen Beteiligten) ganz sicher einzigartig war. Das Ergebnis, auf das Ihr – me culpa, mea maxima culpa – lange warten musstet, kann sich sehen lassen. Ihr findet das gesammelte Stammelmanuskript (mit einer winzig kleinen redaktionellen Feinschleifung) im Anhang. Wer selbst noch etwas daran rumschrauben möchte, möge sich melden – ich habe es auch noch in Word.

An dieser Stelle möchte ich mich noch mal ganz herzlich bei alten Mitwirkern- und Mitwirkerinnen bedanken. Das war töfte.

Die lobzupreisenden Mitschreiberlinge in alphabetischer Reihenfolge:

Ami
BirrGarten
elbe_
Enno

Faustus
Huck
Karen
Lea

Leselöwin

Liisa

mai_kaefer
NiWo

Ramses101

Rike
Sanne
Stiller

Sue
Tapio Liller
Volker H. Davids

Gerne verlinke ich auch noch die Namen der bisher Unverlinkten. Dazu müsstet Ihr mir nur kurz sagen, wohin die Reise gehen soll!

Hier nun also das corpus scribendi (Ich habe den Kontakt zu meinem Lateinlehrer schon lange abgebrochen…):

Ein Textperiment

Kleines Wasserspiel

Wenn der Regen sich seinen Weg aus der Wolke über das Dach hinweg an der Hauswand entlang durch das Kiesbett am Blumenbeet vorbei die Treppe hinunter unter der Hecke hindurch bis tief hinunter zu den Wurzelspitzen bahnt, dann ist es besser, einen Regenschirm dabei zu haben.

Verdrossenes

Jetzt muss ich wohl langsam zugeben, dass ich in den letzten Wochen einen großen Bogen um mein Blog gemacht habe. Ich hoffte ja, ich könnte mit einem Tweet hier und einem da über meine Nachlässigkeit hinwegtäuschen. Aber da habe ich die Rechnung natürlich ohne Sie gemacht. Natürlich haben Sie gleich gemerkt, dass ich mich aus der Hintertür fortgestohlen habe. Ihnen kann man aber auch wirklich kein X für ein U vormachen.

Und da Sie mich nun entlarvt haben, bleibt mir wohl nichts anderes, als mein Versäumnis kleinlaut einzugestehen. Und ich muss Ihnen sagen, dass es mir fast ein wenig peinlich ist, was ich Ihnen nun mitteilen muss. Das vorne herum süße kleine beschauliche Blöglein ist mir mit seiner aufdringlichen forderndern Haltung ganz gehörig auf den Keks gegangen. Jawohl. Seiner überdrüssig war ich, jedenfalls hin und wieder. Es schien mir wie ein kleiner nimmersatter Vogel, der nach der Fütterung noch viel lauter schrie als vorher. Nach dem Blogpost ist vor dem Blogpost.

Nicht mit mir! Auf gar keinen Fall. Dachte ich mir. Und beschloss, das Blog für eine Weile links liegen zu lassen. Bis es aufhört, mich mit seinen Forderungen zu bombadieren und endlich Ruhe gibt.

Heute morgen dann, bin ich doch mal vorbei gegangen, um nach dem Rechten zu schauen. Und da fand ich es ganz kleinlaut und zurückhaltend und gleichzeitig hocherfreut, mich nach langer Zeit wieder zu sehen. Da musste ich lächeln.

Landesverrat

Oder: Was aus mir geworden wäre, wenn das aus mir geworden wäre, was eigentlich aus mir hätte werden sollen und nicht das, was stattdessen aus mir geworden ist

Wenn man wie ich auf dem Land groß wird, dann träumt man möglicherweise (und wenn man einigermaßen beieinander ist, also geistig betrachtet) von nichts anderem als davon, dieses Land irgendwann hinter sich zu lassen. Und zwar ganz bald und ganz weit hinter sich.

Das Landleben engt ein. Insbesondere dann, wenn es kein echtes Landleben ist. Dann könnte man wenigstens noch Mist machen. Also in echt, nicht bildlich gesprochen! Man könnte mit den Rindern „blinde Kuh“ spielen und mit den Ferkeln so richtig rumsauen. So ein Land ist mein Land nicht. Das Land von dem ich spreche ist mehr so was wie Mentalitätsland, Gesinnungsland – intellektuelles Ödland. [Wichtige Anmerkung: Natürlich gibt es dort auch Landwirte, aber die sind mehr für die Quote da. Frauen suchen sie übrigens meines Wissens auch nicht. Nicht mal das.]

Dieses Land hat das Potential, einem ganz gehörig auf den Sack zu gehen und zwar unabhängig davon ob man biologisch dazu ermächtigt wurde oder nicht. Spätestens mit fünf platzt der Geduldsfaden. Zu diesem Zeitpunkt gibt es dummerweise noch keinen Ausweg. Deswegen befinden sich die meisten 5- bis 15-jährigen Ländler auch in psychologischer Behandlung. Oder sie haben eine Spielkonsole. Wir hatten damals noch keine Psychologen und keine Konsolen. Wir haben den Nachbarn Container bestellt.

Wenn man dann groß ist – auf dem Land wird man früh groß, auch wenn man noch ganz klein ist -, dann hat man eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten. Man kopuliert mit Gleichgesinnten  (und Verwandten) und zeugt frische Landeiner. Davor, danach und währendessen lässt man sich zur Fleischerei-, Bäckerei- und Blümereifachverkäuferin ausbilden. Und hält Mode aus dem Bla-Bla für Haute Couture.

Oder man geht und macht die Tür hinter sich zu. Und wenn man an diesem Tag wirklich allerbester Stimmung ist, dann sagt man – wenn es hochkommt – höchstens noch „Tschüss.“ Und wird in der großen, schönen Stadt Erotikspielzeugfachverkäuferin. Und hält das vielleicht für die ganz große Karriere.

Mugs & Moritz: Aus und vorbei.

Manch einer wird 30 Tassen später denken, ich hätte von selbigen nicht alle im Schrank. Da mag durchaus was dran sein. Das schaurig Schöne daran ist: mit diesem Gebrechen bin ich nicht allein.

Das Phänomen des Nichtalletassenimschrankhabens in deutschen und ausländischen Haushalten weiter verbreitet, als zunächst gerne lapidar angenommen wird. Da die Leere oft erst als solche erkannt wird, wenn sie eingetreten ist, herrscht bis zum heutigen Tage völlige Unklarheit darüber, ob das Verschwinden der Meute schlagartig eintritt, oder ob es sich um einen schleichenden Verschwindungsprozess handelt. Hinzu kommt: die mysteriösen Inluftauflösungen der Schrankbelegschaft können jedermann jederzeit empfindlich ins Mark treffen.

Über die Hintergründe wird schon seit einiger Zeit aufs heftigste spekuliert.

Ein Erklärungsansatz der dieser Tage so richtig en vogue ist besagt, dass es sich um eine dieser modischen (Epi-, Pan-, Aka-)Demien handeln könne. Das ist natürlich völliger Unsinn. Denn wie man aus gut unterrichteten Kreisen weiß, sind alle Demien derzeit im tagfüllenden Maße mit der großräumigen Landverschickung von ringelschwänzigen, sombrerotragenden, hustenden Paarhufern beschäftigt. Dieser Ansatz scheidet also aus.

Die Polizei, die im einen oder anderen Fall bereits hinzu gezogen wurde erwies sich bisher auch als gänzlich schimmerlos. Immerhin kann sie in den meisten Fällen jedoch auf Grund der Indizienlage ein Gewaltverbrechen – wie etwa ein Cupnapping – ausschließen.

Im Land herrschen Angst und Übermüdung. In ihrer Not lutschen bereits die ersten ihre  Kaffeepads, andere inhalieren das Kaffeepulver durch die Nase. Wo zum Teufel sind die Tassen?

Wer in den letzten 30 Tagen hier und dort aufgepasst hat, der kennt die Anwort schon längst. Den Tassen geht es gut und sie waren die ganze Zeit in den besten Händen. Man hat ihnen die Chance ihres Lebens geboten und sie haben danach gegriffen. Ein einziges Mal konnten sie ganz allein im Mittelpunkt von vielen schönen Bildern und kleinen Geschichten stehen. Liebe Frau Elise, ich denke, man kann sagen, dass Du mit Deiner Idee viele Tassen sehr sehr glücklich gemacht hast!

Nachtrag: Liebe Luise Häberle. Ich habe gerade einen Anruf bekommen: Der Polterabend wurde abgesagt, da die Braut mit einem Whiskeyglas durchgebrannt ist. Ihren Tassen geht es gut. Sie haben sich kurzerhand entschlossen auf einen Milchkaffee in die nächste Eisdiele zu gehen. Sie haben mich gebeten, Ihnen auszurichten, dass sie sich heute Abend wieder im Schrank einfinden werden..

Mugs & Moritz: Teil XXX (<– Geschafft!)

TassenlosDa ich mich seit einiger Zeit mit der Psyche von Tassen auseinandersetze, erreichte mich vor ein paar Tagen ein Hilferuf aus einem Neu-Ulmer Haushalt. Auch dort waren alle Tassen spurlos verschwunden und die Polizei zeigte sich wie immer in diesen Fällen völlig ratlos. Die Hilferufenden schickten mir ein Foto, das ich einer sehr genauen Analyse unterzog.

Ich stellte zunächst fest, dass neben den Tassen auch nur verhältnismäßig wenige Teller im Schrank verblieben waren. Zudem schienen auch die Sektgläser ausgeflogen zu sein. Eine Nachricht hatte keiner der Abwesenden hinterlassen – die Rückkehr war demnach geplant.

Das nächste, was mir auffiel, waren eine Menge hübsch in bunte Tüten verpackte Dinge – Geschenke, wie ich annehme. Und dann entdeckte ich etwas, das wie Reis aussah. Darüber zwei randvoll gefüllte Salatschüsseln, irgendwie erinnerte mich das an Catering. Dann im oberen Regal feinstes Tuch und auf dem Schrank drei bereits wartende Topfkutschen. Und waren das in der Tür links nicht zwei winzigkleine Ringe? Plötzlich erschauderte ich, denn ich begann zu begreifen. Im Geschirrschrank stand eine Hochzeit bevor.

Schockiert griff ich zum Telefonhörer und wählte eine Neu-Ulmer Nummer. Als sich am anderen Ende der Leitung eine Stimme meldete, schluckte ich kurz und sagte dann traurig: „Ich weiss jetzt, wo Ihre Tassen sind. Sie sind zusammen mit ein paar Tellern und den Sektgläsern zum Polterabend gegangen.“

Bei diesem wundervollen Foto handelt es sich um eine Leihgabe der allerbesten Luise Häberle.

Zur Übersicht der Tassengeschichten.

Mugs & Moritz: Teil XXIX

sammeltasseDie vorletzte Tassengeschichte widme ich der ältesten Bewohnerin des Tassenschrankes. Sie hat mich schon mein ganzes Leben lang begleitet.

Sie war schon immer eine besondere Tasse, eine echte Dame. Sie war viel hübscher dekoriert als die anderen und aus viel dünnerem Porzellan. Niemand wäre je auf die Idee gekommen, sie getrennt von ihrer bunt verzierten Untertasse auf irgend einen Tisch zu stellen. Und überhaupt wurde sie eigentlich mehr angeschaut als leer getrunken. Und um das etwas einfacher zu machen stand sie – zusammen mit den anderen, die genau so wie sie irgendwie „anders“ waren – die meiste Zeit in einem beleuchteten Vitrinenschrank.

In regelmäßigen Abständen holte man sie und die anderen Porzellanprinzessinnen aus dem Vitrinenschrank. Das waren die Wellnesstage, wobei das damals noch irgendwie anders hieß. An diesen Tagen wurde eine nach der anderen zunächst in warmen, duftenden Wasser gebadet, dabei sanft massiert und schließlich mit feinstem Tuch wieder abgetrocknet. Die Tassen genossen die Prozedur sichtlich und strahlten danach vom Rand bis zum Unterteller.

Die Tassen aus dem Vitrinenschrank lernten früh, dass sie sich von den gewöhnlichen Tassen unterschieden. Immer wieder drückten ältere Damen ihre Nasen an die Vitrinentür und hin und wieder schnappten die Tassen Gesprächsfetzen auf. „Bezaubernde Sammeltassen sind das…“ „Ach. Was für schöne Sammeltassen Sie haben….“ Die Gespräche vor der Vitrine klangen immer gleich und das Wort „Sammeltasse“ kam in jedem dieser Gespräche vor.

Genau wie die anderem Damen im Schrank verstand auch unsere Tasse nichts davon, was es mit dem Wort „Sammeltasse“ auf sich hatte. Aber sie hatte das Gefühl, dass die Scheibendamen mit diesem Wort eine gewisse Erwartungshaltung an die Schrankbewohner zum Ausdruck brachten. Und da sie ohnehin selten etwas besseres zu tun hatte als im Schrank zu stehen, beschloss die Tasse, sich ihren Namen zu verdienen und die beste Sammeltasse des ganzen Schrankes zu werden.

Natürlich ist man, was das Sammeln betrifft, einigermaßen eingeschränkt wenn man als Tasse geboren wurde. Briefmarken, Münzen, Puppen und sonstiger Tinnef, als all das, was sonst so gesammelt wurde, fiel für die Sammeltasse als Sammelobjekt leider aus. Im Vitrinenschrank war für so etwas schlicht kein Platz! Also fing die Tasse an, etwas zu sammeln, das keinen Platz und nur wenig Pflege braucht.

Zunächst sammelte sie die Blicke der älteren Damen, die sie durch das Glas der Vitrine betrachteten. Dann sammelte sie die Koordinaten der verschiedenen Positionen, die sie im Schrank hatte – denn nach jedem Wellnessausflug änderten sich diese ein bisschen. Als sie merkte, dass die anderen Sammeltassen nach und nach verschwanden, begann sie voller Eifer die Augenblicke zu sammeln, die sie mit ihnen verbracht hatte, damit sie nicht in Vergessenheit gerieten.

Der Vitrinenschrank und die reizenden älteren Damen davor verschwanden. Ein neuer Schrank ohne Aussicht wurde ihr Zuhause. Dort war sie dann auch nicht mehr von vornehmen Sammeltassen sondern von allem möglichen Geschirr umgeben. Doch auch hier hörte sie nicht auf zu sammeln. Tassen kamen und gingen, die Sammeltasse sammelte die Erinnerungen an jede einzelne von ihnen. Außerdem sammelte sie auch die Erinnerungen an die immer seltener werdenden Ausflüge auf den Kaffeetisch, der zu solchen besonderen Anlässen immer üppig eingedeckt und voller sammelbarer Eindrücke war.

Natürlich wurde die Tasse auf ihrer langen Reise, die sie durch zahlreiche Schränke über zahlreiche Tische und durch noch viel zahlreichere Hände führte immer auch ein bisschen älter und zerbrechlicher. Irgendwann wollte man ihr die Strapazen der gelegentlichen Kaffeekränzchen nicht mehr zumuten. Und so bekam sie in einem besonders hübschen und ruhigen Eckchen des Schrankes einen Ehrenplatz, an dem sie heute noch steht. Und um sie herum stehen kleine und große Tassen, Gläser, Teller, Schüsseln und Becher und freuen sich darüber, die vielen Geschichten zu hören, die die gute alte Sammeltasse während ihres langen Lebens gesammelt hat.

Zur Übersicht der Tassengeschichten.

Mugs & Moritz: Teil XXVIII

DurchdachtHeute möchte ich dem neuesten Neuzugang in meinem Tassenschrank huldigen, der Leehrtasse. Die Gute wohnt seit Sonntag bei mir und hat sich bereits bestens im neuen Umfeld eingelebt.

Schon vor einiger Zeit hatte mich der Verdacht beschlichen, dass es in meinem Schränken mit der Bildung nicht so weit her ist. Eine eigens für Geschirr entwickelte PISA-Studie, die ich heimlich in allen betroffenen Schränken durchführen liess, bestätigte meinen grausamen Verdacht. Insbesondere bei meinen Tassen ist die Bildungslage katastrophal!

Nicht eine meiner Tassen spricht mehr als eine Sprache, manche von ihnen bekommen nicht mal das fehlerlos hin. Auch mathematisch betrachtet sind meine Tassen Nieten. Die meisten von ihnen beherrschen so eben gerade die Grundrechenarten. Und gerade die (vielen) alleinstehenden Tassen haben schon eklatante Defizite wenn es nur darum geht, eins und eins zusammen zählen.

Biologie, Chemie, Physik? Fehlanzeige. Politik und Geschichte? Nie davon gehört! Kurz: der Tassenschrank ist ein intellektuelles Wüstengebiet, ein Bildungs-Nirwana, ein geistiges Vakuum.

Mit dem Einzug der Leehrtasse soll sich das nun massgeblich ändern. Denn sie hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Tassen im Schrank das Denken – in Theorie und Praxis – beizubringen. Dummerweise zwingt ein nicht unwesentlicher Konstruktionsfehler die Leehrtasse dazu, den Unterricht im Kopfstand abzuhalten – jedenfalls in den Anfängerkursen,  in dem man es mit dem Mitdenken noch nicht so hat.

Aber die Leehrtasse ist und bleibt eine Idealistin, auch wenn sie für ihre Berufung sogar einstweilen ihre Bestimmung aufgeben muss. Es wäre doch gelacht, wenn sie diese durchweg trüben Tassen nicht intellektuell so aufpolieren könnte, dass sie weit über die Grenzen des Schrankes glänzen! Und wenn sie das erstmal geschafft hat, kann sie sich ja immer noch auf das reine Tassendasein zurück besinnen.

Tassen mit mehr Niveau, finden Sie hier.

Erfunden wurde die Leehrtasse (damals hiess sie allerdings nur „Tasse“) übrigens von Herrn Vince Ebert, dessen interessantem Auftritt in München ich am vergangenen Sonntag beigewohnt habe. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich möglicherweise an einem anderen Tag in einem anderen Zusammenhang anderen Lesern erzählen werde.

Zur Übersicht der Tassengeschichten.