Träume und Eiskonfekt

Gestern war ich mit dem Sonnenschein in Inception, das ist dieser Film mit Leonardo di Caprio (der seit The Basketball Diaries eigentlich nach und nach aufhörte, schön zu sein) der in Träumen in Träumen in Träumen spielt. Das Ganze war ein wenig verwirrend, aber ich habe die meiste Zeit ob dieser Verwirrung schallend in mich hinein gelacht. Ich fand den Film nämlich ganz herrlich, fast wie Karussel fahren, nur dass es dem Magen nachher immer noch gut ging. Mei ging‘s da rund!

Klar, dass wir vorher an der bunten Snackbar zahlreiche Dinge gekauft haben, an die man überhaupt nur im Kino denkt. Eben wie an Tomatensaft im Flugzeug. Nur auf Kino gemünzt. Für mich gab es jedenfalls Eiskonfekt. (Ich glaube übrigens nicht, dass so etwas jemals von Menschen außerhalb von Kinos gegessen wurde). Und gemeinsam mit meinem Eiskonfekt genoss ich den lustigen Film noch viel mehr.

Drei Stunden später war der Spaß vorbei. Noch beim Verlassen des Kinos musste ich immer noch in mich hinein kichern. Ich bin davon überzeugt, dass die Macher dieses Films irgendwas Lustiges genommen hatten. Aber mir war das wurscht, denn ich fühlte mich wirklich blendend unterhalten. Und ganz nebenbei hatte ich meine vormals strahlend weiße Bluse von oben bis unten mit Eiskonfektschokolade vollgeschmiert.

Sag mir wie Du heißt und ich sag Dir, ob ich Dich lesen werde

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber bei mir liest beim Lesen auch immer das Auge ein Stück weit mit. Und das Hirn, sofern wach und pflichtbewusst, hirnt – ganz Ästhet- gleichsam vor sich hin. Und weil die beiden sich in manchem Moment so außerordentlich gut verstehen, finden sich in meinem eher prall gefüllten Bücherregal zahlreiche Werke, die ich einzig, allein und ausschließlich wegen ihres außergewöhnlichen Titels gekauft habe. Interessanterweise lag ich mit meinem seltsamen Auswahlverfahren in den allermeisten Fällen für mich goldrichtig. Und selbst wenn der Kauf dieser Bücher mit bedeutungsschwangeren oder bedeutungsentbundenen Titeln am Ende nur dem Zwecke hätte dienen können, sie hier und an dieser Stelle unter Schmunzeln vorzuführen, dann wäre das für sich genommen auch schon mal reichlich dufte gewesen.

Hier also meine all-time-Title-Favs. Die Sternchen zeigen Euch, wie hervorragend Auge und Hirn für mich ausgewählt haben.

Und was habt Ihr dem hinzuzufügen?

Zurück in Zuhausistan

„Zurück in Zuhausistan“ ist im Juni 2010 zuerst im stijlroyal Heimatmagazin erschienen, für das ich die Geschichte auch ursprünglich geschrieben hatte.

Wohntechnisch sind die ersten 18 eine einzige Aneinanderreihung von Kindergeburtstagen. So lange man die Füße unter den elterlichen Tisch stellt, muss man zwar nach der elterlichen Pfeife tanzen, man muss sich aber wenigstens nicht noch um die Beschaffung und Platzierung des besagten Möbelstückes kümmern. Kurz: Im Zuhausistan herrscht derjenige, der per definitionem dafür zuständig ist: Die Mamas und die Papas. Und etwaige andere Diktatoren.

Irgendwann ist der Spaß dann vorbei. Von einem Tag auf den anderen wird einem der  Koffer vor die Tür gestellt. Vertreibung aus dem Paradies. In die Arme der Schlange. Vielleicht mit ein bisschen treiben lassen. Vorbei ist es mit Toast Hawaii und gebügelten Handtüchern. Vorbei ist es mit Vorschriften und Regeln und dem Tisch, unter dem schon lange nicht mehr genügend Platz für all die Füße ist. Das ist  Emanzipation. Erwachsenwerden. Das große Tschüß. Mit Fanfaren und Knabenchor. Weiterlesen

Namen schallen und rauchen

Melanie, das ist mein Name. Und so lautet er bereits seit vielen, vielen Jahren. Schon als ich noch ganz klein war und ihn weder richtig aufsagen noch auch nur in Ansätzen schreiben konnte, war Melanie der Name, den man mir an höherer Stelle zugedacht hatte. Wenn man bedenkt, dass sonst noch Ursula oder Silke zur Auswahl gestanden hatten, sollte man es wohl dabei belassen nur ganz leise darüber zu klagen einer fiesen Modeerscheinung zum Opfer gefallen zu sein. Es hätte wirklich deutlich schlimmer kommen können. Ingeborg und Jacqueline wissen vermutlich, wovon ich rede. Weiterlesen

Der Mai, der ein November sein wollte

„Wer maßt sich eigentlich an mir vorschreiben zu dürfen, dass immer ich für schönes Wetter und all den Quatsch zur sorgen habe?“

Sonnenschein, Blümelein, Vogelzwitschern – dem Mai war das Gute-Laune-Frühlingsidyll schon längst viel zu langweilig geworden. Er hatte es schlicht und einfach satt, immer nur Wonne und Glückseligkeit stiften zu dürfen, zumal er tief in seinem Herzen ein echter Rocker war, der es lieber mal ordentlich krachen lassen wollte. Dieses Weichspülerleben, das war nichts für ihn. Noch nie. Weiterlesen

Die Heldin vom Küchentresen

Sie hatte es satt. Jeden Morgen dasselbe Spiel. Ein Knochenjob und so ganz ohne jeden Anspruch. Sie war Mittel zum Zweck, Handlangerin – das unterste Glied in einer langen Befehlskette. Und das schon seit unzählbar vielen Jahren, die sich zu einer überdimensionalen Lakritzschnecke aufrollen ließen, könnte man Jahre nur aufrollen.

Sie machte ihre Sache gut, verdammt gut sogar. Jedes Detail war perfekt abgestimmt, jeder Handgriff saß. Immer. Es war ein von Anfang bis Ende klarer, sauberer und bis ins μ fein geschliffener Prozess, den sie im Schlaf hätte herbeten können. Eine theoretische Erwägung, denn seit um sie herum die Sorgen zunahmen hatten auch der Schlaf und sie sich voneinander entfremdet. Weiterlesen

Von einer die auszog, den Winter das Fürchten zu lehren

Ich kann keinen Schnee mehr sehen. Keinen Pulverschnee. Keinen Feuchtschnee. Keinen Sulz. Und schon gar keinen Schneematsch.

Winter, Du alte Schneeschleuder, Du verlangst einem wirklich einiges ab. Ich meine – von mir aus kannst Du Dich gerne von Mitte November bis Mitte Februar in unseren Gefilden herumtreiben und dort wirklich alles geben. Aber irgendwann ist Schluss mit lustig. Und zwar spätestens jetzt. Wo kämen wir denn hin, wenn hier jeder machen würde, was er will?

Du kannst einpacken, Väterchen Frost. Und Deinen Schnee nehmen. Und Deinen kalten Wind. Die fiesen Salzringe auf den Schuhen. Den verdammten Split, der bei jedem Schritt unter den Füßen knarrt und mit dem man wenn man nicht aufpasst oder von Natur aus bösartig ist noch jeden Parkettboden ruiniert hat. Und diese verdammten Dreckpfützen, die man überall hinterlässt. Weiterlesen

So schön kann doch kein Mannsein

Penisneid? Ich? Mitnichten. Ehrlich. Ein Mann zu sein, das käme für mich nicht in Frage.

Was ist denn das für ein Leben, in dem man Morgen für Morgen darauf warten muss, dass sich das Blut wieder gleichmäßig im Körper verteilt, damit die Hirnleistung zur Betätigung der Kaffeemaschine ausreicht? Ich will meinen Kaffee, wann ich ihn will. Nicht wann mein Körper es mir erlaubt.

Zugegeben – die allmorgendliche Klamottenfrage ist im Mannsein deutlich einfacher zu lösen. Unterhose – Socken – Hose – Hemd – Krawatte – Sakko – Schuhe – fertig. An verspielten Tagen kommen noch Gürtel und Armbanduhr dazu. Aber was ist der Preis für diesen Simplicissimus? Ein schnödes Leben, in dem man sich nicht für Klatsch und Tratsch, nicht für Promis und nicht für „bei Königs“ interessiert. Und in dem es ausschließlich praktische, niemals aber betörende Schuhe gibt. Und nicht eine einzige Handtasche! Nicht eine!!! Nicht mal eine winzige Clutch. Weiterlesen

Aus Mangel an Mängeln

Ich halte aus Prinzip nichts (aber auch gar nichts) von den literarischen Gehversuchen diverser VIVA/MTV-Moderatorinnen. Die sollen brav ihre Sendungen moderieren und ansonsten lieber ganz gepflegt den Mund halten. Wo kämen wir denn hin, wenn jede daher gelaufene V-Jane nun anfinge, ihr spätpubertäres Gesabbel zur Kunstform zu erheben? Und wieso machen die Verlage das mit? Und wieso bitte merken die Menschen das nicht und kaufen diesen Schund auch noch? Ein Platz in der Spiegel-Bestsellerliste? Hallo? Ist da jemand zuhause?

Ich liebe meine Vorurteile und deshalb pflege ich sie auch so gut ich kann. Gut ist, dass es sich nicht im eigentlichen Sinne um Voruteile handelt. Es sind Tatsachen, die sich mir eben schneller zu erkennen geben als anderen. Musikkanalmoderatorinnen können keine Bücher schreiben und damit basta, fertig aus, Micky Mouse.

Was weiß denn ich wie dieses Buch auf einmal in mein Regal gekommen ist? Jemand muss es mir heimlich und von mir unbemerkt untergejubelt haben, als ich gerade in einen Klassiker der Weltliteratur vertieft war. Da Bücher nun mal zum Lesen da sind und da sie überdies bei schlechtem Wetter eine fantastische Alternative zu ausgedehnten Regenspaziergängen darstellen habe ich das Machwerk eben in die Hand genommen, wo es nun schon mal da stand und mich anstarrte. Und das „Mängelexemplar“ würde seinem Namen alle Ehre machen, davon war ich überzeugt. Wäre doch gelacht wenn ich nicht binnen kürzester Zeit eine Bestätigung für meine Vorurteile fände!

Einen Tag, 262 Seiten, ein paar Tränen und ein paar Lacher später habe ich die Suche aufgegeben. Das Buch steht längst wieder zugeklappt im Regal – auf einem Ehrenplatz. Und über die Sache mit meinen Vorurteilen gegenüber VIVA-Moderatorinnen muss ich noch mal nachdenken. Jedenfalls im Falle Sarah Kuttner. Vielleicht war sie einfach nur jung und brauchte das Geld….