Das große Einreihen

Schlange-stehenMünchen ist ein spezielles Pflaster: Es gibt hier an allen Ecken und Enden ein riesiges Angebot-Nachfrage-Problem. Für eine (überteuerte) Wohnung, steht man Schlange, weist ein fünfstelliges (für zwei Tage zusammengeliehenes) Sparguthaben nach und schreibt zur Not eine Belohnung aus. Eine Wohnung, bei der man nicht mindestens 50 Mitbewerber hat und für die man weder Provision noch hanebüchene Ablösen zahlen muss, hat ganz sicher einen anderen Haken, denn so etwas gibt es hier eigentlich nicht. Doch beim Wohnen hört der Wahnsinn natürlich nicht auf. Richtig lustig wird es hier, wenn man einen auf Familie machen will. Denn kaum ist der Schwangerschaftstest positiv, geht der Wahnsinn so richtig los:

Zur Entbindung muss man sich – zumindest in der angeblich besten Entbindungsklinik der Stadt* (und mal ehrlich, wer würde wenn er keine Ahnung hat, DAFÜR in die zweitbeste Klinik wollen?) – spätestens in der 8. Schwangerschaftswoche anmelden.

Natürlich wachsen auch die Hebammen hier nicht an den Bäumen und es versteht sich von selbst, dass die guten Geburtsvorbereitungskurse zum passenden Zeitpunkt schon ausgebucht sind. (Das gilt übrigens ebenso für die Rückbildung und die diversen Eltern-Kind-Progrämmchen.)

Hat man es dann schließlich dennoch in den Kreissaal und in Begleitung wieder hinaus geschafft, ist es eigentlich für alles weitere schon zu spät.

Nun kann man entweder resignieren oder sich noch vom Wochenbett aus auf die Suche nach einem Kinderarzt begeben, der noch Patienten annimmt. Das bedeutet: so viele Klinken wie möglich blitzeblank zu putzen. Dass Privatpatienten auch von Kinderärzten bevorzugt werden, ist natürlich kein Gerücht.

Für einen Krippenplatz Krippenwartelistenplatz Krippenwartelistenanwartschaftsplatz, den man sich natürlich schon kurz vor der Planung des „ersten Mals“ sichern sollte, prostituiert man sich hier „freiwillig“ auf jede erdenkliche Art und Weise: Kuchen backen, Weihnachtskarten schreiben, das Beet umgraben, der Krippenleitung zur neue Frisur gratulieren, großzügige Spenden auf Schweizer Nummernkonten schicken, etc.

Und wie es einem bei der Suche nach einem Babysitter hier ergeht, habe ich mir ja bereits von der Seele geschrieben.

Ein neues Leben in diese Stadt einzuführen gestaltet sich wirklich sehr schwierig. Und das waren ja erst die ersten zwölf Monate. Beim Gedanken daran, wie das noch weiter gehen wird, legt sich meine Stirn in tiefe Falten. Ob es schlau wäre, den kleinen Herrn schon bald auf einer der Wartelisten für die städtischen Altersheime zu platzieren?

* Meine innere Stimme zwingt mich, mich an dieser Stelle laut zu räuspern.

Baby(un)sitter

Tassenfahrt

bern_grandprix_20133Wir hatten die Wahnsinnsidee, rund neun Monate nach der Geburt unseres kleinen Herrn, mal einen Abend zu zweit zu verbringen – Bruce Springsteen sollte dabei sein, live im Olympiastadion. Da wir nun beide Zuagroaste sind, verfügen wir vor Ort nicht über Sippe, die sich spontan herbei bestellen ließe. Unsere Freunde wollten wir damit nicht behelligen, also dachten wir uns: „Ein Babysitter muss her!“ Babysitter sind eine tolle Sache, dachten wir uns und wenn man ein mal eine vertrauenswürdige und umgängliche Betreuungsperson gefunden hätte, könnte man ja sogar öfter als einmal alle neun Monate mal wieder ein bisschen Zweisamkeit genießen. So der Plan! Aber wie kommt man an einen Babysitter?

Der kleine Herr ist seit seinem 7. Lebensmonat in der Krippe und so dachten wir uns, dass man uns dort vielleicht jemanden empfehlen könne. Konnte man auch. Aus (verständlichem) Prinzip werden zwar keine Betreuerinnen aus der Krippe selbst vermittelt (was natürlich sehr praktisch wäre), aber in Erzieherinnen- und Kinderpflegerinnenkreisen kennt man sich ja und so hatten wir schnell die Nummer einer Kinderpflegerin in der Hand, die wir auch stante pede anriefen. Klang alles super und es wurde ein Kennenlerntermin an einem Freitagnachmittag um 17:30 Uhr vereinbart. Um 17:30 Uhr schickte die Dame eine SMS, dass sie doch nicht kommen könne. Wir könnten ihr aber schon mal die gewünschten Sitting-Termine durchgeben (sage und schreibe zwei Abende!), an denen sie dann aber sowieso nicht konnte. Aber wir dürften uns gerne wieder melden. Schönen Dank!

Der nächste Versuch war eine Empfehlung aus dem Freundeskreis, ein junger Mann, selbst Kinderpfleger von Beruf. Da wir zwei Wochen vor dem Springsteen-Konzert noch eine Geburtstagseinladung hatten, hielten wir das für einen guten Testballon und fragten den jungen Mann vorher, ob er an dem Abend denn frei habe. Er habe, sagte er. Also vereinbarten wir den obligatorischen Kennenlerntermin, zu dem er auch pünktlich erschien. Leider  stellte sich heraus, dass er bisher wenig Erfahrung mit so kleinen Babys hatte (und man merkte ihm den Respekt vor der Herausforderung an) und irgendwie konnten wir uns den netten jungen Herrn auch nicht so richtig im Umgang mit dem kleinen Herrn vorstellen. Jedenfalls nicht solange er ein so kleiner, kleiner Herr ist. Schade, aber wieder nix.

Da das Hörensagen-Freundes-und-Bekanntenkreis-Empfehlen nicht so richtig fruchten wollte, entschlossen wir uns also, uns des Themas „professionell“ anzunehmen und unser Glück auf babysitter.de zu suchen. Man bezahlt hier ein bisschen was, bekommt aber durchaus auch eine ganze Menge Resonanz und im Großen und Ganzen war niemand dabei, der/die auf den ersten Blick gar nicht gegangen wäre. Da der kleine Herr eben noch sehr klein und aus diesem und jenem Grund auch irgendwie „speziell“ ist, suchten wir uns zwei Bewerberinnen aus, die sowohl über eine passende Ausbildung als auch über entsprechende Erfahrung verfügten. Nummer eins meldete sich auf unsere Interessenbekundung nicht mehr (- nein, ich habe ihr nichts unflätiges geschrieben -), Nummer zwei zeigte sich sehr erfreut und wir vereinbarten auch gleich den Kennenlerntermin. Den sie am Vorabend des vereinbarten Tages wegen Krippe (sic!) absagen musste. Sie wollte sich aber nach ihrer Gesundung wieder melden. Bisher haben wir nichts mehr von ihr gehört.

Es vergingen wieder ein paar Tage, der Tag des Konzertes rückte näher und wir hatten bereits mit Bruce abgeschlossen. Da kam über babysitter.de eine neue, sehr interessant und nett klingende Bewerbung rein und wir schöpften wieder Hoffnung. Die Bewerberin gibt an, am Sonntagabend Zeit zu haben. Der Kennenlerntermin dann am vergangenen Freitag: Ich öffne die Tür und denke – „ja“. Die junge Dame ist studierte Sozialpädagogin, sittet schon seit mehreren Jahren Babys (auch kleine) und Luis und ich finden sie gleich dufte. Und sie sagt erneut, dass sie Sonntag noch nichts vor hat! BOSS, ICH KOMME! Ich gebe ihr gleich grünes Licht und frage sie, ob sie sich das mit uns auch vorstellen könne. Sie bejaht. Wir vereinbaren aber, am nächsten Tag noch mal zu telefonieren, wenn wir alle noch mal eine Nacht darüber geschlafen haben. Ich muss darüber nicht schlafen und der Mann traut meinem Urteil, aber ich willige ein. Samstagmittag lasse ich sie per SMS wissen, dass wir uns freuen würden, wenn sie sich um Luis kümmern würde. Guess what? Sie schreibt zurück, dass es zwar alles sehr gut klang, sie aber Sonntag nun doch nicht schaffen würde. Wtf?

Das Ende vom Lied: Der Mann ist alleine (mit Freunden) beim Konzert und ich bin zweisam mit dem kleinen Herrn, was für sich genommen zwar nicht schlecht ist, aber irgendwie nicht so ganz dem eigentlich Plan entsprach. Zudem bin ich enorm frustriert über die Münchner Babysitter, die in meiner kleinen Empirie allesamt sprunghaft und unzuverlässig sind. Wie sind denn Eure Erfahrungen?

Babybilder, die göttlicher nicht sein könnten

DSC_2806bDie ersten „richtigen“ Fotos vom Baby (und dem Rest der Familie), die nicht eilig mit der Handykamera oder vom hobbyfotografierenden Vater gemacht wurden – für mich war das ein echter Meilenstein! Denn zumeist sind es diese Fotos, die man verwendet, um dem Rest der Welt das kleine, große Glück zu präsentieren. Man nutzt sie für Geburtsanzeigen, Weihnachtskarten (wenn zufällig gerade Weihnachten ist) und für die wunderbare Erfindung Fotobuch.

Nun gibt es in Städten wie München mindestens so viele Fotografen wie Apotheken. Und davon gibt es wirklich eine Menge hier. Wie man da unter normalen Umständen jemanden finden soll, dem man sein Baby für dieses wichtige Shooting anvertrauen möchte, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Vor allem weil ein Baby im Allgemeinen nicht einfach so mitspielt, nur weil man ein paar hübsche Fotos von ihm machen möchte.

Zum Glück musste ich weder die gelben Seiten noch Google bemühen, um die Fotografin meines Vertrauens zu finden. Denn ich wusste, wen ich fragen würde, noch bevor ich wusste, dass ich schwanger bin: Anette Göttlicher von göttlicher fotografieren.

Anette Göttlicher - Foto 1

logo_goettlicherfotografieren

Ich weiß nicht, welches ihrer vielen Talente wohl am weitesten ausgeprägt ist, denn eigentlich ist Anette Schriftstellerin (!), aber in die von ihr geschossenen Kinderfotos bin ich schon seit langem verliebt und ich freue mich jedes Mal wie ein Schneemann, wenn es auf ihrer Facebook-Seite Nachschub gibt.

Anette Göttlicher - Foto 3

Wer sonst hätte also den kleinen Herrn fotografieren können? Anette kam zu uns nach Hause und fotografierte einfach los. Sie war kein Eindringling, kein Beobachter von außen, eher ein Teil des Ganzen. Ich habe den kleinen Herrn nie zuvor so lange am Stück lächeln sehen – Anette und das Klicken der Kamera haben ihn total fasziniert. Und so sind einfach wundervolle Fotos dabei herausgekommen, die Anette wahnsinnig schnell bearbeitet und ausgeliefert hat und die wirklich jeden Cent wert waren. Wow, was waren und sind wir stolz auf das Ergebnis!  Für uns wird das sicher nicht das letzte Shooting mit Anette gewesen sein und ich kann sie wirklich jedem empfehlen! (Anette kann übrigens auch Katzen, wie wir entzückt feststellen durften!)

Molly

(Alle hier abgebildeten Fotos stammen von der großartigen Anette Göttlicher! Keines davon zeigt den kleinen Herrn, aber eines davon zeigt eine andere Mitbewohnerin. Vielleicht erratet Ihr es ja.)