Von Filterkaffee und Schlagsahne

Kaffeepause

Für meine pubertäre Sozialisierung waren die Cafés meines Heimatortes im Rückblick wichtiger als der Besuch des ortsansässigen neusprachlichen Gymnasiums. Auf den kuscheligen Polsterbänken oder mit Kunstleder bezogenen Eisdielenstühlen dieser spießbürgerlichen Idylle verbrachte mein Hintern große Teile seiner Jugend, während meine jugendlichen Finger derweil an hübschen Mitteldeckchen und liebevoll dahin dekoriertem Blumenschmuck zubbelten. Weiterlesen

Träume und Eiskonfekt

Gestern war ich mit dem Sonnenschein in Inception, das ist dieser Film mit Leonardo di Caprio (der seit The Basketball Diaries eigentlich nach und nach aufhörte, schön zu sein) der in Träumen in Träumen in Träumen spielt. Das Ganze war ein wenig verwirrend, aber ich habe die meiste Zeit ob dieser Verwirrung schallend in mich hinein gelacht. Ich fand den Film nämlich ganz herrlich, fast wie Karussel fahren, nur dass es dem Magen nachher immer noch gut ging. Mei ging‘s da rund!

Klar, dass wir vorher an der bunten Snackbar zahlreiche Dinge gekauft haben, an die man überhaupt nur im Kino denkt. Eben wie an Tomatensaft im Flugzeug. Nur auf Kino gemünzt. Für mich gab es jedenfalls Eiskonfekt. (Ich glaube übrigens nicht, dass so etwas jemals von Menschen außerhalb von Kinos gegessen wurde). Und gemeinsam mit meinem Eiskonfekt genoss ich den lustigen Film noch viel mehr.

Drei Stunden später war der Spaß vorbei. Noch beim Verlassen des Kinos musste ich immer noch in mich hinein kichern. Ich bin davon überzeugt, dass die Macher dieses Films irgendwas Lustiges genommen hatten. Aber mir war das wurscht, denn ich fühlte mich wirklich blendend unterhalten. Und ganz nebenbei hatte ich meine vormals strahlend weiße Bluse von oben bis unten mit Eiskonfektschokolade vollgeschmiert.

Im Biergartenparadies

Biergärten gibt es in München wie Sand am Meer. Ein Meer gibt es in München hingegen nicht. Deshalb entscheidet man sich stattdessen immer für den Biergartenbesuch. Aber auch unter den Biergärten gibt es so’ne und solche und ähnlich wie bei der Suche nach dem richtigen Sand am richtigen Meer verhält es sich in Städten wie dieser bei der Suche nach dem richtigen Biergarten.

Dumm ist, dass es den einen, den allein glückselig machenden Biergarten gar nicht gibt. Es kommt nämlich immer auf den Einzelfall an. Und die Umstände spielen selbstverständlich auch eine nicht kleinzuredende Rolle. Ein Biergarten, der einen an einem Tag wie der (Bier)garten Eden höchst persönlich vorkommen mag, kann schon am nächsten Tag den Kampf um die Gunst des Biergartengängers an seinen hässlichen Stiefbruder verlieren. Ein tägliches Vabanquespiel, bei dem es stets nur einen Gewinner gibt. Weiterlesen

mellcolm wird heraus geputzt

Gestern hat das Blögchen das vierte neue Theme bekommen. Wir haben uns beide sehr darüber gefreut. Ich, weil das Blögchen mit jedem neuen Theme noch hübscher wird, es, weil es mit jedem neuen Theme noch wertvoller wird. Ein wahres Luxusluder, das ich mir über die Jahre da heran gezüchtet habe.

Fast hätte es mich sogar dazu überredet, ihm noch zwei Gucchi-Schriftarten dazu zu kaufen, aber im letzten Moment konnte mir meine rechte Hand die Kreditkarte aus der linken entwenden und sie in der Sofaritze verstecken.

Besonderes wundervoll finden wir beide übrigens, dass die gute Frau @frauenfuss uns großzügigerweise erlaubte, ihr #immf-Kunstwerk portionsweise für das Umstyling zu verwenden. Ganz bezaubernd ist das und wir sind unendlich dankbar.

Natürlich hoffen wir, dass Ihr uns auch mit neuem Kleid gewogen bleibt. Vielleicht mögt Ihr uns ja auch mitteilen, wie es Euch gefällt.

Der kleine Luis und seine große Reise

Für Luis: geboren im August 2008, gestorben am 9. April 2010

Leo und Mori sollten sie heißen. Zwei winzige kleine Tigerkatzen mit putzigen Gesichtern. Geboren irgendwo in Cadiz. Vermutlich auf einer Müllkippe, einem Parkplatz oder einem sonst wie unschönen Ort. Im Tierheim – der zweiten Station in ihrem traurigen Leben – war es wahrscheinlich nur unwesentlich besser. Katzenkinder wie die beiden gibt es in Spanien im Dutzend und die meisten von ihnen beenden ihr kurzes Leben auf der Tötungsstation. Wie gut, dass es in Ländern mit besseren Tierschutzgesetzen Menschen gibt, die sich der Rettung dieser armen Wesen mit Haut und Haaren verschrieben haben. (In unserem Fall war das die Tierhilfe Miezekatze e.V., die schon vielen zum Tode verurteilten Katzen ein zweites Leben geschenkt hat.)

Die Zustände auf den Tötungsstationen sind vieler Orts wirklich schlimm. Viele der Katzen infizieren sich dort mit Krankheiten, die sie dann auch ohne Spritze umbringen. Mori war klein und schwach. Er starb noch in Spanien, kurz nachdem wir uns entschieden hatten, sein Leben zu retten. Wir haben ihn nie gesehen. Blieb also noch Leo, der aber auf keinen Fall allein bei uns leben sollte. Wieder wälzten wir die Datenbank der Tierschutzorganisation und stießen auf den kleinen Boni. Einen außergewöhnlichen Kater mit einer lustigen Zeichnung rund um die Nase. Boni befand sich in Bilbao, war von der Tötungsstation schon zu einer Pflegefamilie übergesiedelt worden und machte sich gut dort. Wenn nur endlich ein Flugpate gefunden würde, der uns Boni und Leo nach Deutschland bringen würde… Weiterlesen

Von Kornkreisen, Apfelkraut und Analogfisch

Letzte Woche hatte ich eines dieser denkwürdigen Erlebnisse, an die man normalerweise im Umfeld von plötzlich vorhandenen Operationsnarben, rätselhaften Kornkreisen und überaus verwirrte Augenzeugen denkt: Ich stieg in mein kleines Raumschiff, um den Analogen einen Besuch abzustatten. Man hatte mich zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, mit Familie, Geschenken und selbst gebackenem Kuchen.

Gekonnt mischte ich mich unter das übrige Volk, stets darauf bedacht, meine Tarnung nicht auffliegen zu lassen. Ich plauderte über mein Heimatdorf, rheinische Gepflogenheiten, Apfelkraut, Reibekuchen und die Familie Land. So gut ich es eben vermochte, versuchte ich eine von ihnen zu sein. Weiterlesen

Wiesn 2009

Das zur Verfügung stehende Holz sorgsam vor der Hütten aufgeschichtet, die Schleife lasziv links gebunden, der Unterrock neugierig unter dem Saum hervorlugend – Oktoberfest, ich komme!

Der erste Schock sucht mich dann schon auf dem kurzen Fußweg zur Wiesn heim: Am hellichten Tage begegnen mir unzählige Menschen, die neben Muttersprache und Anstand auch die versammelte aufgenommene Nahrung des Tages bereits mehrfach verloren haben. Aber das sind Details. Und Australier.

Einmal durch die Menschenpampe auf der Hackerbrücke durch- und an den zahlreichen Polizisten vorbeigewuselt gerät man gleich in den Sog der Masse, die sich eilig in Richtung Wiesn schiebt. Es dirndlt und krachledert aller Orten. Mit und ohne Geschmack.

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Aufbauarbeiten

Kriiiiiiihhhhhhhheiiiiiiiiiiirrrrrrsch.

Es ist sieben Uhr. Mein Freund der Polier hat das Spiel angepfiffen. Die Kreissäge flötet mir ein fröhliches Wecklied. Welch ein bezaubernder Start in den Tag! Ich springe aus dem Bett und unter die Dusche. Der klanglich frisch dazu drapierte Presslufthammer gibt mit den Einseifrhythmus vor.

Bububububububbb.

Ein wenig schmerzhaft ist es schon. Und auf Dauer gibt es blaue Flecken.

Frisch geduscht und behämmert geht es im Bademantel Richtung Küche. Das künstliche Erdbeben ist angeschaltet und ich bin mit dem PowerPlate-Workout schon durch bevor ich den Kühlschrank erreiche. Ganz ohne eigene Anstrengung – herrlich ist das! Weiterlesen