Nicht gesellschaftsunfähig

Gequält von einer eviangefüllten Blase, auf Füßen, denen den ganzen Tag „Feine Damen“-Schuhe aufgezwungen wurden, die Schulter schmerzend von der Schlepptoptasche und mit einer pressluftbehämmerten Schläfe musste ich Straßenbahn fahren. Um mich herum schrien sich Frauen in erbrochenem Deutsch an. (Warum muss auf ausländisch eigentlich immer so geschrien werden?) Plötzlich dachte ich: Was, wenn Du Dir nun einfach die Hosen vollmachst, um Deine Blase zu befreien? Und wenn Du die Frauen anschreist, sie sollen auf der Stelle ihre blöden Schnäbel halten, weil es in Deinem Kopf unaufhörlich hämmert? Und wenn Du Dir die viel zu hohen Schuhe ausziehst und auf Socken rumläufst? Was dann? Aufmüpfige Gedanken waren das, die während dieser Straßenbahnfahrt durch meinen Kopf schossen. Ich war mehr als bereit, über meine guten Erziehung hinweg zu sehen. Dann kam meine Haltestelle. Und ich stöckelte kleinlaut und mit zusammengekniffenen Knien nach Hause….

Von jungen Hunden und anderen Viechern

Ich sitze hier belanglos vor mich hin und starre durch den schmalen Schlitz zwischen den Vorhängen auf ein Stück Himmel und auf vorbeiziehende Zugbruchteile.  Die Urbanität räkelt sich genüsslich vor meinem Vorhangschlitz und schämt sich nicht einmal für ihre aufreizende Art. Ich kann nicht behaupten, dass mir die Stadt in warmen Wogen entgegenschlägt, das nicht. Aber dennoch fühle ich mich in der Umarmung der Bahngleise heimischer als sonst irgendwo in den letzten Jahren. Und größer und stärker. Bis am Montagmorgen der Wecker schellt und meine schöne neue Welt mit einer harmlos daher kommenden Tonfolge wieder für 5 Tage in Schutt und Asche legt. Wenn ich könnte, ich würde junge Hunde kriegen.