Die wunderbare Reise der kleinen Mellcolm mit den Wildfängen – Stockholm, der erste Tag

Wie bereits mehrfach und auf allen möglichen Plattformen erwähnt, habe ich seit ein paar Tagen diffuse Probleme mit dem Hals. In Ankarsrum gab man mir Schmerzmittel, in Trosa Lutschtabletten, aber beides hilft nicht anhaltend. Da der Verdacht nahe liegt, dass sich das auch in den nächsten fünf Tagen nicht maßgeblich ändern wird und da ich mich insgesamt gar nicht mehr so knorke fühle, frage ich das Internet, wie man denn hier in Schweden so zum Arzt geht. Ich lerne erstens, dass man das gar nicht einfach so direkt tut, sondern über eine so genannte Värdcentral gehen muss, die sowas wie ein Gesundheitscenter ist. Und zweitens erzählt mir das Internet, dass das System total beknackt ist und dass man sich auf maximale Wartezeiten einrichten muss, wenn man nicht gerade mit abgetrenntem Arm erscheint.

Da inzwischen irgendwie klar ist, dass das Wasauchimmer nicht von selbst weggehen wird, entscheide ich mich, die Värdcentral aufzusuchen. Glücklicherweise ist eine in der Nähe des Campingplatzes, direkt an der U-Bahn-Haltestelle gelegen, so dass wir nicht durch die Stadt irren müssen. Ich werde sehr freundlich und zuvorkommend behandelt und bekomme einen Termin für den nächsten Morgen angeboten, was schneller ist, als ich erwartet hätte. Auf dem Weg nach draußen bleiben wir noch kurz im Aufzug stecken, dann geht es mit dem Termin in der Tasche auf in die Stadt, auf die ich mich schon seit Wochen freue. Neben San Francisco gehört Stockholm auch schon länger zu den Städten, in die ich dringend auswandern will und da bietet es sich in, sie vorher schon mal gesehen zu haben.

Die Bahn bringt uns quasi vom Campingplatz aus direkt nach Gamla Stan, die Altstadt von Stockholm, die sich nicht nur wegen des benachbarten Königsschlosses großer touristischer Beliebtheit erfreut. Viel Trubel, viele Kaschemmen und Restaurants, Souvenirläden, Straßenkünstler und Japaner. Am Schloss laufen wir unabsichtlich mitten in die tägliche Wachablösung hinein, der außer uns unzählige weitere Touristen beiwohnen. Für so einen schnöden Schichtwechsel machen die echt ein Riesenfass auf.  Aber die Meute mag es.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Wir lassen Gamla Stan mit gemischten Gefühlen hinter uns und marschieren nach Södermalm, denn da sind die hipsten Hipster Schwedens zu finden und es gibt herausragenden Café, heißt es. Da unsere in Åhus erworbenen Kaffee-Vorräte langsam zur Neige gehen und das für uns quasi lebensbedrohlich ist, steuern wir zuerst johan & nyström an, um einerseits hervorragend Kaffee zu trinken und andererseits unsere Vorräte an erlesenem Kaffee wieder aufzustocken. Beides gelingt und wir sind durchaus angetan.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Da uns ein Hüngerchen plagt folgen wir als nächstes einer Empfehlung des Guardian und suchen das Ringen Teatern auf, ein Foodcourt bei dem es Sterne-Fastfood verschiedener Geschmacksrichtungen geben soll. Der erste Eindruck liegt irgendwo zwischen cool und düster und dafür, dass es hier Sterne-Futter geben soll, ist es auffallend leer im Teatern. Mir ist dank meiner Halsschmerzen nicht so richtig nach Essen, aber der Reiseleiter entscheidet sich für ein Ramen-Gericht, das ihm allerdings gar nicht so richtig munden will. Der große Kleine Herr ist mit seinen Pommes hingegen außerordentlich zufrieden. Im Fazit würden wir hier wohl keine Empfehlung aussprechen.

Da ich erst dann so richtig in einer Stadt ankomme, wenn ich sie beshoppt habe, machen wir uns als nächstes in Richtung Einkaufsstraßen auf. Die Götgatan in Södermalm steht als Erstes auf dem Programm, aber entweder bin ich nicht in Stimmung oder der Zauber dieser Straße bleibt mir aus anderen Gründen verschlossen, aber wir finden leider gar nicht zusammen. Ich beginne, mir Sorgen zu machen, denn momentan ist mir noch unklar, was die Leute an Stockholm so toll finden. Auch der Reiseleiter ist verunsichert.

Wir beschließen einen rasanten Ortswechsel und steigen in die U-Bahn nach Östermalmstorg. Hier angekommen haben wir unser zweites traumatisches Aufzugerlebnis an diesem Tag. Um vom Gleis an die Oberfläche zu kommen besteigen wir einen dunklen, engen Fahrstuhl (die Fahrstühle in Stockholm erscheinen mir alle außergewöhnlich eng), der auf dem langen Weg nach oben ruckelt und rattert als habe sein letztes Stündchen geschlagen. Oben angekommen bin ich fertig mit den Nerven. Dafür stimmt mich die Gegend um den Östermalmstorg etwas milder. Zuerst besuchen wir die Saluhall, eine Markthalle, die gleich viel heller und freundlicher daher kommt als das Teatren. Dann entdecke recht schnell einen Designtorget, in den ich einkehren und mich austoben kann. Anschließend kehren wir noch schnell im Kaffeehaus Sturekatten ein, wo ich eine vorzügliche Linsensuppe zu mir nehme. Wir sitzen im kleinen Innenhof, aber das Kaffeehaus ist auch in den gemütlichen und plüschigen Innenräumen absolut sehenswert. Hier versöhne ich mich nun endlich doch mit der Stadt.

Foto: Philippe Wyssen

Foto: Philippe Wyssen

Da ich mich weiterhin alles andere als wohl fühle und ich mich vor dem EM-Halbfinale noch etwas ausruhen muss, treten wir langsam den Heimweg an. Das Fahrstuhltrauma ist noch nicht vergessen und so entscheiden wir, am Hauptbahnhof in die Bahn nach Hause zu steigen.

Während die WLAN-Verbindung und somit auch der Livestream den Abend über stehen wie eine Eins und ich dank Voltaren mal wieder ein paar Stündchen schmerzfrei bin, muss das deutsche Team leider im Spiel gegen Frankreich Federn lassen.

 

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