Asiawoche, Teil I: Das amuse bouche

amuse-bouche1Anlässlich meines Geburtstages hatte ich Kuchen gebacken. Die eifrig aus ihren Löchern hervorschnellenden Kollegen vermampften diesen mit entrücktem Blick – natürlich nicht ohne ihn vorher aufs Heftigste zu löbeln und zu preiseln. Ein wenig stolz war ich schon: Handelte es sich doch um eine gebäcklerische Meisterleistung im Rahmen meiner Möglichkeiten. Was beim Backen funktionierte könnte ja auch beim Packen von Nutzen sein, mutmaßte ich kleinlaut und mir in den imaginierten Bart. Beim Kuchen kommt es darauf an, dass am Ende kein Teig mehr am Hölzchen klebt. Beim Packen ist es hingegen weitaus bedeutender, dass die erlaubten 20 kg am Ende kein Gramm zu viel auf die Waage bringen. Einen richtigen Profi erkennt man allerdings daran, dass die 20 kg Grenze auch nicht nach unten durchbrochen wird. Beim Packen wie beim Backen sollte man nichts anbrennen lassen. Schon gar nicht, wenn man nach Asien reist.

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Köln-München, 4. Oktober 2009: Rollenspiel mir das Lied vom Tod

Schon als Teenie bin ich vor denen mit den Schwarzen Augen stets auf der Hut gewesen. Ich mutmaßte, dass die mit Bhagwan sympathisieren. Beweisen konnte ich das nie, aber hey – die hatten zwanzigseitige Würfel. Das liegt doch auf der Hand, dass da was nicht stimmte.

Nee. Rollenspiele gehen gar nicht. So gar nicht wie Fantasyromane. Wobei – eigentlich noch viel gar nichter. Ich bin zu dröge für so was. Und viel zu fantasielos. Die einzigen Fantasiewesen, an die ich überhaupt glaube sind die, die immer meinen Schrank durcheinander bringen. Aber die sind unbewaffnet und leben in der Gegenwart. In München.

Und dann so was. Und das mir! Sitze ich vor ein paar Tagen mal wieder nichtsahnend und niemandem die Pest an den Hals wünschend im Zug von A nach B als in C zwei merkwürdige Gevatterinnen zusteigen. Es handelt sich um Weibsvolk der Gattung Rollenspielerin, wie ich binnen Sekunden auf die ganz grausame Art lernen muss. Heiderdaus, was sträubten sich mir die Nackenhaare im Verlauf des Erkenntnisprozesses! Ausgestattet mit Schwert und Gitarre, mit Flügelstecken (der terminus technicus ist mir nicht bekannt) und Fellumhängen rückten sie ein und schreckten erstmal das gesamte Abteil mit ihrem Rumpumpeln auf.

Die beiden Liebenden suchten im vollbesetzten Zug einen Platz. Für sich und ihr Gerümpel. Während die eine – eher wonneproppere Walburga als grazile Griseldis – mit dünnem Stimmchen um Gnade winselte, teilte die andere – eine Mischung aus Rambo und Charlize Theron in Monster – mit ihrer finsteren Rollenspielrumpumpelstimme verbale Tiefschläge aus. Die Versuchung lag nahe, das Spiel zeitlich irgendwo in der Nähe der Eiszeit zu verorten. (Walburgas langes Rastahaar hätte das Geschleiftwerden über den Zugmittelgang locker weggesteckt.)

Nach gefühlten Stunden des lautstarken Platzsuchens erschien der Moment der Platzfindung mir und den anderen Reisenden zunächst wie eine Erlösung. Wir ahnten ja nicht, dass die beiden einmal sitzend das gesamte Rollenspiel des zurückliegenden Wochenendes noch mal in epischer Breite durcharbeiten mussten. Grmpf. Sie hatten geliebt, gelitten und geträumt. Und waren gegen ihre Feinde in den Kampf gezogen. Und als Siegerinnen daraus hervor gegangen. Vielleicht hatten sie aber auch nur zu viele von den falschen Pilzen gegessen.

Während sie mich befremdeten, fühlten sie sich selbst in ihrer Welt ganz offensichtlich pudelwohl. Weil sie dort die Heldinnnen sein konnten, die das echte Leben sie nie würde sein lassen. Niedlich.

Erwähnte ich schon, dass ich Rollenspiele albern finde? Doch für die kuschelige Geborgenheit eines Fellumhangs in überklimatisierten Bahnabteilen würden ich zur Not sogar ein Halblingsmädchen mimen.

Bild: Bifford The Youngest / Flickr