Wiesn 2009

Das zur Verfügung stehende Holz sorgsam vor der Hütten aufgeschichtet, die Schleife lasziv links gebunden, der Unterrock neugierig unter dem Saum hervorlugend – Oktoberfest, ich komme!

Der erste Schock sucht mich dann schon auf dem kurzen Fußweg zur Wiesn heim: Am hellichten Tage begegnen mir unzählige Menschen, die neben Muttersprache und Anstand auch die versammelte aufgenommene Nahrung des Tages bereits mehrfach verloren haben. Aber das sind Details. Und Australier.

Einmal durch die Menschenpampe auf der Hackerbrücke durch- und an den zahlreichen Polizisten vorbeigewuselt gerät man gleich in den Sog der Masse, die sich eilig in Richtung Wiesn schiebt. Es dirndlt und krachledert aller Orten. Mit und ohne Geschmack.

Weiterlesen

Die Sache mit der Twitterlesung

Freitag ist es also so weit. Die Damen und Herren von Twitkrit spielen Twitterlesung und ich darf mitspielen. Also raus aus dem Bett, rein in den Anzug, ins  Büro -ein bisschen Polen retten- raus aus dem Büro, raus aus dem Anzug, rein in die Jeans und pünktlich um 15.38 Uhr zusammen mit der süßen Sue und dem heiteren Heiko rein in den Zug nach Frankfurt.

Knapp vier verschnatterte Stunden später: Ankunft in Frankfurt. Neben mir eine seit der Nachricht, dass die Berliner Jungs Verspätung haben, etwas still gewordene junge Dame. Auch mit dem Ausblick auf ihr liebevoll mitten in die Rotlichtmeile gebasteltes Hostel ist im Moment kein Blumentopf zu gewinnen. Erst ein Cheeseburger vermag die Anspannung etwas zu lösen.

Nicht viel später trifft unsere kleine Reisegruppe am Veranstaltungsort ein. Nu Soul. Nun denn. Auf den ersten Blick ein merkwürdiger Ort für eine Twitterlesung. Alles schwarz, an der Decke ein Meer von Glühbirnen, psychedelische Toiletten. Deutlich heimeliger wird die Location durch die vielen illustren Gäste, die sich  hier bereits tummeln. Manche erkennt man gleich, für andere braucht die Phantasie einen kleinen Stupser. Aber es ist ein feines Gefühl, die, die man sonst nur hinter den Buchstaben vermuten kann, mal ganz in echt anglotzen zu dürfen.

Wir zwei Zuckerpuppen Weiterlesen

Hans-Martin, Twitter und der Weltfrieden

Hans-Martin. Das war dieser Mensch, dem es gestern Abend bei „Schlag den Raab“ binnen fünf Minuten gelang, sämtliche involvierten Modera- und Kommentatoren, den Stefan sowie alle Zuschauer im Studio und vor den Bildschirmen gegen sich aufzubringen. Dabei hatten vor allem Letztere dafür gesorgt, dass der Jungspunt (Beruf: angehender Apotheker) sich im Fernsehduell gegen Raab beweisen durfte. Aber das sind Details.

Hans-Martin schiss klug, wies zurecht, kotzte groß. Und ein Grund nach dem anderen, ihm den Sieg gegen Raab zu gönnen, löste sich in Wohlgefallen auf. Heimlich, still und leise erfolgte der Paradigmenwechsel: Niemand hielt Raab je für einen großen Sympathen, aber neben Hans-Martin wurde er auf einmal zum kleineren Übel. Das Studiopublikum entzog ihm den Applaus und wir TV-Twitterer zogen parallel nach allen Regeln der Kunst über Hans-Martin her – ein Stammtischgespräch am größten Stammtisch Deutschlands. Weiterlesen

Stadt-Blumen: London

Meine Erweckung hatte ich eigentlich erst sehr spät. Während die „coolen“ Kinder London schon auf diverse Arten bereist hatten, hielt sich mein Interesse für alles was „very British“ war in klaren Grenzen. Heute denke ich, dass es an Margaret Thatcher lag. Und am Porridge. Beides war mir suspekt und ist es heute noch.

Das erste Mal musste ich hin. Mit einer Mission bewaffnet startete ich meinen Trip in die Inselhauptstadt. Die Mission liess ich da. Mit zurück brachte ich nicht viel mehr als die Erinnerung an ein Office von innen (überall standen Schuhe rum), an den zweifelhaften Geschmack des Bieres und an den alten Bekannten, der mir im Heathrow Express auf einmal gegenüber saß. London. Fein. Aber sonst? Eine Stadt wie jede andere, nur dass das Leben sich links rum bewegt.

Dann wurde der Sonnenschein englandverschickt. Und weil man auf Beziehungen aufpassen muss, wenn sie einem schon mal zulaufen, pilgerte ich ein halbes Jahr lang alle paar Wochen an die Themse. Und entdeckte, dass man dort eine Menge entdecken konnte.

London ist riesig. Und groß. Durch die kleinen Lücken im meist bewölkten Himmel kann man die Größe und Pracht der Stadt schon beim wackligen Landeanflug bestaunen. Man wird wachgerüttelt, damit man ganz genau hinschaut. Big Ben. London Eye. Buckingham Palace. Das Willkommensprotzen haben die Londoner wirklich drauf. Weiterlesen