Aufbauarbeiten

Kriiiiiiihhhhhhhheiiiiiiiiiiirrrrrrsch.

Es ist sieben Uhr. Mein Freund der Polier hat das Spiel angepfiffen. Die Kreissäge flötet mir ein fröhliches Wecklied. Welch ein bezaubernder Start in den Tag! Ich springe aus dem Bett und unter die Dusche. Der klanglich frisch dazu drapierte Presslufthammer gibt mit den Einseifrhythmus vor.

Bububububububbb.

Ein wenig schmerzhaft ist es schon. Und auf Dauer gibt es blaue Flecken.

Frisch geduscht und behämmert geht es im Bademantel Richtung Küche. Das künstliche Erdbeben ist angeschaltet und ich bin mit dem PowerPlate-Workout schon durch bevor ich den Kühlschrank erreiche. Ganz ohne eigene Anstrengung – herrlich ist das! Weiterlesen

Trama

In der Straßenbahn saß die Woche einer von diesen Quasslern – Sie wissen schon, einer von denen die lautstark vor sich hin schimpfen, ohne erkennbaren Grund, ohne Adressat, ohne Unterlass. Die Leute nervt das einen kurzen Moment, sie nehmen es aber bald nur noch als kleines Requisit inmitten der gesamten Geräuschkulisse wahr. In der Stadt lernt man das Weghören ebenso schnell wie das Wegsehen. Ein Mann, der schon am frühen morgen mit einer Flasche Bier in der U-Bahn steht? Nein – ich glaube da war keiner.

Aber der Quassler, der war ganz sicher da. Ein zufällig mitreisender Verkehrsbetriebsmitarbeiter hämmerte diese Erkenntnis recht lautstark in die Köpfe aller Anwesenden. Zunächst forderte er den Quassler einigermaßen freundlich auf, den Mund zu halten. Was dieser natürlich nicht tat, weil es gegen seine Natur wäre. Das reizte den selbst erkorenen Ohrenschützer bis aufs Blut – sein Stimme wurde lauter, seine Beschwörungen wurden zu Beschimpfungen. Er solle den Schnabel halten und aufhören, die Leute zu belästigen. Der Quassler riet ihm im Gegenzug freundlich, ihn in Ruhe zu lassen und sich um seine Angelegenheiten zu kümmern. 0:1. Das genau SEI seine Angelegenheit, entgegnete der MVVler wutschnaubend. 1:1.

Das Trampublikum schmunzelte in sich hinein – ganz leise, ganz unauffällig. Niemand wollte sich die Blöße geben, sich für das Gezänke der beiden Streithähne zu interessieren. Doch die vielsagenden Blicke, die kreuz und quer durch die Bahn schossen, liessen auch die beste Tarnung auffliegen. Während die Leute ihre Nasen immer tiefer in ihre Bücher steckten oder angestrengt aus dem Fenster starrten, rhabarberte der Quassler munter weiter und weiter und weiter. 1:2.

Sein Widersacher wurde sich bewusst, dass er nicht mehr viel Zeit hatte, das Spiel noch herum zu reissen. Und dazu musste ihm jedes Mittel recht sein. Er entschied sich für ein klares Foul. Er sei doch krank im Kopf, raunzte er den Quassler an. 2:2. Das Publikum jubelte schweigend. Wenigstens ein unentschieden hatte er noch rauspielen können!

Dann war das Spiel aus. Die  Tram hielt und kippte ihr Innenleben in die Haltebucht. Der wütende Oberaufseher spurtete an mir vorbei und wie von der Tarantel gestochen die Treppe zur U-Bahn hinunter. Hinter mir vernahm ich die Stimme des Quasslers, der den Schlusspfiff wohl nicht vernommen hatte. Er nuschelte dem Gegner hinterher: “Einen schönen Abend noch,” (nun gut, es war nicht mal 9 Uhr am Morgen) und dann noch etwas leiser: “Ich hab es doch gar nicht so gemeint…”  2:3.