Ein Textperiment: Die Versammlung

In der Zeit vom 18. bis zum 27. April ist im Stammelblog etwas Großartiges passiert: Wir haben ein Textperiment gewagt, das in dieser Form (und in dieser Gegend und mit diesen Beteiligten) ganz sicher einzigartig war. Das Ergebnis, auf das Ihr – me culpa, mea maxima culpa – lange warten musstet, kann sich sehen lassen. Ihr findet das gesammelte Stammelmanuskript (mit einer winzig kleinen redaktionellen Feinschleifung) im Anhang. Wer selbst noch etwas daran rumschrauben möchte, möge sich melden – ich habe es auch noch in Word.

An dieser Stelle möchte ich mich noch mal ganz herzlich bei alten Mitwirkern- und Mitwirkerinnen bedanken. Das war töfte.

Die lobzupreisenden Mitschreiberlinge in alphabetischer Reihenfolge:

Ami
BirrGarten
elbe_
Enno

Faustus
Huck
Karen
Lea

Leselöwin

Liisa

mai_kaefer
NiWo

Ramses101

Rike
Sanne
Stiller

Sue
Tapio Liller
Volker H. Davids

Gerne verlinke ich auch noch die Namen der bisher Unverlinkten. Dazu müsstet Ihr mir nur kurz sagen, wohin die Reise gehen soll!

Hier nun also das corpus scribendi (Ich habe den Kontakt zu meinem Lateinlehrer schon lange abgebrochen…):

Ein Textperiment

Süllt

Was kostet die Welt?

Die Herren kommen in farbenfrohen Pullovern daher (pink, grün, orange – allesamt von namhaften Designern persönlich aus dem Brustflaum der tibetanischen Zimtziege geklöppelt). Das Haar tragen sie länglich und zurückgegelt. Die Füße stecken in teuren italienischen Slippern. Um den Bauch schlängeln sich exklusive Gürtel, deren auffällige Schnalle nicht selten auf den Namen „H“ hört.

Die Damen schmücken sich nach allen Regeln der Kunst mit Lederprodukten aus dem Hause Louis Vuitton. Die Lippen sind aufgespritzt, die Falten glattgebotoxed, die Brüste voll praller Unnatürlichkeit, das extendierte Haupthaar (tatsächlich immer noch vorzugsweise) blond. Die braunen, durchmanikürten Füße stecken in Machwerken von Christian Louboutin und Jimmy Choo oder in den guten alten Tod’s.

Während die Eltern in ihren pompösen Reetdachvillen rauschende Feste geben, finden sich die zahlreichen Kinder aus reichem Hause Nacht für Nacht in den Clubs „Rotes Kliff“ oder „Pony“ ein. Hier wird dann die elterliche Platincard gezückt, um sich und den gesamten Freundeskreis mit Veuve Clicquot, Roederer oder deren höherprozentigen Kollegen abzuschiessen.

Die noch nicht clubtaugliche jüngere Nachkommenschaft sowie die vierbeinigen Kinderersatzmodelle werden oft schon im Welpenalter auf das Leben im Jet Set eingestimmt. Kleinkinder, die wie Weihnachtsbäume mit Chopard Schmuck behangen sind, werden ebenso häufig erblickt wie Hunde, die mit großen Augen aus ihrer höchsteigenen Tasche der bereits genannten französischen Kofferfabrik glotzen.

Willkommen auf Sylt!

Ah, jetzt ja, eine Insel!

Ein Spaziergang zum Strand, an dem rauhe Nordseewellen tosen. Vielleicht mit einer kleinen Rast in einem der vielen Strandkörbe. Eine Radtour von Wenningstedt nach List, vorbei an der „Uwe Düne“ und dem „Ellenbogen“, vorbei an hübschen Reetdachhäusern, die die Sylter Örtchen wie Partnerstädte von Schlumpfhausen erscheinen lassen. Vielleicht ein Stück Rhabarberkuchen und einen Pott Milchkaffee in der „Kupferkanne“. Ein Blick auf ein Meer von Heide. Eine Wanderung übers Watt in knallbunten Gummistiefeln- immer wieder die steife Brise um die Nase. Und dann vielleicht ein Krabbenbrötchen bei Gosch (dieser Teil ist mangels Fischliebe imaginiert). Und wenn dann noch die Sonne von einem wolkenlosen Himmel strahlt! Dann geht einem plötzlich das Herz auf.  Und die wahren Klischees können einem den Buckel runter rutschen.

Verdrossenes

Jetzt muss ich wohl langsam zugeben, dass ich in den letzten Wochen einen großen Bogen um mein Blog gemacht habe. Ich hoffte ja, ich könnte mit einem Tweet hier und einem da über meine Nachlässigkeit hinwegtäuschen. Aber da habe ich die Rechnung natürlich ohne Sie gemacht. Natürlich haben Sie gleich gemerkt, dass ich mich aus der Hintertür fortgestohlen habe. Ihnen kann man aber auch wirklich kein X für ein U vormachen.

Und da Sie mich nun entlarvt haben, bleibt mir wohl nichts anderes, als mein Versäumnis kleinlaut einzugestehen. Und ich muss Ihnen sagen, dass es mir fast ein wenig peinlich ist, was ich Ihnen nun mitteilen muss. Das vorne herum süße kleine beschauliche Blöglein ist mir mit seiner aufdringlichen forderndern Haltung ganz gehörig auf den Keks gegangen. Jawohl. Seiner überdrüssig war ich, jedenfalls hin und wieder. Es schien mir wie ein kleiner nimmersatter Vogel, der nach der Fütterung noch viel lauter schrie als vorher. Nach dem Blogpost ist vor dem Blogpost.

Nicht mit mir! Auf gar keinen Fall. Dachte ich mir. Und beschloss, das Blog für eine Weile links liegen zu lassen. Bis es aufhört, mich mit seinen Forderungen zu bombadieren und endlich Ruhe gibt.

Heute morgen dann, bin ich doch mal vorbei gegangen, um nach dem Rechten zu schauen. Und da fand ich es ganz kleinlaut und zurückhaltend und gleichzeitig hocherfreut, mich nach langer Zeit wieder zu sehen. Da musste ich lächeln.

#next exit Hamburg

Falls Sie nun glauben, ich würde Ihnen tatsächlich von meinem Besuch auf der #next09 in der vergangenen Woche erzählen, dann haben Sie sich in mir getäuscht.

Ich werde Sie nicht mit der Geschichte langweilen, dass ich das Ticket gewonnen und mich kurzerhand entschlossen habe, die Reise in den hohen Norden anzutreten. Sie werden von mir auch nicht erfahren, dass mir auf der Bahnreise dorthin der Strom auszugehen drohte und dass ich ob dieses Bedrohnisses gar den Wagen wechseln musste. Das geht wirklich niemanden etwas an!

Ich werde Sie in völliger Unkenntnis darüber zurücklassen, dass ich vom angebotenen Programm zu einem sehr großen Teil alles andere als begeistert war. Von mir erfahren Sie z.B. auch nicht, dass sich der Mobilfunkanbieter mit dem eingebauten, flächendeckenden Netzausfall ausgesprochen dümmlich um Kopf und Kragen geredet hat. Ich halte mich aus solchen Einschätzungen lieber raus.

Twittersucht

Ich hätte Ihnen zwar auch erzählen können, dass ich bei der Twitterlesung  zur lachenden Minderheit gehörte, aber ich lasse das sein. So bleibt es mir auch erspart, anzumerken, dass ich mich – trotz meiner Begeisterung – an dieser Stelle über etwas aktuellere und vielleicht auch quellenheterogenere Tweets gefreut hätte. (Schließlich hätte ich dieses Wort dazu erst noch erfinden müssen.)

Den Mantel des Schweigens breite ich weiterhin über den Geschehnissen auf der anschließenden „Neptun Cross Media Award Party“ aus, da ich Ihnen sonst hätte erklären müssen, warum ich dort nichts Ordentliches mehr zu Essen bekommen habe. Außerdem hätte ich an diese Stelle noch hinzufügen müssen, dass ein gewisser mundgeblasener Moderator dackelbeblickt dort herumgeschlichen ist. Als wenn der noch jemanden interessieren würde.

Zusammenfassung Tag 1

Natürlich hätte ich Ihnen bei der Gelegenheit zusätzlich meine Eindrücke vom zweiten Tag schildern können – aber auch hier wird mein Mund verschlossen bleiben. Sie hätten ja meine Liveberichterstattung auf Twitter verfolgen können!

Nun werden Sie vermutlich niemals darüber in Kenntnis gesetzt, dass ich die wenigsten Vorträge die ich gesehen habe, als inhaltlich gehaltvoll empfand und Ähnliches von Besuchern der anderen Vorträge hören musste. Ich verliere außerdem kein Wort über meinen Eindruck, dass es den meisten Vortragenden einzig um Selbstbeweihräucherung ging. Und auch nicht darüber, dass ein Panel für mich mehr ist als eine moderierte „Statler & Waldorf“ Show, die statt in der Loge auf der Bühne stattfindet. (Bei der Gelegenheit hätte mir vielleicht noch jemand erklären können, warum an jedem Panel zwei leere Barhocker teilgenommen haben, aber so bleibt diese Frage dann wohl auch unbeantwortet).

Brands vs. friends

Natürlich bleibt durch meine Verschwiegenheit an der Stelle leider auch unerwähnt, dass es durchaus ein paar Lichtstreifen am Horizont gegebenen hat. Ich hätte hier z.B. den Vortrag „Twitter in Unternehmen“, die „Edelwiser-Success-Story“ oder aber auch „Viral online gegen viral offline“ anführen können, was ich natürlich nicht tue.

Es wird mein Geheimnis bleiben, dass die #next09 für mich vor allem menschliche Qualitäten hatte. Und dass ich mich enormst darüber gefreut habe, dort neben lieben Freunden auch die ein oder andere Netzbekanntschaft in vollster Fleischlichkeit anzutreffen. Dass ich dort nach Herzenslust und in aller Öffentlichkeit poken konnte, davon werden Sie niemals etwas wissen.

Netzteil

Nachtrag: das “did that, been there” – Foto:

Next09

Landesverrat

Oder: Was aus mir geworden wäre, wenn das aus mir geworden wäre, was eigentlich aus mir hätte werden sollen und nicht das, was stattdessen aus mir geworden ist

Wenn man wie ich auf dem Land groß wird, dann träumt man möglicherweise (und wenn man einigermaßen beieinander ist, also geistig betrachtet) von nichts anderem als davon, dieses Land irgendwann hinter sich zu lassen. Und zwar ganz bald und ganz weit hinter sich.

Das Landleben engt ein. Insbesondere dann, wenn es kein echtes Landleben ist. Dann könnte man wenigstens noch Mist machen. Also in echt, nicht bildlich gesprochen! Man könnte mit den Rindern „blinde Kuh“ spielen und mit den Ferkeln so richtig rumsauen. So ein Land ist mein Land nicht. Das Land von dem ich spreche ist mehr so was wie Mentalitätsland, Gesinnungsland – intellektuelles Ödland. [Wichtige Anmerkung: Natürlich gibt es dort auch Landwirte, aber die sind mehr für die Quote da. Frauen suchen sie übrigens meines Wissens auch nicht. Nicht mal das.]

Dieses Land hat das Potential, einem ganz gehörig auf den Sack zu gehen und zwar unabhängig davon ob man biologisch dazu ermächtigt wurde oder nicht. Spätestens mit fünf platzt der Geduldsfaden. Zu diesem Zeitpunkt gibt es dummerweise noch keinen Ausweg. Deswegen befinden sich die meisten 5- bis 15-jährigen Ländler auch in psychologischer Behandlung. Oder sie haben eine Spielkonsole. Wir hatten damals noch keine Psychologen und keine Konsolen. Wir haben den Nachbarn Container bestellt.

Wenn man dann groß ist – auf dem Land wird man früh groß, auch wenn man noch ganz klein ist -, dann hat man eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten. Man kopuliert mit Gleichgesinnten  (und Verwandten) und zeugt frische Landeiner. Davor, danach und währendessen lässt man sich zur Fleischerei-, Bäckerei- und Blümereifachverkäuferin ausbilden. Und hält Mode aus dem Bla-Bla für Haute Couture.

Oder man geht und macht die Tür hinter sich zu. Und wenn man an diesem Tag wirklich allerbester Stimmung ist, dann sagt man – wenn es hochkommt – höchstens noch „Tschüss.“ Und wird in der großen, schönen Stadt Erotikspielzeugfachverkäuferin. Und hält das vielleicht für die ganz große Karriere.

Heute im Bauchladen: Poken

Eilmeldung: Der Bauchladen ist leider leer!

Da ich kein geduldiger Mensch bin und mir und dem @HappySchnitzel die schnelle Pokenbeschaffung sehr am Herzen lag, habe ich kurzerhand ein 12er Pack der niedlichen Zeitgenossen bestellt. So viele Poken braucht natürlich kein Mensch, also habe ich nun den ein oder anderen Poken übrig. Bei Interesse könnt Ihr einfach eine kurze Mail an brieftaube at mellcolm dot de schicken und allet wird juut.

Hier die Jungs und Mädels, die zur Auswahl stehen (aus und vorbei!):

Poken

Nachtrag: Da ich lieber irgendwie anders reich werden will, nehme ich für die Poken 11€ zzgl. Versandkosten.

Nachtrag II: Jetzt sind nur noch zwei “Scream”-Poken zu haben, der Rest ist weg!

Nachtrag III (07.05.09): Es gibt leider keine Poken mehr! Sie haben bereits alle ein neues Zuhause!

Mugs & Moritz: Aus und vorbei.

Manch einer wird 30 Tassen später denken, ich hätte von selbigen nicht alle im Schrank. Da mag durchaus was dran sein. Das schaurig Schöne daran ist: mit diesem Gebrechen bin ich nicht allein.

Das Phänomen des Nichtalletassenimschrankhabens in deutschen und ausländischen Haushalten weiter verbreitet, als zunächst gerne lapidar angenommen wird. Da die Leere oft erst als solche erkannt wird, wenn sie eingetreten ist, herrscht bis zum heutigen Tage völlige Unklarheit darüber, ob das Verschwinden der Meute schlagartig eintritt, oder ob es sich um einen schleichenden Verschwindungsprozess handelt. Hinzu kommt: die mysteriösen Inluftauflösungen der Schrankbelegschaft können jedermann jederzeit empfindlich ins Mark treffen.

Über die Hintergründe wird schon seit einiger Zeit aufs heftigste spekuliert.

Ein Erklärungsansatz der dieser Tage so richtig en vogue ist besagt, dass es sich um eine dieser modischen (Epi-, Pan-, Aka-)Demien handeln könne. Das ist natürlich völliger Unsinn. Denn wie man aus gut unterrichteten Kreisen weiß, sind alle Demien derzeit im tagfüllenden Maße mit der großräumigen Landverschickung von ringelschwänzigen, sombrerotragenden, hustenden Paarhufern beschäftigt. Dieser Ansatz scheidet also aus.

Die Polizei, die im einen oder anderen Fall bereits hinzu gezogen wurde erwies sich bisher auch als gänzlich schimmerlos. Immerhin kann sie in den meisten Fällen jedoch auf Grund der Indizienlage ein Gewaltverbrechen – wie etwa ein Cupnapping – ausschließen.

Im Land herrschen Angst und Übermüdung. In ihrer Not lutschen bereits die ersten ihre  Kaffeepads, andere inhalieren das Kaffeepulver durch die Nase. Wo zum Teufel sind die Tassen?

Wer in den letzten 30 Tagen hier und dort aufgepasst hat, der kennt die Anwort schon längst. Den Tassen geht es gut und sie waren die ganze Zeit in den besten Händen. Man hat ihnen die Chance ihres Lebens geboten und sie haben danach gegriffen. Ein einziges Mal konnten sie ganz allein im Mittelpunkt von vielen schönen Bildern und kleinen Geschichten stehen. Liebe Frau Elise, ich denke, man kann sagen, dass Du mit Deiner Idee viele Tassen sehr sehr glücklich gemacht hast!

Nachtrag: Liebe Luise Häberle. Ich habe gerade einen Anruf bekommen: Der Polterabend wurde abgesagt, da die Braut mit einem Whiskeyglas durchgebrannt ist. Ihren Tassen geht es gut. Sie haben sich kurzerhand entschlossen auf einen Milchkaffee in die nächste Eisdiele zu gehen. Sie haben mich gebeten, Ihnen auszurichten, dass sie sich heute Abend wieder im Schrank einfinden werden..

Mugs & Moritz: Teil XXX (<– Geschafft!)

TassenlosDa ich mich seit einiger Zeit mit der Psyche von Tassen auseinandersetze, erreichte mich vor ein paar Tagen ein Hilferuf aus einem Neu-Ulmer Haushalt. Auch dort waren alle Tassen spurlos verschwunden und die Polizei zeigte sich wie immer in diesen Fällen völlig ratlos. Die Hilferufenden schickten mir ein Foto, das ich einer sehr genauen Analyse unterzog.

Ich stellte zunächst fest, dass neben den Tassen auch nur verhältnismäßig wenige Teller im Schrank verblieben waren. Zudem schienen auch die Sektgläser ausgeflogen zu sein. Eine Nachricht hatte keiner der Abwesenden hinterlassen – die Rückkehr war demnach geplant.

Das nächste, was mir auffiel, waren eine Menge hübsch in bunte Tüten verpackte Dinge – Geschenke, wie ich annehme. Und dann entdeckte ich etwas, das wie Reis aussah. Darüber zwei randvoll gefüllte Salatschüsseln, irgendwie erinnerte mich das an Catering. Dann im oberen Regal feinstes Tuch und auf dem Schrank drei bereits wartende Topfkutschen. Und waren das in der Tür links nicht zwei winzigkleine Ringe? Plötzlich erschauderte ich, denn ich begann zu begreifen. Im Geschirrschrank stand eine Hochzeit bevor.

Schockiert griff ich zum Telefonhörer und wählte eine Neu-Ulmer Nummer. Als sich am anderen Ende der Leitung eine Stimme meldete, schluckte ich kurz und sagte dann traurig: „Ich weiss jetzt, wo Ihre Tassen sind. Sie sind zusammen mit ein paar Tellern und den Sektgläsern zum Polterabend gegangen.“

Bei diesem wundervollen Foto handelt es sich um eine Leihgabe der allerbesten Luise Häberle.

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